Rund 29,5 Millionen Euro fließen bis 2032 in ein Vorhaben, das den technologischen Wandel im Saarland aktiv mitgestalten soll. Unter dem Namen „SaarNex“ haben sich die htw saar, die Universität des Saarlandes und das Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren (IZFP) zu einem Forschungsverbund zusammengeschlossen. Vorgestellt wurde das Projekt, das aus dem Transformationsfonds unterstützt wird, im Technikum der htw saar.
Die inhaltliche Ausrichtung ist breit angelegt. SaarNex verknüpft Kompetenzen aus Künstlicher Intelligenz, Sensorik, Neurotechnologie, Kommunikation und Datenmanagement, um daraus praktische Anwendungen zu entwickeln. Im Zentrum stehen intelligente Sensorsysteme, autonome Assistenzlösungen und energieeffiziente KI-Technologien. Zwei Felder mit hohem Wachstumspotenzial rücken dabei besonders in den Blick: die Gesundheitsversorgung und die kritische Infrastruktur.
Wissenschaftsminister Jakob von Weizsäcker sieht in dem Verbund ein Musterbeispiel für die Idee hinter dem Transformationsfonds. „Das Projekt verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit konkreten Anwendungen für Wirtschaft und Gesellschaft – von intelligenter Gesundheitsversorgung bis zur resilienten Infrastruktur“, erklärte er. Entscheidend sei, dass aus Forschung schneller neue Produkte, Geschäftsmodelle und gute Arbeitsplätze entstünden. So zeige das Saarland, wie sich der technologische Wandel in Zukunftsperspektiven übersetzen lasse.
Die Federführung liegt bei der htw saar, beteiligt sind Professorinnen und Professoren aus allen vier Fakultäten der Hochschule sowie Forschende der Universität. Insgesamt haben sich 17 Forschungsgruppen zusammengetan. Hochschulpräsident Prof. Dr.-Ing. Dieter Leonhard nannte das Vorhaben einen wichtigen Schritt, um die eigenen Kompetenzen in Zukunftsfeldern auszubauen und den Innovationsstandort zu stärken. SaarNex stehe „exemplarisch für die Stärke anwendungsorientierter Forschung im Saarland“.
Besonders spannend ist ein Ansatz, der sich an der Natur orientiert. Das menschliche Gehirn erreicht seine Energieeffizienz nicht dadurch, dass es sämtliche Signale verarbeitet, sondern durch selektive Aufmerksamkeit: Wichtiges wird verstärkt, Störendes unterdrückt. Genau solche neuroinspirierten Mechanismen wollen die Partner technisch nutzbar machen – für die Überwachung von Infrastruktur, für Assistenzsysteme und für die digitale Gesundheitsversorgung.
Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Horst Wieker verwies auf die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit. Man entwickle Sensor- und KI-Systeme, die Informationen aus der Umgebung in Echtzeit erfassen und nutzbar machen. „Nur so können aus technologischen Innovationen praxistaugliche Lösungen für die Herausforderungen von morgen entstehen“, so Wieker. Prof. Dr. Dr. Daniel Strauss von der Systems Neuroscience & Neurotechnology Unit betonte den Menschen im Mittelpunkt: Die Verbindung von Neurotechnologie, Sensorik und KI eröffne neue Möglichkeiten für Pflege und Gesundheitsversorgung.
Ein klarer Schwerpunkt liegt auf dem Transfer in die Wirtschaft. Mehrere Unternehmen haben bereits angekündigt, eigene Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten aufzubauen oder auszuweiten. Prof. Dr. Mana Mojadadr, Gründerin von Trust it, machte deutlich, woran sich Erfolg bemessen werde: „Der Erfolg von SaarNex wird sich daran messen lassen, wie schnell Forschung den Weg in die Praxis findet.“ Deshalb sollen gerade kleine und mittlere Unternehmen früh eingebunden werden.
Für Prof. Dr.-Ing. Bernd Valeske, Direktor des Fraunhofer IZFP, hat der Verbund auch eine Perspektive für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Jungen Forscherinnen und Forschern soll ein nahtloser Übergang von der Hochschule in eine dauerhafte Forschungsheimat bei Fraunhofer ermöglicht werden. Angelegt ist SaarNex ohnehin auf lange Sicht: Neben neuen technologischen Lösungen sollen zusätzliche Forschungsgruppen, Transferstrukturen und Innovationspartnerschaften entstehen – und das Saarland Schritt für Schritt als Standort für menschenzentrierte Zukunftstechnologien sichtbarer machen.

















