Symbolbild
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Als das ZDF kurz vor der Ausstrahlung der 100. Folge von „Die Anstalt“ die Reißleine zog, blieb bei vielen Beschäftigten ein ungutes Gefühl zurück. Der ver.di-Senderverband im ZDF wirft der Senderleitung nun offen vor, mit der Ausladung des Musikers Danger Dan und des Pianisten Igor Levit das Vertrauen der eigenen Belegschaft beschädigt zu haben. Es gehe, so die Gewerkschaft, längst nicht mehr nur um eine einzelne Satiresendung.

Geplant war ein Auftritt mit dem Lied „Keine Angst“, das sich mit dem Widerstand gegen Rechtsextremismus auseinandersetzt, gefolgt von einer Diskussionsrunde. Das ZDF begründete den Rückzug damit, der Songtext könne als Aufruf zu Gewalt gedeutet werden und stehe damit im Widerspruch zu den eigenen Programmrichtlinien. Das Team der „Anstalt“ distanzierte sich umgehend und nannte die Entscheidung mutlos.

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Genau an diesem Punkt setzt die Kritik von ver.di an. „Hier wurde eine wichtige Chance vertan, über Haltung zu sprechen und eine inhaltliche Debatte anzustoßen“, sagt Nina Bernhardt, Vorsitzende des Senderverbandes im ZDF. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse auch schwierige und unbequeme Inhalte aushalten. Seine Aufgabe sei es schließlich, aufzuklären, gesellschaftliche Debatten anzustoßen und gegensätzliche Positionen sichtbar zu machen.

Was die Gewerkschaft besonders umtreibt, ist die Frage nach dem Rückhalt für die eigenen Leute. Wer sorgfältig entwickelte und verantwortungsvoll vorbereitete Beiträge produziere, müsse darauf vertrauen können, dass diese nicht kurzfristig von oben gestoppt würden. Andernfalls, so die Sorge, entstehe der Eindruck, dass neben journalistischen und künstlerischen Kriterien vor allem die Angst vor öffentlichen Reaktionen den Ausschlag gebe.

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„Die Kolleg*innen im ZDF arbeiten jeden Tag unter erheblichem öffentlichem und politischem Druck“, erklärt Sebastian Sauerwein-Dohn, zuständiger Gewerkschaftssekretär bei ver.di. Wer von ihnen Mut, Kreativität und Verantwortungsbewusstsein erwarte, müsse ihnen auch den nötigen Schutz bieten. Ein Eingriff von höchster Stelle beschädige das Vertrauen in die innere Programmfreiheit.

Die Befürchtung reicht weiter als bis zur abgesagten Sendung. Ein solches Vorgehen könne dazu führen, dass kontroverse Themen künftig vorsichtiger behandelt, Zuspitzungen gemieden oder notwendige Debatten gar nicht erst angepackt würden. Betroffen seien damit alle, die im ZDF journalistische, redaktionelle, künstlerische und produktionelle Verantwortung tragen.

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Der Vorgang lenkt für ver.di den Blick zugleich auf ein grundsätzliches Defizit: verlässliche Schutzstrukturen für Medienschaffende. Das ZDF hat sich bislang nicht dem von der Gewerkschaft mitinitiierten Schutzkodex angeschlossen, der Medienunternehmen dazu verpflichtet, fest angestellte wie freie Mitarbeitende umfassend vor Bedrohungen, Anfeindungen und Angriffen abzusichern.

Um die Grundsätze dieses Kodex verbindlich im Sender zu verankern, hat ver.di eine Musterdienstvereinbarung entwickelt. Der Senderverband fordert die ZDF-Leitung auf, darüber mit dem Personalrat, den Gewerkschaften und den Interessenvertretungen der freien Mitarbeitenden zu verhandeln.

Am Ende steht für die Gewerkschaft eine klare Erwartung an die Führung des Senders. „Die Beschäftigten brauchen Klarheit darüber, wie diese Entscheidung zustande gekommen ist und welchen Stellenwert die redaktionelle Verantwortung im ZDF besitzt“, betont Sauerwein-Dohn. Der Intendant müsse erklären, wie er das beschädigte Vertrauen wiederherstellen wolle – durch eine transparente Aufarbeitung, einen offenen Dialog und verbindliche Regeln zum Schutz der Menschen, die das Programm täglich gestalten.

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