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Die Buche beobachten die Forstexperten im Saarland derzeit mit Sorge. Der Kronenzustand dieser wichtigsten Baumart hat sich in diesem Jahr dramatisch verschlechtert. Der Anteil der deutlichen Schäden ist im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozentpunkte angestiegen. Das ist ein Ergebnis der Waldzustandserhebung 2016. „Für diese Entwicklung gibt es oft mehrere individuelle Erklärungen, etwa die sehr starke Fruchtbildung, die die Buche geschwächt hat, oder der Befall durch Schädlinge. Dahinter steht allerdings mit immer größerer Gewissheit die Klimaveränderung, die dem Wald besonders zusetzt“, so Umweltminister Reinhold Jost.

„Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen für die Erhaltung unserer Wälder. Seit 1997 waren alle Vegetationsperioden im Vergleich zum langjährigen Mittel zu warm“, stellt der Minister fest. „Wir im Saarland sehen hier aber nicht tatenlos zu, sondern bereiten unsere Wälder auf den Klimawandel vor, so dass sie stabil genug sind, den Klimaschwankungen zu trotzen“, so Jost.
Der SaarForst setze auf eine Mischung der Baumarten (wie z.B. die Eiche, der Ahorn, die Edelkastanie aber auch auf standortgerechte Nadelbaumarten wie Tanne und Douglasie), um so das Risiko für den Wald zu verringern. Jost: „In den kommenden Jahren pflanzen wir vermehrt klimaresistente Baumarten. Mit dem seit Jahren praktizierten Waldumbau haben wir das Risiko gesenkt und verfolgen das Ziel, den Wald dauerhaft zu erhalten.“
Der Minister verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Belastung der Wälder durch Luftschadstoffe: „Zwar sind die Einträge an Schwefel und Schwermetallen deutlich zurückgegangen, die Säurebelastung des Waldbodens ist aber immer noch zu hoch. Deshalb führen wir auf besonders gefährdeten Standorten unser Waldkalkungsprogramm fort.“
Auch Ozon wirkt sich nach wie vor waldschädigend aus. Die Stickstoffeinträge übersteigen weiterhin die Schwellenwerte der Ökosystemverträglichkeit. Stickstoff wird in oxidierter Form  meist als Stickstoffmonoxid oder Stickstoffdioxid bei Verbrennungsprozessen und in reduzierter Form als Ammoniak freigesetzt. Hauptquelle der Stickoxide ist mit einem Emissionsanteil von 40 % der Verkehr (vor allem Diesel-Fahrzeuge), gefolgt von der Energiewirtschaft mit 24 %. Ammoniak stammt zu etwa 95 % aus der Landwirtschaft und hier vor allem aus der Tierhaltung. Ein überhöhter Stickstoffeintrag ist mit Risiken für die Artenzusammensetzung im Wald sowie für das Quell- und Grundwasser verbunden.
Der Zustand des saarländischen Waldes insgesamt habe sich 2016 gegenüber dem Vorjahr nicht stark verändert. „Er kann aber nicht als gut angesehen werden, wenn 2016 nur 24% aller untersuchten Bäume keine Schadmerkmale aufweisen“, warnt der Minister. „Nur vitale, widerstandskräftige und leistungsfähige Wälder können ihre Aufgabe als Kohlenstoffsenke, als Rohstofflieferant und Erholungsraum erfüllen.“
Das Forstliche Umweltmonitoring spiele bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes eine zentrale Rolle. Schädlichen Einflüssen auf den Wald kann so frühzeitig entgegengewirkt werden.
Auch dieses Jahr haben die Experten der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt in Kooperation mit dem SaarForst Landesbetrieb die umfangreichen wissenschaftlichen Daten über den Gesundheitszustand des saarländischen Waldes und den komplexen Belastungen, denen er ausgesetzt ist, erhoben.
 
Der Zustand der wichtigsten Baumarten in der Übersicht:
Buche: Die Buche ist im Saarland mit 23% Flächenanteil die wichtigste Baumart und zugleich Leitbaumart der natürlich vorkommenden Waldgesellschaften.
Der Anteil der Bäume ohne Schäden (Schadstufe 0) ist auf  14 % gesunken (Vorjahr 19 %). Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden (Schadstufe 2-4) ist auf 60% angestiegen (Vorjahr 36 %).
Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich 2016 der Kronenzustand der Buchen, ausgelöst durch starke Fruchtbildung, verbunden mit Spätfrostschäden, Insektenbefall (Buchenspringrüssler) und außergewöhnlich frühzeitig einsetzender  Braunfärbung der Blätter bereits ab Ende Juli  gravierend verschlechtert hat.
Eiche: Die Eiche ist im Saarland mit einem Flächenanteil von 21 % vertreten. Gegenüber der Buche hat sich der Kronenzustand der Eichen merklich verbessert.
Der Anteil der Bäume ohne Schäden (Schadstufe 0) ist auf  27 % gestiegen (Vorjahr 16 %). Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden (Schadstufe 2-4) ist auf 19% gesunken (Vorjahr 30 %).
Die Eiche konnte offensichtlich den Schadanstieg des Vorjahres (2015) kompensieren.
Fichte: Die Fichte hat einen Flächenanteil von 16 %. Der Anteil der Bäume ohne Schäden (Schadstufe 0) ist auch 2016 weiter gesunken auf aktuell  20 % (Vorjahr 24 %). Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden (Schadstufe 2-4) ist leicht auf 24% gestiegen (Vorjahr 23 %).
Die Fichten leiden stärker als die meisten anderen Baumarten unter Schadereignissen, besonders Sturmwurf und Borkenkäferbefall.
Kiefer: Die Kiefer hat landesweit einen Anteil von knapp 5 %. Der Anteil der Bäume ohne Schäden (Schadstufe 0) ist weiter auf  38 % gestiegen (Vorjahr 31 %). Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden (Schadstufe 2-4) ist auf 10 % gesunken (Vorjahr 14 %).
Bei der Kiefer hat sich der positive Trend der Erholung seit 2006 weiter fortgesetzt.
Sonstige Baumarten: Darunter werden Esche, Birke, Lärche, Ahorn und Douglasie und weitere andere Arten zusammengefasst.  Der Anteil der Bäume beläuft sich landesweit auf 36%.
Der Anteil der Bäume ohne Schäden (Schadstufe 0) ist auf  25 % gestiegen (Vorjahr 16 %). Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden (Schadstufe 2-4) ist auf 24 % gesunken (Vorjahr 37 %).
Bis 2015 hatte sich der Kronenzustand der Esche durch das Auftreten des Pilzes „Eschenstängelbecherchen“(Hymenoscyphus fraxineus) rasant verschlechtert. 2016 scheint das Schadniveau zurückgegangen zu sein, aber es ist davon auszugehen, dass bislang keine echte Erholung bei der Baumart eingetreten ist.

 

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