Bosch Business Innovations treibt 2026 den Aufbau neuer Unternehmen in drei Fokusfeldern voran: softwaregesteuerte Fertigung, medizinische Ferndiagnostik und Carbon Capture. Im Bild zu sehen ist das Halbleiterwerk in Dresden, Boschs erste AIoT-Fabrik, wo softwaregesteuerte Fertigung neue Standards für die Industrie 4.0 setzt. Foto: Sven Döring / Bosch
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Rund 200 Millionen Euro will Bosch in den kommenden fünf Jahren in den Aufbau neuer Geschäftsfelder stecken – und zwar über eine eigene Tochtergesellschaft, die gezielt Start-ups von der ersten Idee bis zur Marktreife begleiten soll. Bosch Business Innovations heißt die Einheit, die als sogenannter Corporate Venture Builder fungiert und bis 2030 insgesamt 20 eigenständige Unternehmen operativ an den Start bringen will. Damit setzt der Stuttgarter Technologiekonzern ein deutliches Signal: Innovation soll nicht nur in den bestehenden Geschäftsbereichen stattfinden, sondern bewusst auch jenseits des Kerngeschäfts.

„Innovationskraft und Technologieführerschaft sind ein fester Bestandteil der Geschichte von Bosch“, betonte Konzernchef Stefan Hartung bei der Vorstellung der Pläne am 28. April. „Wir haben uns schon immer weiterentwickelt, indem wir frühzeitig und entschlossen neue Technologien identifiziert und in sie investiert haben – denn Innovationen sind unsere wichtigste Währung.“ Mit der erheblichen finanziellen Ausstattung erhalte Bosch Business Innovations nun den nötigen Spielraum, damit neue Ideen ein Zuhause und Raum zur Entfaltung bekämen.

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Drei Themenfelder hat die Einheit zum Auftakt definiert, in die vorrangig investiert werden soll. Erstens: softwaregesteuerte Fertigung, bei der Bosch auf seine industrielle Stärke und seine Kompetenz in Daten, Software und künstlicher Intelligenz setzt, um plattformbasierte Geschäftsmodelle für die Produktion zu entwickeln. Zweitens: medizinische Fernüberwachung, ein Bereich, den Bosch als stark wachsend, aber noch stark zersplittert einschätzt. Hier bringt der Konzern ein bestehendes Gesundheits-Ökosystem mit, darunter das Robert-Bosch-Krankenhaus und zahlreiche Klinikpartnerschaften, ergänzt durch die eigene Stellung als Weltmarktführer bei MEMS-Sensoren, die für solche Anwendungen unverzichtbar sind. Drittens: die Abscheidung, Nutzung und Speicherung von Treibhausgasen – ein strategisches Entwicklungsfeld, in dem Bosch Möglichkeiten prüft, industrielle Dekarbonisierung und CO₂-Entfernung aus der Umgebungsluft in tragfähige Geschäftsmodelle zu überführen. Weitere Investitionsfelder sollen in den kommenden vier Jahren folgen.

Axel Deniz, Geschäftsführer von Bosch Business Innovations, beschrieb die Grundidee so: „Unser Ziel ist es, systematisch neue Ideen jenseits des heutigen Kerngeschäfts aufzubauen. Hierzu setzen wir auf die Stärken von Bosch, insbesondere die technologische Expertise und die Patentkraft. Diesen strukturellen Vorteil eines Großunternehmens kombinieren wir mit der Schnelligkeit und Flexibilität aus der Start-up-Welt.“ Konkret bedeutet das: Bosch Business Innovations arbeitet partnerschaftlich mit erfahrenen Venture Studios zusammen, die Umsetzungsgeschwindigkeit und Gründungserfahrung einbringen. Chancen und Risiken werden dabei bewusst geteilt. Externe Gründerpersönlichkeiten sind ausdrücklich willkommen – sie werden frühzeitig am jeweiligen Unternehmen beteiligt und gestalten von Beginn an mit. Zusätzlich sollen externe Investoren eingebunden werden, um weiteres Kapital und Marktzugänge zu erschließen.

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Die neue Einheit ist kein kompletter Neuanfang. Sie hat sich aus der bisherigen Bosch-Tochter grow platform entwickelt, die interne Start-ups innerhalb des Konzerns aufgebaut hatte. Das bestehende Portfolio wurde unter dem Dach von Bosch Business Innovations neu sortiert, mit dem Ziel, für alle Teams tragfähige Perspektiven zu schaffen – innerhalb oder außerhalb des Konzerns. Ein konkretes Beispiel dafür lieferte bereits Ende 2025 der Verkauf von Bosch Advanced Ceramics, einem Spezialisten für keramischen 3D-Druck, an den japanischen Industrieanlagen-Anbieter Sintokogio.

Mit dem Schritt positioniert sich Bosch Business Innovations als zusätzliche Säule der Innovationstätigkeit neben der konzerneigenen Forschung und Entwicklung, in der weltweit rund 82 000 Beschäftigte arbeiten, sowie neben der bereits etablierten Venture-Capital-Tochter Bosch Ventures. Der Konzern, der im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 91 Milliarden Euro erwirtschaftete und rund 413 000 Menschen beschäftigt, will damit seine Fähigkeit stärken, Zukunftsthemen nicht nur technologisch zu erforschen, sondern auch unternehmerisch umzusetzen – und das mit der Geschwindigkeit, die Start-ups auszeichnet, gepaart mit der Substanz eines globalen Industriekonzerns.

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