Foto: Staatskanzlei

Am gestrigen Dienstag kamen in Eupen die Regierungen des Saarlands unter Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens unter Ministerpräsident Oliver Paasch erstmals zu einer gemeinsamen Kabinettssitzung zusammen.

„Es gibt viele Parallelen zwischen beiden Ländern“, sagt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, „auch wir sind das kleinste Flächenland in einem föderalen Staat, auch wir sind dort gleichberechtigt. Ich freue mich, dass wir außerdem auch bei vielen Themen auf gleicher Wellenlänge liegen. Ich danke Belgien für das Engagement zur Mehrsprachigkeit im Rahmen des Gipfelvorsitzes der Großregion.“

Für DG-Ministerpräsident Oliver Paasch „zeigen solche gemeinsamen Regierungssitzungen, dass trotz aller Krisen in Europa die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gut und erfolgreich funktioniert. Sie dienen dazu konkrete Projekte in den gemeinsamen Zuständigkeiten auf den Weg zu bringen, von deren Verwirklichung zahlreiche Menschen in unserer Region profitieren werden“.

Auf der Tagesordnung standen in Ostbelgien sowohl bilaterale Themen der Zusammenarbeit als auch die interregionale Kooperation auf Ebene der Großregion SaarLorLux.

Auch die Flüchtlingsthematik beschäftigte die Minister, die die aktuelle Situation in beiden Ländern sowie aus europäischer Perspektive erörterten. Die beiden Regierungen sehen in der Bewältigung der Flüchtlingskrise eine der größten Herausforderungen der Europäischen Union. Deshalb appellieren sie im Lichte der europäischen Solidarität an alle Mitgliedsstaaten ihrer gemeinsamen Verantwortung gerecht zu werden. Die Bewältigung der Flüchtlingskrise erfordert ein gesamteuropäisches Handeln. Ebenso fordern beide Regierungen alle Mitgliedsstaaten auf, die vollständige Umsetzung des Asylrechts auch wirklich zu realisieren. Dies ist bislang leider nicht der Fall. Die Regierungen des Saarlandes und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens erkennen insofern an, dass innerhalb der EU und auf internationaler Ebene intensiv Bemühungen laufen, die Fluchtursachen gemeinsam mit der Weltgemeinschaft zu bekämpfen und Anstrengungen unternommen werden, die Flüchtlingscamps im Nahen Osten signifikant zu verbessern, gemeinsam gegen die Schleuserkriminalität vorzugehen, Hotspots zu schaffen, Rücknahme-Abkommen zur Rückführung abgelehnter Asylbewerber abzuschließen sowie europäische Lösungen zu finden.

Die beiden Regierungen informierten sich des Weiteren gegenseitig über die in ihren Regionen in der Planung bzw. in der Umsetzung befindlichen Integrationsmaßnahmen. Sie beschlossen einen regelmäßigen Informationsaustausch zum Thema Integration von Neuankömmlingen. Hierbei möchten beide Seiten insbesondere von den jeweils gesammelten Erfahrungen bei den zahlreichen Maßnahmen in den unterschiedlichen Bereichen profitieren.

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Einigkeit bestand auch darüber, dass die Beherrschung der Sprache ein wesentlicher Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration ist. Es wurde vorgeschlagen, dass in der Arbeitsgruppe Bildung und Erziehung der Großregion ein Erfahrungsaustausch zum Thema zertifizierende Sprachprüfungen stattfindet. Passend zur Frankreich-Strategie des Saarlandes beschlossen beide Regierungen, sich für die Mehrsprachigkeit in der Großregion einzusetzen und regelmäßig Informationen zu Best Practices im Rahmen der Mehrsprachigkeit auszutauschen.

Ein solches Best Practice ist die bilinguale Grundschule in Kelmis, die Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer und Ministerpräsident Paasch nach der Kabinettssitzung besucht haben. Bei dem zweisprachigen Kindergarten in Kelmis handelt es sich um ein ehemals dreijähriges Pilotprojekt, das vom Bildungsministerium gefördert und auf Grund des wissenschaftlich erwiesenen Erfolgs nun auf die Primarschule ausgedehnt wurde. Die Einrichtung arbeitet nach dem immersiven Konzept. Das bedeutet: Die Schule arbeitet mit muttersprachlichem frankophonem Fachpersonal. Die Sprachverteilung deutsch/französisch in dieser Bildungseinrichtung beträgt in etwa 60:40. Fachfremde Personen mit guten französischen Sprachkenntnissen sollen in die sprachvermittelnde Arbeit einbezogen werden können.

Im Saarland wird das Konzept der zweisprachigen Bildung und Erziehung in Kindergärten seit 1998 von Landesseite gefördert. Aktuell arbeiten rund 200 der 480 Kindertageseinrichtungen (entspricht 41,5 Prozent) nach diesem immersiven Konzept.

„Unsere beiden Länder verbindet als Grenzregion besonders die europäische Kompetenz. Die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens hat bereits das, was wir noch vor uns haben: die Mehrsprachigkeit. Dort werden Deutsch und Französisch gleichermaßen im Alltag gesprochen“, sagt Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer. „Solche gemeinsame Kabinettssitzungen sind eine gute Gelegenheit, voneinander zu lernen.“

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