Mehr als jeder dritte Mensch in Deutschland greift inzwischen mindestens einmal pro Woche auf Künstliche Intelligenz zurück – ob beim Programmieren, beim Kochen oder bei der Reiseplanung. 15 Prozent tun das sogar täglich. Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction klang, ist laut einer aktuellen Bitkom-Erhebung längst Normalität geworden: 58 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren nutzen KI in irgendeiner Form. „Künstliche Intelligenz ist schneller im Alltag angekommen als jede andere Innovation zuvor“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.
Besonders selbstverständlich gehen jüngere Generationen mit der Technologie um. Unter den 16- bis 29-Jährigen verwenden 29 Prozent jeden Tag KI-Anwendungen, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es immerhin 22 Prozent. Auch die Grundhaltung unterscheidet sich je nach Alter erheblich: 81 Prozent der Jüngeren betrachten KI vorwiegend als Chance, bei den Über-65-Jährigen teilt nur gut jeder Zweite diese Einschätzung. Insgesamt überwiegt zwar die Zuversicht – 69 Prozent sehen mehr Chancen als Risiken –, doch der Wert ist gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozentpunkte gesunken. Die Skepsis wächst also leise, aber messbar.
Drei Viertel der Befragten gehen davon aus, dass KI die Gesellschaft innerhalb der nächsten fünf Jahre spürbar verändern wird. 42 Prozent sagen sogar, das geschehe bereits jetzt – zehn Prozentpunkte mehr als noch ein Jahr zuvor. Nur zwei Prozent glauben, dass KI die Gesellschaft niemals verändern wird. Gleichzeitig treiben konkrete Sorgen die Menschen um. An erster Stelle steht die Angst vor Falschinformationen: Die Hälfte der Befragten fürchtet, dass KI zur Verbreitung von Desinformation beiträgt. Ebenso viele beklagen fehlende Regeln und Kontrollen. 49 Prozent sorgen sich, dass die Technologie zu viel Macht gewinnt, 43 Prozent zweifeln an der Sicherheit ihrer persönlichen Daten. Und 24 Prozent haben schlicht Angst, durch den Umgang mit KI geistig abzubauen.
Wer KI nutzt, tut das erstaunlich vielseitig – im Schnitt in fünf verschiedenen Einsatzfeldern. 54 Prozent der Nutzenden lassen sich bei Alltagsfragen wie Kochen oder Reparaturen helfen, die Hälfte schreibt oder verbessert Texte mit KI-Unterstützung, 44 Prozent holen sich Rat zu persönlichen Fragen. Auch Übersetzungen, kreative Projekte und Programmierung gehören zum Repertoire. Wer hingegen auf KI verzichtet, ist selten grundsätzlicher Gegner der Technologie – nur 13 Prozent der Nicht-Nutzenden bezeichnen sich so. Die Mehrheit greift schlicht auf gewohnte Werkzeuge wie die klassische Internetsuche zurück, 44 Prozent fehlt das Vertrauen, 36 Prozent sehen keinen Bedarf.
Bei den genutzten Diensten dominieren US-amerikanische Anbieter das Feld nahezu vollständig. ChatGPT von OpenAI verwenden 71 Prozent der KI-Nutzenden, Googles Gemini kommt auf 50 Prozent, Microsoft Copilot auf 43 Prozent. Meta AI, direkt in WhatsApp integriert, erreicht 35 Prozent. Europäische Alternativen wie Mistrals LeChat spielen mit vier Prozent kaum eine Rolle. Das Unbehagen darüber ist groß: 72 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger halten Deutschland bei KI für zu abhängig von den USA, zwei Drittel würden lieber eine KI aus Deutschland nutzen, 65 Prozent wünschen sich ein eigenständiges europäisches Angebot. „Europa darf sich bei KI nicht einseitig abhängig machen. Wir brauchen eigene, starke Anbieter für unsere digitale Souveränität“, fordert Wintergerst.
Auch im Berufsleben hat KI Fuß gefasst, allerdings mit deutlichen Bruchlinien. 48 Prozent der Erwerbstätigen setzen die Technologie bei der Arbeit ein, acht Prozent davon täglich. Exakt genauso viele nutzen KI im Job bislang überhaupt nicht. Bemerkenswert: Zwölf Prozent derjenigen, die KI beruflich verwenden, tun dies ohne Wissen ihres Arbeitgebers. Für 41 Prozent der Erwerbstätigen hat sich die eigene Tätigkeit durch KI bereits verändert, fast die Hälfte wünscht sich eine KI als persönlichen Assistenten. Gleichzeitig lehnen 45 Prozent jede KI-Unterstützung bei ihrer Arbeit grundsätzlich ab.
Die wahrgenommenen Vorteile im Berufsalltag sind handfest: 47 Prozent berichten von erleichterten Routineaufgaben und eingesparter Arbeitszeit, 43 Prozent sehen Freiräume für wichtigere Tätigkeiten. Doch die Kehrseite wiegt schwer. 62 Prozent kritisieren, dass unklar bleibt, wer für Fehler einer KI haftet. 59 Prozent wissen nicht, wohin die eingespeisten Daten fließen. Mehr als die Hälfte beklagt weniger menschlichen Kontakt am Arbeitsplatz. Und ein Drittel fürchtet, sich so sehr auf die Technologie zu verlassen, dass eigene Fähigkeiten verkümmern.
Wintergerst mahnt die Unternehmen, ihre Belegschaften besser mitzunehmen: „Das Management muss Transparenz herstellen, seine KI-Strategie gut erklären und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so mit KI-Kompetenzen ausstatten, dass sie den Weg in die KI-Zukunft mitgehen und mitgestalten können.“ Die Realität sieht bislang anders aus. Nur 21 Prozent der Erwerbstätigen haben eine KI-Fortbildung ihres Arbeitgebers wahrgenommen, bei 37 Prozent existieren solche Angebote gar nicht erst. Die repräsentative Befragung von 1.003 Personen ab 16 Jahren wurde von Bitkom Research zwischen Kalenderwoche acht und elf 2026 telefonisch durchgeführt.


















