Ein Viertel der 15-Jährigen in Deutschland scheitert an den naturwissenschaftlichen Grundlagen, in Mathematik und beim Lesen ist es jeweils ein Drittel. Die neuen PISA-Zahlen für 2025 legen offen, wo das deutsche Bildungssystem an seine Grenzen stößt – und dass der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischem Erfolg ungebrochen bleibt.
Besonders deutlich zeigt die Studie eines: Zuwanderung allein taugt nicht als Erklärung für die Unterschiede. Entscheidend sind die sozialen Ausgangslagen, mit denen Kinder in ihre Schullaufbahn starten. Gleichzeitig sinkt auch der Anteil jener Jugendlichen, die zu den Leistungsstarken zählen.
Für Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot lassen sich aus den Ergebnissen zwei Dinge nicht mehr voneinander trennen. „Bildungsgerechtigkeit und Leistungsstärke dürfen nicht getrennt voneinander gedacht werden. Wenn soziale Herkunft über Bildungschancen entscheidet, gehen Chancen und Potenziale unserer Kinder und Jugendlichen verloren“, betont sie. Gute Bildungspolitik müsse deshalb früher ansetzen, Basiskompetenzen sichern und dort stärker unterstützen, wo die Herausforderungen am größten seien.
Genau an diesen Punkten sieht sich das Saarland auf Kurs. Mit dem Programm „Startklar Deutsch“ werden sprachliche Förderbedarfe bereits vor der Einschulung systematisch erfasst und mit gezielter Unterstützung verbunden. Die Beitragsfreiheit soll den Zugang zu früher Bildung zusätzlich erleichtern. Beim Lesen, Schreiben und Rechnen setzt das Land auf verbindliche Übungszeit im Alltag: Das Leseband sichert in den Klassenstufen 1 bis 6 tägliche Lesezeiten, das Matheband festigt mathematische Grundlagen mit kurzen, regelmäßigen Einheiten.
Hinter diesem Ansatz steht ein klares Prinzip: Ungleiches ungleich behandeln. Über das Startchancen-Programm fließen zusätzliche Investitionen, Chancenbudgets und multiprofessionelle Teams an 55 Schulen in sozial herausfordernder Lage. „Nicht jede Schule braucht dasselbe – aber jedes Kind muss die Unterstützung bekommen, die es braucht“, so der Grundsatz der Ministerin. Ergänzt wird das Konzept durch datengestützte Lernstandserhebungen wie VERA 3 und VERA 8, deren Ergebnisse nicht der Statistik dienen, sondern direkt in besseren Unterricht münden sollen.
Doch die PISA-Zahlen benennen nicht nur Defizite. Rund drei Viertel der Jugendlichen fühlen sich ihrer Schule zugehörig – ein Wert, der deutlich über dem OECD-Durchschnitt liegt. Auch Freude und Interesse an den Naturwissenschaften sind wieder gestiegen. Für Streichert-Clivot ist das ein tragfähiges Fundament: „Kompetenzen wachsen dort, wo junge Menschen sich zugehörig fühlen, neugierig bleiben und erleben, dass sie etwas bewirken können.“
Die Studie bestätigt Entwicklungen, auf die bereits der IQB-Bildungstrend 2024 hingewiesen hatte. Bund und Länder wollen mit einer gemeinsamen Roadmap zur Verbesserung der Bildungsqualität ihre Maßnahmen enger verzahnen. Von der Bundesebene fordert die Ministerin dabei Verlässlichkeit beim Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz und ein konsequentes finanzielles Engagement für die frühe Förderung.
„Ein Trendwechsel ist möglich. Entscheidend ist, dass wir jetzt konsequent an dem festhalten, was nachweislich einen Unterschied macht“, so die Ministerin abschließend. Für das Saarland selbst liefert PISA übrigens keine eigenständigen Werte – die Erhebung erfolgt bundesweit repräsentativ.




















