In St. Ingbert konnten sich am Montag in der Alten Kirche homosexuelle Paare segnen lassen. - Foto: Pfarrei Hl. Ingobertus

Es war eine Aktion, die für viel Aufsehen sorgte, auch außerhalb der Kirche. Viele katholische Gemeinden in Deutschland veranstalteten unter dem Motto #liebegewinnt am vergangenen Montag Segensfeiern für homosexuelle Paare. Auch die Pfarrei Hl. Ingobertus aus St. Ingbert nahm teil. Vom Lesben- und Schwulenverband Saar gibt es dafür Lob. Und auch in Homburger Pfarreien stößt das Anliegen auf Sympathie.

„Die Kirche vertritt meines Erachtens nach eine veraltete Sexualmoral. Ich finde, sie sollte sich – gerade im Hinblick auf die Verbrechen, die von Kirchenmännern begangen wurden – zu Fragen des Zusammenlebens und der Sexualität nur sehr vorsichtig äußern.“ Diese Worte kommen nicht etwa von einem atheistischen Kirchenkritiker. Nein, sie stammen von Daniel Zamilski, seines Zeichens Gemeindepfarrer der Pfarrei Hl. Ingobertus. Sie sind auch eine Reaktion darauf, dass der Vatikan Mitte März Segensfeiern für homosexuelle Paare untersagt hatte.

Folge war gerade in Deutschland ein Sturm der Entrüstung, der schließlich zur Aktion #liebegewinnt führte, bei der sich am Montag in ganz Deutschland schwule und lesbische Paare von Pfarrern segnen lassen konnten. In der St. Ingberter Alten Kirche war dafür ein sogenannter „Paar-Cours“ mit Musik und einer Lichtinstallation aufgebaut worden, in dessen Rahmen man sich schließlich auch segnen lassen konnte.

Die Kirche sei laut Pfarrer Zamilski voll gewesen. „Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir mit dem Votum aus Rom nicht einverstanden sind. Die Liebe zwischen Menschen ist ein Segen und wir segnen jeden, die/der um den Segen Gottes bittet, weil wir glauben, dass Gott die Liebe ist und diese Liebe auch die engstirnigsten Grenzen sprengt.“ Damit spielt Zamilski wohl vor allem auf innerkirchliche Gruppen an, die solchen Segnungen grundsätzlich skeptisch gegenüberstehen, wie man offenbar auch in St. Ingbert zu spüren bekam. „Aus dem erzkonservativen Milieu gab es Kritik und Drohungen, den Bischof einzuschalten. Das hat uns jedoch nicht abgebracht, sondern noch mutiger gemacht“, erzählt Zamilski.

Lob für die Aktion gibt es erwartungsgemäß vom Lesben und Schwulenverband Saar. „Aus unserer Sicht sind die Segnungen ein Schritt in die richtige Richtung“, teilt Vorstandsmitglied Tim Stefaniak auf Anfrage mit. „Es ist zu begrüßen, dass einige Priester den Dialog suchen, dies erfordert Mut.“ Generell sei es dem LSVD wichtig, in einen Dialog zu kommen. „Es ist nicht dienlich, sich gegenseitig falsches Verhalten vorzuwerfen, sondern man muss aufeinander zugehen.“

In den Homburger Pfarreien steht man diesem Gedanken sehr positiv gegenüber. Zwar gab es hier keine solche Feier, doch auch hier ist man offen für schwule und lesbische Paare. „Ich biete eine solche Segnung für Homosexuelle selber an und habe das auch schon zweimal hier gemacht“, verrät Pfarrer Pirmin Weber von der Pfarrei Hl. Johannes XXIII, zu der unter anderem die Kirche St. Andreas in Erbach gehört. „Ich bin aber generell kein Freund von solchen Protestaktionen wie in St. Ingbert.“

Und auch bei der Gemeinde Heilig Kreuz hat man bereits auf das Thema reagiert. Zwar nicht verbal, aber mithilfe einer Regenbogenfahne, die vor dem Pfarrgebäude St. Fronleichnam aufgehängt wurde. „Auf der steht „Segensort für alle“. Damit wollen wir signalisieren, dass bei uns jeder willkommen ist gleich welchen Geschlechts, welcher Herkunft, welcher sexuellen Orientierung“, unterstreicht Pastoralreferent Stefan Pappon.

Vor diesem Hintergrund stehe man auch hinter dem Generalvikar des Bistums Speyer, Andreas Sturm, der sich „schockiert und fassungslos“ über das Verbot des Vatikans gezeigt hatte, homosexuelle Paare zu segnen. Es könne nicht Gottes Wille sein, dass diese nicht gesegnet werden dürften. „Auch ich unterstütze Generalvikar Sturm in seiner Position vollkommen“, stellt sich Pfarrer Weber ebenso wie Pappon hinter die Position des Speyerer Kirchenmanns. Viel Rückhalt also für die Segnung homosexueller Paare in der Saarpfalz. 

Das ist laut LSVD aber auch bitter nötig, denn viele Homosexuelle seien bereits aus der Kirche ausgetreten, „weil sie mit den vielfach negativen Taten und Worten seitens der Kirche nicht einverstanden sind“, wie es Tim Stefaniak ausdrückt. „Es gibt aber auch Personen, die in der Kirche und im Glauben eine Heimat und Halt finden.“ Zumindest für diese dürfte die Aktion #liebegewinnt ein Schritt nach vorne gewesen sein, was den Umgang mit Homosexuellen in der Katholischen Kirche angeht.

 

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