Der Ausbau erneuerbarer Energien bleibt der richtige Kurs – doch bei der Stromsteuer hat die Bundesregierung nach Ansicht der Energiewirtschaft eine entscheidende Chance verpasst. So lautet die Kernbotschaft des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zu den Ergebnissen des Koalitionsausschusses, die am 13. April 2026 vorgestellt wurden. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, machte in ihrer Stellungnahme deutlich, dass ambitionierte Ausbauziele für Wind- und Solarenergie zwar unverzichtbar seien, aber ohne flankierende Maßnahmen nicht ihr volles Potenzial entfalten könnten.
Grundsätzlich stellt sich der Verband hinter die Regierungslinie, den Zubau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten weiter zu beschleunigen. Andreae betonte, dies sei die Voraussetzung, um die Energieversorgung zukunftsfest zu machen, die heimische Wertschöpfung zu stärken und die Abhängigkeit von fossilen Importen zu verringern. „Wir unterstützen die Bundesregierung darin, den Ausbau Erneuerbarer Energien weiter ambitioniert voranzutreiben“, erklärte sie und verwies auf die strategische Dimension: Mehr grüner Strom ermögliche es, Industrie, Wärmeversorgung und Verkehr konsequent zu elektrifizieren.
Der BDEW rückt dabei ein Argument in den Vordergrund, das in der öffentlichen Debatte oft untergeht: Elektrifizierung senkt den gesamten Energiebedarf erheblich. Noch immer werden in Deutschland fast 80 Prozent des Energieverbrauchs durch fossile Brennstoffe gedeckt. Wer Prozesse auf Strom umstelle – ob über E-Autos oder Wärmepumpen –, erziele deutlich höhere Wirkungsgrade, weil bei der Nutzung von Strom weit weniger Energie verloren gehe als bei der Verbrennung von Öl, Gas oder Kohle. „Die Gesamteffizienz des Energiesystems im Strom-, Wärme-, Verkehrs- und Industriebereich wird deutlich verbessert und somit automatisch die Anteile Erneuerbarer Energien in allen Sektoren erhöht“, so Andreae. Für Bereiche, die sich nicht elektrifizieren lassen, brauche es zudem ein klares Bekenntnis der Bundesregierung zum Wasserstoff.
Umso schärfer fällt die Kritik an einem Punkt aus, den die Koalition offenbar nicht lösen konnte: die Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß. Andreae nannte es einen Fehler, dass eine solche Entlastung nicht zustande gekommen sei. Sie hätte Verbraucherinnen und Verbraucher in der Breite entlastet, auf die Klimaziele eingezahlt und den Weg für eine stärkere Elektrifizierung geebnet. Gerade in der aktuellen Lage wäre das auch ein deutliches Signal zugunsten der Elektromobilität gewesen, argumentierte die Verbandschefin.
Stattdessen setzt die Regierung offenbar auf eine befristete Senkung der Mineralölsteuer, um die derzeit hohen Spritpreise abzufedern. Aus Sicht des BDEW ist das reine Symptombekämpfung, die an der strukturellen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen nichts ändere und Autofahrerinnen und Autofahrern keine langfristig nachhaltige Entlastung bringe. Der Verband fordert stattdessen ein ganzes Bündel an Maßnahmen: neben der Stromsteuersenkung gezielte Anreize für Fahrzeugflotten, nachhaltige Steuervorteile auch für private Pkw sowie die Wiederauflage des Förderprogramms für klimaschonende Nutzfahrzeuge und die dazugehörige Infrastruktur – etwa für E-Lkw und elektrische Zugmaschinen.
Mit dieser Positionierung macht der BDEW deutlich, dass der Umbau des Energiesystems aus seiner Sicht nicht allein über Ausbauziele gelingen kann. Es brauche wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die den Umstieg auf strombasierte Technologien für Unternehmen und Privatleute gleichermaßen attraktiv machen. Ob die Koalition diese Impulse aufgreift, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen, wenn die konkreten Gesetzesvorhaben auf den Weg gebracht werden.



















