Ein leiser Jahrestag am Universitätsklinikum des Saarlandes: Ohne großes Aufheben, aber mit spürbarer Erleichterung blickt das Team des Childhood-Hauses auf sein erstes volles Betriebsjahr zurück. Seit Anfang 2025 arbeitet die spezialisierte Einrichtung auf dem UKS-Campus in Homburg, nun ziehen Fachleute eine Zwischenbilanz – verbunden mit politischem Besuch und Unterstützung aus der Region.
Das Childhood-Haus, zugleich Johanniter Kinderschutz-Kompetenzzentrum und erstes seiner Art im Saarland, war im November 2024 nach einer feierlichen Eröffnung gestartet und hat zum Jahresbeginn 2025 den regulären Betrieb aufgenommen. Es richtet sich an Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Saarland, die Opfer sexualisierter oder körperlicher Gewalt geworden sind oder bei denen ein entsprechender Verdacht besteht. Ziel ist es, medizinische Versorgung, psychologische Unterstützung und die oft belastenden Klärungsprozesse unter einem Dach zu bündeln und so möglichst schonend zu gestalten.
In der Einrichtung arbeiten Fachkräfte aus Medizin, Psychologie, Jugendhilfe, Polizei, Staatsanwaltschaft und Justiz eng zusammen. Untersuchungen, Befragungen und Beratungen finden in einem geschützten Rahmen statt, der speziell auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zugeschnitten ist. „Seit dem Start waren bereits über 100 Kinder zur Untersuchung und Behandlung bei uns, etwa zwei Drittel davon Mädchen und ein Drittel Jungen. Unser Team aus Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen, Rechtsmedizinerinnen, Kindergynäkologinnen und Kinderpsychiaterinnen stellte dabei zwei Altersgipfel fest, einen im Vorschulalter und einen in der Pubertät“, erklärt Prof. Dr. Eva Möhler, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKS.
Die Polizei des Saarlandes nutzt das Childhood-Haus nach Angaben der Klinik inzwischen auch nachts für Befragungen, etwa von minderjährigen Vergewaltigungsopfern. Die kindgerechte, ruhige und traumasensible Umgebung soll einen unbelasteteren Ablauf ermöglichen. Gleichzeitig können medizinische Untersuchungen jederzeit in denselben Räumen stattfinden. So bleiben den betroffenen Kindern und Jugendlichen mehrere unterschiedliche Anlaufstellen erspart, was das Risiko zusätzlicher seelischer Belastungen verringern soll. Zuweisungen kommen unter anderem von Kinderärzten, Jugendhilfeeinrichtungen, Lehrkräften, Eltern sowie Opferschutzorganisationen wie dem Weißen Ring, Nele oder Phönix, mit denen eine enge Zusammenarbeit besteht.
Zum ersten Geburtstag des Childhood-Hauses erhielt das Team um Prof. Möhler nun Unterstützung aus Homburg: Der Lions Club Homburg übergab eine Spende von 1.000 Euro. Getragen und finanziell unterstützt wird das Projekt seit Beginn durch die World Childhood Foundation, die Genossenschaft Rheinland-Pfalz-Saar des Johanniterordens und das saarländische Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit. „Aber auch Spenden von Privatpersonen und anderen Organisationen helfen uns und unterstützen unsere Arbeit sehr“, sagte Prof. Dr. Eva Möhler. „Im Namen aller Kinder und des gesamten Teams möchte ich mich heute herzlich beim Lions Club Homburg für die Spende von 1000 Euro bedanken, und insbesondere auch bei seinem Präsidenten Dr. Dominik Schöne, der unsere Arbeit auch bereits mit Zuwendungen aus privaten Mitteln unterstützt hat.“

Bereits Ende 2025 hatten sich Vertreter der Landesregierung vor Ort ein Bild gemacht. Anlässlich des internationalen Tages der Kinderrechte besuchte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKS. Im Mittelpunkt stand das Kinderschutzkonzept des Klinikums. Aufmerksamkeit erhielt zudem die Klinik-Schule, die gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Kinder- und Jugendpsychiatrie ein bundesweit einzigartiges Angebot aufgebaut hat: Das Haus-Unterrichtszentrum (HUZ) als niedrigschwelliges Unterrichtsangebot für Kinder und Jugendliche, die aus emotionalen Gründen nicht in Regelschulen unterrichtet werden können.

Am selben Tag war auch Dr. Magnus Jung, Minister für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit, in der Kinderpsychiatrie zu Gast, um sich speziell über die Arbeit im Childhood-Haus zu informieren und mit dem Team ins Gespräch zu kommen. Er hatte den Aufbau der Einrichtung maßgeblich unterstützt, sein Ministerium übernimmt die Personalkosten. Mit Blick auf die Pläne für ein erstes Childhood-Haus im benachbarten Rheinland-Pfalz betonte er: „Ich freue mich sehr darüber, dass es uns gemeinsam gelungen ist, mit der Einrichtung des Childhood-Hauses auf dem UKS-Campus eine nach international anerkannten Standards zertifizierte Anlaufstelle für von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche zu schaffen, die durchaus Modellcharakter für entsprechende Pläne in anderen Bundesländern hat. Die hier etablierte Zusammenarbeit von Polizei und Justizbehörden mit Ärzten und Psychologen ist vorbildlich. Sie stellt die Bedürfnisse der betroffenen Kinder und Jugendlichen konsequent in den Mittelpunkt und trägt zugleich dazu bei, Unrecht aufzudecken und erlittene Gewalterfahrungen besser zu verarbeiten. Anlässlich des ersten Jahrestages möchte ich allen Beteiligten ausdrücklich für Ihr Engagement danken.“
Ein Jahr nach dem Start zeigt sich damit ein Bild: Das Childhood-Haus am UKS ist im Saarland zu einer zentralen Anlaufstelle für betroffene Kinder und Jugendliche geworden, eingebettet in ein Netzwerk aus Medizin, Justiz, Jugendhilfe und Zivilgesellschaft – und getragen von öffentlicher Hand, Stiftungen und Spendern aus der Region.


















