Die Stimmung in der saarländischen Wirtschaft hat sich im August deutlich eingetrübt. Das zeigt die jüngste Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland unter rund 300 Unternehmen mit mehr als 100.000 Beschäftigten. Zwar legte der Lageindikator leicht um 1,1 Punkte auf minus 3,2 Zähler zu, doch der Erwartungsindikator brach um 7,2 Punkte auf minus 14,0 Zähler ein – der stärkste Rückgang binnen eines Monats seit drei Jahren.
Während die Rüstungsindustrie für etwas bessere Geschäfte sorgte, ist in weiten Teilen der Saarwirtschaft Pessimismus spürbar. Hauptgründe sind die neuen US-Zölle, die Aufwertung des Euro und die Unzufriedenheit mit der wirtschaftspolitischen Ausrichtung der Bundesregierung. „Der Zollschock trifft die exportorientierte Saarwirtschaft mitten ins Herz. Zugleich verliert Deutschland aufgrund ungelöster struktureller Probleme – von zu hohen Energie- und Lohnnebenkosten über lähmende Bürokratie bis hin zu fehlenden Reformen in Steuer- und Sozialsystemen – immer weiter an internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Unter diesen Rahmenbedingungen droht der Wirtschaft ein weiteres Rezessionsjahr, verbunden mit steigender Arbeitslosigkeit und Wohlstandsverlusten“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé. Er forderte von der Bundesregierung eine „klare Priorität für Investitionen in Digitalisierung, Infrastruktur und Bildung“ sowie Entlastungen bei Steuern und Abgaben.
Die aktuelle Geschäftslage wird sehr unterschiedlich bewertet: 21 Prozent der Unternehmen sprechen von einer guten oder sehr guten Situation, 55 Prozent von einer befriedigenden und 24 Prozent von einer schlechten. Im verarbeitenden Gewerbe laufen die Geschäfte nur noch in der keramischen Industrie gut. Befriedigende Ergebnisse melden unter anderem das Ernährungsgewerbe, der Stahlbau, der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Medizintechnik. Angespannt bleibt die Lage dagegen in der Kunststoff- und Gummiindustrie, bei Gießereien, Metallerzeugern, im Fahrzeugbau und in großen Teilen der Stahlindustrie.
Im Dienstleistungssektor berichten 79 Prozent von guten oder befriedigenden Geschäften. Besonders die IT-Wirtschaft entwickelt sich positiv, während Banken, Versicherungen und Handel überwiegend eine stabile, aber nicht glänzende Lage sehen. Im Hotel- und Gaststättengewerbe ist die Stimmung angesichts schwacher Rentabilität bestenfalls verhalten.
Für die kommenden sechs Monate rechnen lediglich vier Prozent der Betriebe mit einer Verbesserung, 18 Prozent hingegen mit einer Verschlechterung. Besonders angespannt blicken Fahrzeugbau und Zulieferer in die Zukunft. „Deutschland befindet sich weiterhin im Abwärtstrend. Der Produktionsstandort ist im internationalen Vergleich zu teuer, zu unflexibel und zu bürokratisch. Investitionen wandern an günstigere Standorte ab, die Exporte sinken und Marktanteile gehen weltweit verloren. Der Rückstand bei Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Technologien gegenüber den USA, aber zunehmend auch gegenüber China, ist alarmierend. Jetzt braucht es eine klare Richtungsentscheidung des Bundeskanzlers, die eine echte Wirtschaftswende mit Vorfahrt für Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Wachstum einleitet“, so Thomé.




















