In Homburg wurde mit einer würdigen Veranstaltung an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 und an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert.
Die Gedenkfeier fand am Montag, 10. November, in der Protestantischen Stadtkirche sowie an der Ruine der ehemaligen Synagoge statt. Veranstalter waren die christlichen Kirchen in Homburg, das städtische Kinder- und Jugendbüro und das Stadtarchiv. Beteiligt waren der Chor der Musikschule unter Leitung von Carola Ulrich, Schüler der AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ des Saarpfalz-Gymnasiums (SPG) sowie Konfirmanden der protestantischen Kirchengemeinden.
Durch das Programm führte Pfarrerin Petra Scheidhauer. Hauptrednerin war Joanna Bergin, die Tochter der in Homburg geborenen Übersetzerin und Schriftstellerin Edith Aron. Sie berichtete über Lebensstationen ihrer Mutter, trug eine Kurzgeschichte von Edith Aron und ihr Gedicht „What is a refugee“ vor. Beim anschließenden Schweigegang zur Synagogenruine sprach die ehrenamtliche Beigeordnete für Jugend, Nachhaltigkeit und Tierschutz, Nathalie Kroj.

Die Beiträge erinnerten an die Zerstörungen der Reichspogromnacht, als in ganz Deutschland und auch in Homburg Synagogen geschändet und Wohnungen sowie Geschäfte jüdischer Bürger verwüstet wurden. Beiträge des SPG gingen auf heutige Erscheinungsformen des Antisemitismus ein und darauf, dass antisemitische Vorfälle in Deutschland seit dem 7. Oktober 2023 stark zugenommen hätten. Dabei wurde betont, dass kein politischer Konflikt Hass auf Juden rechtfertigt und man nicht wegsehen dürfe.
Joanna Bergin schilderte, wie wichtig es sei, alles dafür zu tun, dass sich die schrecklichen Ereignisse der Reichspogromnacht und der folgenden Zeit nicht wiederholen. Ihre Mutter Edith Aron sei 1935 mit ihrer Mutter nach Argentinien ausgereist, habe sich zwischen Argentinien und Homburg hin- und hergerissen gefühlt und vermutlich nicht überlebt, wäre sie in Deutschland geblieben. Bei einem früheren Besuch habe sie in Homburg – insbesondere am früheren Elternhaus in der Oberen Allee 29 – eine starke Verbindung gespürt. „Gemeinsam sind wir stärker“, lautete ihre Botschaft.

In der Ruine der Synagoge sagte Nathalie Kroj: „Wir sind zusammengekommen, um ein Zeichen gegen menschenverachtendes Gedankengut und Handeln zu setzen. Wir werden nicht müde, dieses Gedenken zu wiederholen: Generation für Generation – Jahr für Jahr.“ Abschließend erinnerte sie daran, Verantwortung für Freiheit und ein respektvolles Miteinander zu übernehmen. Nach dem gemeinsam gesungenen „Hevenu schalom alejchem“ endete die Gedenkveranstaltung, an der auch Gäste jüdischer Familien aus Straßburg und Saargemünd teilnahmen, für deren Vorfahren im vergangenen Jahr Stolpersteine verlegt wurden.

























