Deutschlands Rolle in einer Welt im Umbruch, die Zukunft des Sozialstaats, eine Verwaltung, die den Namen verdient – große Fragen, die der ehemalige Bundesminister Peter Altmaier am 25. März in Saarbrücken mit einem ungewöhnlichen Gedankenexperiment verknüpft: Was würde Otto von Bismarck heute tun? Die Union Stiftung hat den langjährigen CDU-Politiker für einen Abendvortrag in ihr Haus in der Steinstraße eingeladen, der historische Tiefenschärfe mit drängender Gegenwartspolitik verbinden soll.
Der Titel klingt provokant, doch er hat Methode. Bismarck, erster Reichskanzler des Deutschen Reiches von 1871 bis 1890, gilt als Architekt der nationalen Einigung und als Begründer jenes Sozialstaats, dessen Grundpfeiler – Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung – bis heute tragen. Sein machtpolitischer Realismus und sein Gespür für strategische Kompromisse machten ihn zu einer der prägendsten Figuren der deutschen Geschichte. Die Frage, wie ein solcher Staatsmann auf die Verwerfungen des 21. Jahrhunderts reagieren würde, dient als Denkanstoß, nicht als nostalgische Verklärung.
Peter Altmaier bringt für dieses Gedankenspiel reichlich eigene Erfahrung mit. Von 1994 bis 2021 saß er im Deutschen Bundestag, unter Bundeskanzlerin Angela Merkel bekleidete er gleich mehrere Schlüsselressorts. Er leitete das Bundeswirtschaftsministerium, führte als Chef das Bundeskanzleramt und verantwortete zwischenzeitlich das Umweltressort. Wer so lange an den Schaltstellen der Berliner Politik gearbeitet hat, kennt die Mechanismen, an denen ambitionierte Reformen scheitern oder gelingen.
In seinem Impulsvortrag will Altmaier die Leitfrage des Abends auf mehrere Ebenen herunterbrechen. Welche Rolle sollte Deutschland in Europa und auf der internationalen Bühne einnehmen? Wie lässt sich europäische Handlungsfähigkeit stärken, wenn geopolitische Spannungen zunehmen? Und welche Reformen braucht der Sozialstaat, damit Generationengerechtigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und soziale Absicherung dauerhaft zusammengehen? Hinzu kommt ein Thema, das in der öffentlichen Debatte oft unterschätzt wird: die Frage, wie eine moderne, digitale Verwaltung aussehen muss, die einem leistungsfähigen Staat im 21. Jahrhundert gerecht wird.
Die Veranstaltung beginnt am Mittwoch, dem 25. März 2026, um 18.30 Uhr im Haus der Union Stiftung in der Steinstraße 10 in Saarbrücken. Der Eintritt ist frei, eine vorherige Anmeldung über die Homepage der Union Stiftung wird jedoch erbeten. Wer nicht vor Ort sein kann, hat die Möglichkeit, den Abend per Livestream auf dem YouTube-Kanal der Stiftung zu verfolgen. So bleibt die Frage, was Bismarck wohl zur digitalen Übertragung seiner eigenen Gedenkveranstaltung gesagt hätte, zumindest an diesem Abend unbeantwortet.




















