Im Rahmen des Bürgerforums zum ersten Armuts- und Reichtumsbericht  in der Neunkircher Tafel  hat Staatssekretär Stephan Kolling angekündigt, stärker das Thema Altersarmut in den Focus zu nehmen. „Es darf nicht sein, dass Menschen, die selbst, oder deren Partner jahrelang Sozialversicherungsbeiträge gezahlt haben, am Lebensende in die Armutsfalle gelangen. Armutsfallen müssen reduziert werden. Daher wird die Landesregierung den Dialog mit den Verbänden, Institutionen und Bürgern fortsetzen und den Aktionsplan gegen Armut fortschreiben. Im Herbst sind drei große Veranstaltungen zu den Themenbereichen Armut und Gesundheit, Altersarmut und Reichtum geplant.
„Die Landesregierung nimmt dieses Thema sehr ernst und erarbeitet gemeinsam mit allen gesellschaftlichen Akteuren Armutsbekämpfungs- bzw. Armutsvermeidungsstrategie“, so Kolling. Erste Erfolge sich auch sichtbar: im Bereich der unter 18-Jährigen ist das Armutsrisiko im Saarland weitaus geringer als in anderen Bundesländern. Auch bei Alleinerziehenden ist das Armutsrisiko geringer. Sorge bereitet aber das Thema Altersarmut im Saarland.
Grundlage hierfür sind die Ergebnisse des ersten saarländischen Armuts- und Reichtumsberichts. „Mit dem Bericht haben wir zum ersten Mal valide Daten, auf deren Grundlage wir nun gemeinsam Handlungskonzepte und Strategien für unser Land entwickeln können, wie Armut in Zukunft verhindert werden kann. Dies ist eine Aufgabe, die nur von allen Akteuren gemeinsam, Politik und Gesellschaft, gestemmt werden kann.“
„Die Armutsrisikoquote ist im Saarland niedriger als beispielsweise bei unserem Nachbarn Rheinland-Pfalz oder in Nordrhein-Westfalen, und das Saarland weist eine etwas moderatere Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen auf im Vergleich zu Westdeutschland“, betont der Staatsekretär. „Hier steht das Saarland vergleichsweise gut da und von einem negativen Zusammenhang zwischen ungleicher werdender Verteilung und sozialem Zusammenhalt kann hier eigentlich nicht gesprochen werden. Noch dazu ist die Vereinsdichte im Saarland höher als in allen anderen Bundesländern, und der Anteil der freiwillig Engagierten ist im Saarland ebenfalls höher als im gesamtdeutschen Durchschnitt.“
Kritisch sei allerdings, und dies sei auch eine der politischen Herausforderungen für die kommenden Jahre, so Kolling, dass das Risiko der Altersarmut im Saarland steige. „Dies unter anderem mit der geringer werdenden Bedeutung der Knappschaftsrenten im Saarland und der vergleichsweise geringeren Berufstätigkeit der Frauen zusammen. Hier sind wir gefordert, die Rahmenbedingungen noch weiter zu verbessern. Es kann nicht sein, dass Menschen am Lebensende in der Armutsfalle festhängen, dies betrifft insbesondere Witwen und Selbständige. Die Mütterrente war ein wichtiger Einstieg, Minijobs können hingegen auf Dauer keine Lösung sein.“
In diesem Zusammenhang komme man sicherlich auch nicht um eine erneute Diskussion herum, wie man die gesetzliche Rentenversicherung stärken könne. Gedanken müsse man sich deshalb auch über die Ausgestaltung einer Grundrente für langjährige Beitragszahler machen, deren Höhe zumindest auf Grundsicherungsniveau liegen sollte.
Personen in Alleinerziehendenhaushalten weisen laut Bericht ein besonders hohes Armutsrisiko im Saarland auf (2013: 39% im Saarland). Unter den Vergleichsbundesländern ist dies aber der niedrigste Wert (Rheinland-Pfalz 50,6%, Hessen 41,5%, Nordrhein-Westfalen 42,5%, Schleswig-Holstein 50,9%) und er liegt auch deutlich unter dem Wert für Westdeutschland (44,6%). „Dennoch müssen wir weiter dafür sorgen, Alleinerziehenden in Arbeit und Beruf zu bringen und die Betreuungssituation anzupassen“, so Stephan Kolling.
Das Saarland hat, so Kolling, bereits auf verschiedenen Ebenen Maßnahmen eingeleitet. Neben der Förderung und dem Ausbau von Krippeplätzen, Fördermöglichkeiten in Kindergarten und Schule, dem Ausbau von Schoolworkern und Integerationshelfern sowie einer guten Frühförderung der Gesundheit legt die Landesregierung vor allem Wert auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf:
Mit der Familienoffensive will die Landesregierung wichtige Impulse setzen, dass eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine bessere Frauenerwerbsarbeit und vor allem ein Start in Ausbildung und Beruf im Saarland verbessert werden.
Hintergrund:
Der Armuts-  und Reichtumsbericht  wurde 2012 beim Institut INIFES in Auftrag gegeben.  Er wurde aufbauend auf den Ergebnissen der vorangegangenen Bürgerforen und auf aktuellen Daten unter der Leitung von Prof. Dr. Ernst Kistler gemeinsam mit Dr. Jürgen Faik erstellt. Schwerpunkte der Untersuchung waren die Lebenslage Älterer und diejenige von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Der Bericht gibt einen ersten Eindruck über die tatsächliche Zahlen und Hintergründe der Situation im Saarland.

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