Quelle: ZF
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Die ZF Friedrichshafen AG hat im Geschäftsjahr 2025 ihre eigenen Erwartungen übertroffen – und das in einem Marktumfeld, das dem Technologiekonzern kaum Rückenwind bot. Bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Friedrichshafen präsentierte Vorstandschef Mathias Miedreich Zahlen, die eine klare Botschaft senden: Der Umbau des Unternehmens zeigt Wirkung. „Wirtschaftlich haben wir unsere Ziele für 2025 übertroffen“, sagte Miedreich. „Performance und Profitabilität gehen vor Umsatz und Größe.“

Die bereinigte EBIT-Marge kletterte von 3,5 Prozent im Vorjahr auf 4,5 Prozent und lag damit oberhalb des prognostizierten Korridors von 3,0 bis 4,0 Prozent. Das entspricht einem bereinigten operativen Ergebnis von 1,7 Milliarden Euro, nach 1,5 Milliarden im Jahr zuvor. Noch deutlicher fiel der Sprung beim bereinigten Free Cashflow aus: Statt der angepeilten 500 Millionen Euro erwirtschaftete ZF 1,4 Milliarden Euro – mehr als das Vierfache des Vorjahreswerts von 305 Millionen Euro. Der Konzernumsatz ging nominell zwar um rund sechs Prozent auf 38,8 Milliarden Euro zurück, bereinigt um Wechselkurseffekte und Unternehmenstransaktionen verzeichnete ZF jedoch ein organisches Wachstum von 0,6 Prozent.

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Die Kehrseite der Bilanz offenbart sich im Nettoergebnis: Unter dem Strich steht ein Verlust von rund 2,1 Milliarden Euro. Hauptursache ist eine Einmalbelastung von etwa 1,6 Milliarden Euro, die aus der vorzeitigen Beendigung nicht profitabler Projekte im Bereich Elektromobilität resultiert. ZF hatte sich mit mehreren Kunden darauf verständigt, Vorhaben zu stoppen, die wegen des schleppenden Hochlaufs der E-Mobilität ihre wirtschaftlichen Ziele verfehlten. Miedreich verteidigte diesen Schritt offensiv: „Die Abschreibungen unprofitabler Projekte haben einen Einmaleffekt auf unsere Bilanz für 2025. Aber so nehmen wir Steine aus dem Rucksack für den Aufstieg in den kommenden Jahren.“ Die Bilanz zeige die Last der Vergangenheit, das operative Geschäft weise Richtung Zukunft.

Trotz dieser Sonderbelastung gelang es dem Konzern, seine Nettoverschuldung um rund 250 Millionen Euro auf 10,2 Milliarden Euro zu drücken. Finanzvorstand Michael Frick bezeichnete den Schuldenabbau als „wichtiges Zeichen der Stabilität und Zuversicht an unsere Mitarbeiter, Kunden und den Kapitalmarkt“. Diesen Kurs der organischen Entschuldung werde ZF fortsetzen, ergänzt um Erlöse aus dem Verkauf von Unternehmensteilen. Ein zentraler Baustein dabei ist die Veräußerung der Geschäftseinheit für Fahrerassistenzsysteme an den US-amerikanischen Innenraumelektronik-Spezialisten Harman. Der vereinbarte Unternehmenswert liegt bei 1,5 Milliarden Euro, der Abschluss wird vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen im zweiten Halbjahr 2026 erwartet. Zusätzlich untermauerte eine im Februar 2026 platzierte Anleihe über eine Milliarde Euro mit sechsjähriger Laufzeit und einem Kupon von 5,5 Prozent das Vertrauen der Kapitalmärkte – das Orderbuch war sechsfach überzeichnet.

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Die Neuausrichtung des Konzerns spiegelt sich auch in der Belegschaft wider. Zum Jahresende 2025 beschäftigte ZF weltweit 153.153 Menschen, rund fünf Prozent weniger als im Vorjahr. In Deutschland sank die Mitarbeiterzahl auf 49.210 nach zuvor 52.027. Beim im Juli 2024 formulierten Ziel, hierzulande zwischen 11.000 und 14.000 Stellen abzubauen, sieht sich das Unternehmen auf Kurs. Der Abbau erfolge ausschließlich auf freiwilliger Basis über Fluktuation, Abfindungs- und Altersteilzeitprogramme sowie verkürzte Arbeitszeiten. Innerhalb der Division Elektrifizierte Antriebstechnologien leisten die Beschäftigten durch Arbeitszeitreduzierung und den Verzicht auf tarifliche Entgeltbestandteile einen eigenen Beitrag zur Restrukturierung. „Das sind keine einfachen Zeiten“, räumte Miedreich ein. „Umso mehr danke ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren Teamgeist und ihr großes Engagement, ZF wieder in die Erfolgsspur zu bringen.“

Bei Forschung und Entwicklung investierte ZF 3,3 Milliarden Euro und damit weniger als im Vorjahr mit 3,6 Milliarden Euro, hielt die F&E-Quote aber bei 8,6 Prozent. Damit zählt der Konzern weiterhin zu den 20 forschungsstärksten Unternehmen Europas. Die Sachinvestitionen gingen von 2,3 Milliarden auf 1,8 Milliarden Euro zurück. Gleichzeitig sicherte sich ZF bedeutende Neuaufträge, darunter einen Großauftrag der BMW Group für die Lieferung und Weiterentwicklung des Acht-Gang-Automatgetriebes, auch in elektrifizierten Varianten. Zudem stellte der Konzern seine Windkraftsparte organisatorisch eigenständig auf, um ihr mehr Agilität und strategische Optionen zu verschaffen.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 rechnet ZF nicht mit einer durchgreifenden Markterholung, insbesondere im Nutzfahrzeugsektor. Der Konzern erwartet bei stabilen Wechselkursen einen Umsatz von mehr als 38 Milliarden Euro, eine bereinigte EBIT-Marge zwischen 4,0 und 5,0 Prozent sowie einen bereinigten Free Cashflow von über einer Milliarde Euro. Miedreich formulierte drei strategische Prioritäten: konsequenter Schuldenabbau, gezielte Investitionen in Kernbereiche und eine anpassungsfähige Unternehmensstruktur mit effizienten Abläufen. „Der Abbau der Finanzverbindlichkeiten hat für uns weiterhin höchste Priorität“, betonte er. „Mit jedem Euro weniger an Zinsen stärken wir unsere Widerstandsfähigkeit.“

Deutliche Worte fand der Vorstandsvorsitzende auch in Richtung Politik. Von Berlin erhofft er sich eine neue Reformagenda, von Brüssel mehr Ehrlichkeit bei der CO2-Flottengesetzgebung. Die EU-Kommission habe eine Flexibilisierung der Klimaziele lediglich angedeutet, setze ihre „industriepolitische Geisterfahrt“ aber fort. Gerade der Plug-in-Hybrid als zentrale Transformationstechnologie müsse stärker berücksichtigt werden – als Brücke, die Reichweitenangst nehme und Beschäftigung sichere. Finanzvorstand Frick fasste die Lage nüchtern zusammen: „Das Gesamtbild hat sich nicht geändert: Wir sehen keine durchgreifende Belebung der Nachfrage. Es gilt, in einer Situation ohne nennenswertes Marktwachstum zu bestehen.“

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