Foto: Jule Preiß

Wer in den vergangenen Wochen durch die St. Ingberter Fußgängerzone oder die Ludwigstraße spaziert ist, dem dürfte der Anblick aufgefallen sein: Dort, wo sonst dichte Baumkronen das Straßenbild prägen, ragen nun kahl geschnittene Stämme in die Höhe. Insgesamt 31 Kugelahorne hat die Stadtgärtnerei Ende Januar und Anfang Februar einem radikalen Rückschnitt unterzogen. Die Stadt St. Ingbert erklärt den Eingriff mit einer klaren Priorität – der Sicherheit von Passantinnen und Passanten.

Die betroffenen Bäume der Sorte Acer platanoides „Globosum“ zeigten nach Angaben der Stadtverwaltung deutliche Alterserscheinungen. Fachleute sprechen von Vergreisung, einem Zustand, in dem die Vitalität der Krone nachlässt und das Holz brüchig wird. Zuletzt war es wiederholt zum Ausbruch überalterter Starkäste gekommen. In einer Fußgängerzone, in der täglich zahlreiche Menschen unterwegs sind, sei ein solches Risiko nicht hinnehmbar gewesen.

Anzeige

Veranlasst hat die Maßnahme die Abteilung Stadtgrün und Friedhofswesen, ausgeführt wurde sie von der Stadtgärtnerei im Rahmen der regulären Baumpflege. Ziel des sogenannten Verjüngungs- und Sanierungsschnitts ist es, eine komplett neue Kronenstruktur aufzubauen. Durch den gezielten Rückschnitt sollen junge, kräftige Triebe angeregt werden, die langfristig eine stabile und verkehrssichere Krone bilden.

Ein weiterer Faktor spielte bei der Entscheidung ebenfalls eine Rolle: Veranstaltungen wie das Stadtfest beanspruchen die Bäume in der Innenstadt regelmäßig. Große Fahrzeuge, Auf- und Abbauarbeiten sowie Anlieferverkehr führen immer wieder zu Beschädigungen an Ästen und Kronenteilen. Diese mechanischen Belastungen schwächen die Stabilität der Bäume auf Dauer zusätzlich und machten den Eingriff umso dringlicher.

Anzeige

Die Stadtverwaltung gibt sich zuversichtlich, dass der kahle Anblick nicht von Dauer sein wird. Bereits im Verlauf dieses Jahres rechnet sie mit einem deutlichen Neuaustrieb. Als Beleg verweist sie auf einzelne Bäume, die schon im vergangenen Jahr in vergleichbarer Weise geschnitten wurden und bereits in der ersten Vegetationsperiode einen kräftigen neuen Kronenaufbau entwickelt haben. Auch die nun behandelten Kugelahorne sollen demnach zügig wieder eine geschlossene Krone ausbilden und perspektivisch erneut Schatten spenden.

Mit dem Eingriff verfolgt St. Ingbert nach eigener Darstellung ein doppeltes Ziel: Einerseits soll die unmittelbare Gefahr durch herabfallende Äste gebannt werden, andererseits geht es um den langfristigen Erhalt des Baumbestands in der Innenstadt. Statt kranke Bäume zu fällen und durch Neupflanzungen zu ersetzen, setzt die Stadt auf Regeneration – ein Ansatz, der den vorhandenen Bestand bewahrt und gleichzeitig für mehr Sicherheit sorgt.