Ein monumentaler Gemäldezyklus, der lange als verschollen galt, steht im Mittelpunkt eines Abends in St. Ingbert. Am Donnerstag, 10. September, um 19.30 Uhr laden das St. Ingberter Literaturforum und die Stadtbücherei zu einer Buchvorstellung ein. Simon Matzerath präsentiert gemeinsam mit dem Conte Verlag ein Sachbuch, das eine unbequeme Frage stellt: Wie geht eine Gesellschaft mit den nationalistischen Bildern ihrer Vergangenheit um?
Im Zentrum steht der Saarbrücker Rathauszyklus, ein gewaltiges Werk des Malers Anton von Werner zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und zur Reichseinigung. Einst als nationales Denkmal gefeiert, ist der Zyklus heute umstritten. Genau an diesem Reibungspunkt setzt das Buch an, das Matzerath zusammen mit Jessica Siebeneich verfasst hat: „Inszenierung der Nation. Der Deutsch-Französische Krieg in den Saarbrücker Monumentalgemälden Anton von Werners“.
Die beiden Autoren aus Frankreich und Deutschland nehmen die Wiederentdeckung der Gemälde zum Anlass, um grundsätzliche Fragen zu verhandeln. Ist die Restaurierung solcher Werke ein Rückfall in alten Nationalismus – oder gerade die Chance, diesen kritisch zu entlarven? Was geschieht, wenn belastete Bilder nicht weggeschlossen, sondern schonungslos in ihren historischen Kontext gestellt werden?
Der Band begleitet den gesamten Weg des Zyklus: von der Wiederentdeckung über eine spektakuläre Live-Restaurierung im Museum bis zur digitalen Rekonstruktion des historischen Rathaussaals. Dabei wird sichtbar, wie scheinbar authentische Historienmalerei tatsächlich funktioniert – und warum sie aus heutiger Sicht als eine Art frühmoderne Inszenierung gelesen werden kann.
Zwischen Erinnerungskultur, Geschichtspolitik und deutsch-französischer Freundschaft macht das Buch deutlich, dass historische Quellen nie harmlos sind. Zugleich sind sie unverzichtbar, wenn eine Gesellschaft ihre demokratische Widerstandskraft stärken will. Die Leserinnen und Leser sind eingeladen, hinter die glänzende Oberfläche nationalistischer Monumente zu blicken – und zu erkennen, wie aus einem umkämpften Erinnerungsort ein Labor für kritische Geschichtsvermittlung werden kann.
Simon Matzerath bringt für dieses Thema die passende Vita mit. Er studierte Archäologie und Geschichte in Köln, Tübingen und Paris, leitete Forschungsprojekte und war seit 2014 Kurator bei der Archäologischen Landesausstellung Nordrhein-Westfalen. Von 2016 bis 2024 stand er an der Spitze des Historischen Museums Saar, seit Juli 2024 leitet er das Landesdenkmalamt Saarland.
Der Eintritt ist frei, allerdings ist eine vorherige Anmeldung bei der Stadtbücherei St. Ingbert erforderlich. Interessierte erreichen die Bücherei telefonisch unter 06894/9225711 oder per E-Mail an stadtbuecherei@st-ingbert.de.



















