Archivleiterin Karina Kloos sowie ihre Mitarbeiter Frank Wimmer und Konrad Burgard (v.l.n.r.) erfüllen eine Vielzahl von Aufgaben. Bild: Bill Titze

Es ist ein recht unscheinbarer Bau in der Kaiserstraße: das Homburger Stadtarchiv. Und doch schlummern hier wahre Schätze für Menschen, die sich mit der Geschichte unserer Stadt oder ihren Vorfahren beschäftigen möchten. Ahnenforschung ist jedoch beileibe nicht das Einzige, wofür das Archiv gut ist. Ein Besuch zeigt, dass die Einrichtung große Bedeutung für die Stadt und ihre Bürger hat.

Wer das Homburger Stadtarchiv durch den etwas versteckt liegenden Hintereingang betritt, dem kommt keinesfalls der unvergleichliche Geruch von alten Dokumenten oder Akten entgegen. Stattdessen befindet man sich in einem Treppenhaus, das es so auch in jeder x-beliebigen Behörde geben könnte. Nun hat die Arbeit hier durchaus einiges mit offiziellen Dingen wie Beglaubigungen zu tun, doch im Gegensatz zu Bürgerbüros oder Arbeitsagenturen schlummert hier in gewisser Weise die Seele der Stadt.

Denn in den Räumen des Archivs lagern Akten, Bücher, Fotos und Zeitungen, die eine Zeitreise durch die Geschichte Homburgs ermöglichen. Zumindest für den, der sie zu lesen vermag, schließlich sind viele der Dokumente in Handschrift verfasst. Ober bei Zeitungen in altertümlichen Schriftarten, die für das Auge der heute noch lebenden Menschen doch eher gewöhnungsbedürftig sind. Jemand, für den das Entziffern solcher Schriften zumindest kein Ding der Unmöglchkeit darstellt, ist Karina Kloos, die Leiterin der Einrichtung.

„Mit den Schriften habe ich gelernt klarzukommen“, erzählt sie mit einem Lächeln. Kaum zu glauben, wenn man sich den alten Folianten anschaut, der vor ihr auf dem Tisch liegt. Über 300 Jahre ist der alt, die Schrift des Pfarrers ist auf den ersten Blick schlicht nicht zu durchdringen. Aber es muss mit Geburten oder ähnlichem zusammenhängen, schließlich ist das dicke, leicht vergilbte Werk ein Kirchenbuch. „Kirchenbücher sind die ältesten Bestände, die wir hier haben“, erzählt Kloos. Sie reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Im Büro der Archivleiterin befinden sich unter anderem die Kirchenbücher, aber Sterbebücher oder Heiratsurkunden. Bild: Bill Titze

Neben den Kirchenbüchern gibt es aber noch eine Vielzahl an anderen Medien, die im Stadtarchiv eingesehen werden können, so zum Beispiel Sterbebücher oder Heiratsurkunden. Wer nun jedoch glaubt, dass ab der Zeit rund um 1700 hier alles zu finden wäre, der täuscht sich. Das liegt jedoch nicht unbedingt an Lücken im Bestand, sondern daran, dass sich die „aktuelleren“ Unterlagen im Standesamt befinden. Aktuell ist natürlich relativ, zum Beispiel sind die „jüngsten“ Heiratsurkunden im Archiv 80 Jahre alt, eine solche Frist ist, ähnlich wie bei anderen Arten von Dokumenten, gesetzlich vorgeschrieben.

Aber auch mit den vielen alten Akten hat Kloos mehr als genug zu tun. Denn zum Alltag einer Archivleiterin gehört es unter anderem, offizielle Beglaubigungen auszustellen, vor allem, wenn es um den Nachweis von Verwandtschaftsverhältnissen geht. Zum Beispiel beim Hausverkauf, wenn nachgewiesen werden muss, dass der Verkäufer mit dem Erbauer des Hauses verwandt ist. „So etwas ist im Normalfall in einer halben Stunde erledigt“, sagt Kloos zwar. Doch von diesen Fällen gibt es viele. Und dann gibt es da natürlich auch noch die Erbenermittlung, die durchaus über ein halbes Jahr in Anspruch nehmen kann. Schließlich muss dabei im Zweifel mehrere Generationen zurückgegangen werden.

Um Verwandtschaftsverhältnisse geht es natürlich auch vielen Besuchern, die selbst ins Stadtarchiv kommen, um sich zum Beispiel über die eigenen Urgroßeltern zu informieren. Bei solchen Recherchen ist Kloos mit dabei, um zu unterstützen. Das ist jedoch nicht der einzige Grund, wieso Menschen an das Stadtarchiv herantreten. Mitunter gibt es da auch durchaus kuriose Anfragen. So wollte zuletzt jemand wissen, wann die erste Parkuhr in Homburg aufgestellt wurde. „Solche Spezialfragen kommen zwei, drei Mal im Jahr“, erläutert Kloos. Wo fängt man da an? Die Antwort fände sich vielleicht in den Stadtratsprotokollen, die seit dem Jahr 1818 hinterlegt sind. Ganz so weit muss man für die erste Parkuhr wohl kaum zurückgehen, dennoch wäre die Recherche extrem zeitaufwendig. Und kaum zu leisten, schließlich sind neben der Leiterin nur zwei Mitarbeiter hauptamtlich im Archiv beschäftigt.

Die werden in den kommenden Monaten auch für ein großes Zukunftsprojekt eingespannt: die Digitalisierung der „Homburger Zeitung“, deren 80 Bände von 1899 bis 1943 online zur Verfügung gestellt werden sollen. Dabei soll ein hochmoderner Scanner zum Einsatz kommen, der mithilfe von Fördermitteln finanziert werden konnte. „Das sind 120.000 Seiten, 400 am Tag wollen wir schaffen“, verrät Kloos nicht ohne Stolz. Damit die Bürger nicht an der Fraktur-Schrift scheitern, ist darüber hinaus geplant, diese mittels einer Software in eine heute gebräuchliche Schriftart umwandeln zu lassen. „Wir wollen die Originale schonen und gleichzeitig den Inhalt für die Menschen zugänglich machen“, sagt Kloos.

Auch die guten alten Aktenordner findet man im Stadtarchiv in Fülle. Bild: Bill Titze

Gerade die Nazi-Zeit sei eine Epoche, für die sich viele Besucher des Archivs interessierten. Fündig werden sie unter anderem im Zeitungsbestand, der 700 Bände umfasst und somit der drittgrößte im Saarland ist. Der ist fraglos auch für die vielen Schülern interessant, die ins Stadtarchiv kommen, um sich über dessen Angebote zu informieren. „Wir haben eine sehr gute Kommunikation mit den Geschichtslehrern in Homburg“, schildert Kloos, warum häufig Schulklassen im Archiv zu Besuch sind.

„Für die ist dann sehr interessant, wie die Menschen früher geschrieben haben.“ In diesem Zusammenhang erfahren die Schüler auch, dass Frauen im 17. Jahrhundert meist noch nicht schreiben konnten. Das sieht man unter anderen daran, dass diese Unterschriften mit einem einfachen Kreuz machten. So wie im bereits besagten Kirchenbuch. Nur einer der Schätze, die im Stadtarchiv zu finden sind. Und irgendwo unter diesen vielen Unikaten wird sich vielleicht irgendwann auch die Antwort auf die Frage finden lassen, wann in Homburg die erste Parkuhr aufgestellt wurde.

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