Im St. Ingberter Rathaus ist es ungewöhnlich voll, als sich Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Arbeitsverwaltung an einem Tisch versammeln. Anlass ist die angekündigte Schließung des Traditionsunternehmens VOIT – ein Einschnitt, der viele Beschäftigte in der Stadt unmittelbar betrifft und für spürbare Verunsicherung sorgt.
Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer hatte zu dieser Gesprächsrunde eingeladen, um gemeinsam mit allen relevanten Akteuren die Lage zu beleuchten und erste Schritte für die Zeit nach dem Aus des Unternehmens zu besprechen. Der Einladung folgten Vertreter des Betriebsrats von VOIT, der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes, der Agentur für Arbeit, der Handwerkskammer des Saarlandes sowie des Jobcenters Saarpfalz. Auch Landrat Frank John nahm teil und sagte den Betroffenen gleich zu Beginn seine Unterstützung im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten zu.
Wie tief der Einschnitt für die Belegschaft ist, machte Walter Münster, stellvertretender Vorsitzender des Betriebsrats von VOIT, deutlich. Er schilderte eindrücklich die Stimmung im Unternehmen. Seit der Bekanntgabe der endgültigen Schließung hätten bereits zahlreiche Mitarbeiter das Unternehmen verlassen und sich eigenständig neue Stellen gesucht. „Die Nachricht hat uns alle tief getroffen und kam völlig unerwartet. Entsprechend groß sind Verunsicherung und Misstrauen bei den verbliebenen Beschäftigten. Niemand weiß derzeit, wie es weitergeht“, so Münster. Zugleich betonte er, dass sich die Betroffenen in der Transfergesellschaft trotz der schwierigen Umstände gut aufgehoben fühlten.
Etwas weniger angespannt ist die Situation bei den 29 Auszubildenden. Niki Rohe, Ausbildungsleiter für die technische Berufsausbildung und ebenfalls Mitglied des Betriebsrats, berichtete: „Die Situation unserer Auszubildenden ist insgesamt recht gut. Die meisten konnten bereits in andere Betriebe vermittelt werden, einige absolvieren derzeit Praktika in Industriebetrieben. Mit den übrigen stehen wir in engem Austausch und sind zuversichtlich, auch hier gute Lösungen zu finden.“ Peter Nagel, Geschäftsführer der IHK Saarland, lobte in diesem Zusammenhang ausdrücklich das große Engagement des Betriebsrats und bedankte sich für die konstruktive Zusammenarbeit.
Oberbürgermeister Meyer umriss die Zielsetzung des Treffens klar: „Unser Anliegen ist es, gemeinsam Perspektiven zu entwickeln und den Betroffenen Wege in neue Beschäftigungsverhältnisse oder auch in die Selbstständigkeit aufzuzeigen. Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, lassen sich nur im Schulterschluss aller Beteiligten bewältigen.“ Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie der Übergang für die Beschäftigten möglichst geordnet und mit realistischen Chancen auf neue Arbeit gestaltet werden kann.
Konkrete Ansätze stellten Sandra Riga, Bereichsleiterin der Agentur für Arbeit Saarbrücken, und Katrin Luy, Teamleiterin des Arbeitgeberservices, vor. Sie erläuterten, welche Schritte geplant sind, um die Übergänge erfolgreich zu organisieren. Es gehe darum, den individuellen Bedarf zu klären und mögliche Qualifikationslücken durch Weiterbildungen, Umschulungen oder modulare Angebote zu schließen. Wichtig sei, frühzeitig aktiv zu werden und nicht bis zum Ende der Beschäftigungsverhältnisse zu warten. Informationsveranstaltungen der Transfergesellschaft könnten helfen, Ängste abzubauen und neue berufliche Perspektiven zu eröffnen.
Auch das Jobcenter Saarpfalz war mit Dr. Ulrike Zawar und Fachbereichsleiter Dietmar Schönberger vertreten. Schönberger hob die Bedeutung eines frühen Kontakts hervor: „Wir bieten gerne Beratungen vor Ort an, um Existenzängste zu nehmen und individuelle Wege aufzuzeigen. Das Jobcenter ist keineswegs eine Endstation.“ Damit machte er deutlich, dass die Behörde sich als Partner im Übergang versteht und nicht nur als letzte Anlaufstelle.
In der Runde bestand Einigkeit darüber, dass Sprachbarrieren bei Beschäftigten mit Migrationshintergrund den Wechsel in andere Unternehmen erschweren können. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass der Schritt von einer Tätigkeit in der Industrie in einen Handwerksbetrieb häufig mit Herausforderungen bei Entlohnung und Arbeitszeiten verbunden ist. Diese Punkte sollen in den weiteren Planungen besonders berücksichtigt werden.
Zum Abschluss zog Oberbürgermeister Meyer ein vorsichtig positives Fazit des Treffens: „Das heutige Auftakttreffen hat dazu gedient, die Situation aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten. Auf dieser Grundlage können nun realistische Maßnahmen entwickelt und die nächsten Schritte eingeleitet werden. Entscheidend ist ein kontinuierlicher Austausch zwischen allen Institutionen und den Betroffenen.“ Er bedankte sich bei allen Teilnehmenden für das konstruktive Gespräch und machte deutlich, dass die Arbeit an Lösungen damit erst begonnen hat.






















