In den Schlagzeilen sorgen sie regelmäßig für Aufsehen: KI-Modelle aus China, die mit rasanten Leistungssprüngen und niedrigen Preisen punkten, zugleich aber Fragen nach Datenschutz und Cybersicherheit aufwerfen. Im Arbeitsalltag deutscher Unternehmen spielen sie jedoch praktisch keine Rolle. Nur zwei Prozent der Firmen, die überhaupt Künstliche Intelligenz nutzen, greifen auf DeepSeek zurück, gerade einmal ein Prozent auf Qwen des Konzerns Alibaba.
Damit rangieren die chinesischen Anwendungen weit abgeschlagen hinter der US-Konkurrenz. Das zeigt eine repräsentative Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, die der Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben hat.
An der Spitze steht unverändert ChatGPT von OpenAI, und das mit deutlichem Vorsprung: 76 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen setzen darauf, nach 70 Prozent im Vorjahr. Dahinter reihen sich Microsoft Copilot mit 35 Prozent (2025: 28 Prozent) und Googles Gemini mit 28 Prozent (2025: 22 Prozent) ein. Alle drei amerikanischen Angebote haben binnen eines Jahres zugelegt und ihren Abstand zur Konkurrenz vergrößert.
Danach klafft eine große Lücke. Llama von Meta kommt auf acht Prozent, die KI-Funktionen von SAP beziehungsweise Joule auf sechs Prozent, Claude des Anbieters Anthropic auf drei Prozent. Grok von xAI findet sich nicht einmal in jedem hundertsten Betrieb. Modelle von Perplexity oder des französischen Anbieters Mistral, dem führenden europäischen Hersteller, nennt kein einziges der befragten Unternehmen.
Für Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst ist das Ergebnis ein Weckruf. „Die deutsche Wirtschaft setzt bei Künstlicher Intelligenz derzeit fast ausschließlich auf Anwendungen aus den USA. Wer digitale Souveränität will, muss europäischen Anbietern eine Chance geben“, sagt er. Zugleich müsse nicht jede Aufgabe im Unternehmen mit dem größten und neuesten Modell gelöst werden. „Für viele Anwendungen genügen spezialisierte, kleinere Systeme, die sich dann zudem kostengünstiger einsetzen lassen – gerade hier liegt auch eine Chance für europäische Anbieter.“
Wie sich der KI-Einsatz in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt entwickelt hat, will der Verband kommenden Montag, den 14. September, näher beleuchten. Um 9.30 Uhr präsentiert Bitkom in einer Online-Pressekonferenz eine umfassende Studie. Sie soll unter anderem zeigen, wie viele Unternehmen aktuell KI nutzen, welchen Beitrag die Technik zum Geschäftserfolg leistet, wie viel Geld investiert wird und wo die größten Hürden liegen.
Grundlage der aktuellen Zahlen ist eine telefonische Umfrage von Bitkom Research, die zwischen der 28. und 33. Kalenderwoche 2026 durchgeführt wurde. Bei den niedrigen einstelligen Prozentwerten ist die statistische Schwankungsbreite zu berücksichtigen – kleine Unterschiede zwischen einzelnen Anwendungen lassen sich daraus nicht zuverlässig ableiten.




















