Sechs Tage Sport, Begegnung und Emotion – und am Ende ein Satz, der das Saarland in dieser Woche besonders gemacht hat: „Von Athlet*innen für Athlet*innen.“ Was Dennis Mellentin, Vizepräsident Athleten bei Special Olympics Deutschland (SOD), bereits vor dem Start der Nationalen Spiele angekündigt hatte, bestätigte sich in Saarbrücken und an den weiteren Austragungsorten in voller Deutlichkeit. Menschen mit Beeinträchtigung prägten diese Spiele nicht nur sportlich, sondern auch inhaltlich, organisatorisch und in den Gremien – im Hauptamt wie im Ehrenamt.
Dass dieser Wandel kein Lippenbekenntnis ist, machte die eigens eingerichtete Athlet*innen-Arbeitsgruppe sichtbar. „Sie wollen mitgestalten. Und sie waren unsere Meinungs- und Ideengeber, auf die gehört wird“, sagte Wiebke Linnemann-Schweizerhof, Geschäftsleiterin Programm-Management bei SOD, auf der Abschluss-Pressekonferenz am Samstag. SOD-Präsidentin Christiane Krajewski ergänzte mit hörbarem Stolz: „Unsere Athleten sind stark, sie sind resilient, sie präsentieren sich selbstbewusst. Sie sind mit ihrer Haltung Vorbilder für unsere Gesellschaft.“
Auffällig war, wie viele Menschen mit Beeinträchtigung diesmal in die Organisation und das Volunteer-Team eingebunden waren – unter den 3.100 freiwilligen Helferinnen und Helfern ebenso wie in den hauptamtlichen Strukturen. Der saarländische Athletensprecher Tim Theobald, selbst Mitglied der Arbeitsgruppe, brachte den Gedanken bodenständig auf den Punkt: „Ich habe vielen Freunden gesagt, sie sollen sich als Volunteer hier melden. Viele wissen ja einfach nicht, wie sie mit Menschen mit Handicap umgehen sollen. Das kann man hier lernen.“
Genau diesen Lerneffekt soll auch das vielbeachtete Schulprojekt erzeugen. Mehrere hundert Klassen hatten sich im Vorfeld mit Special Olympics auseinandergesetzt und die Wettkämpfe anschließend live verfolgt. Sie sorgten nicht nur für eine mitreißende Stimmung in Hallen und auf Plätzen, sondern bauten Berührungsängste frühzeitig ab. „Wir nehmen von diesen Spielen mit, dass Inklusion funktioniert, wenn wir die Menschen abholen“, fasste Linnemann-Schweizerhof zusammen. Das Projekt soll künftig weiter ausgebaut werden.
Für den saarländischen Sportminister Reinhold Jost sind die Nationalen Spiele vor allem ein Anfang. Die zehn Millionen Euro, die das Land in barrierearme Sportstätten investiert hat, dürften nicht das Ende der Bemühungen sein. „Das muss weitergehen“, betonte er. Inklusiver Sport für alle – eines der Kernziele von Special Olympics – brauche dauerhafte Strukturen, nicht nur ein Großereignis als Schaufenster.
Sichtbarkeit war ohnehin ein bestimmendes Thema der Woche. Teilnehmende, Familien und Gäste prägten das Bild in den saarländischen Innenstädten und an den Sportstätten. Trotz der parallel laufenden Fußball-Weltmeisterschaft in den USA fiel die Medienresonanz stark aus, getragen auch von der Allianz der acht größten Medienhäuser Deutschlands. Allein die Eröffnungsfeier brachte dem Saarländischen Rundfunk 14 Prozent Einschaltquote. Prominente Botschafter wie Tennisprofi Andreas Mies, French-Open-Doppelsieger 2019 und 2020, versprachen, das Format weiterzutragen: „Ich werde Werbung machen und alle vorbeischicken.“
Ein stiller, aber starker Pfeiler war einmal mehr das Gesundheitsprogramm „Healthy Athletes“. Mit 2.750 Untersuchungen wurden die Erwartungen klar übertroffen – kalkuliert hatte man mit 2.000. Angesichts der hohen Temperaturen ab Mittwoch reagierten die Veranstalter mit verlegten Wettbewerben in den Morgenstunden, Lautsprecherdurchsagen, kostenlosen Getränken und zusätzlichen Schattenplätzen. Auf dem Tennisplatz in Saarlouis rückte die Freiwillige Feuerwehr binnen 30 Minuten an und installierte eine Sprühanlage.
Am Ende blieb dem Team Saarland viel Lob: für die Organisation, die grenzüberschreitende Idee, die herzliche Aufnahme der Gäste. Rund 110.000 Menschen verfolgten die Wettkämpfe vor Ort und spürten, dass hier etwas Besonderes geschah – getragen von Medaillenjubel, persönlichen Bestleistungen und neuen Freundschaften. „Schade, dass es vorbei ist“, sagte SOD-Präsidentin Krajewski. Damit dürfte sie vielen aus der Seele gesprochen haben.



















