Der Neujahrsempfang der DIE LINKE Homburg war kein Abend für höfliche Rückblicke. Im Bistro 1680 ging es um Themen, die drücken – um Wohnen, Arbeit, Bildung, Gesundheit und den gesellschaftlichen Rechtsruck. Die Reden blieben ruhig im Ton, inhaltlich aber deutlich. Mehrfach war zu hören: Abwarten ist keine Option.
Kreisvorsitzende Barbara Spaniol eröffnete den Abend mit einem klaren Blick auf Homburg. Die finanzielle Lage der Stadt sei angespannt, die Aufgaben würden mehr, das Geld nicht. „Immer mehr Aufgaben mit immer weniger Mitteln stemmen – das funktioniert kaum noch“, sagte sie. Bund und Land dürften Städte und Gemeinden damit nicht allein lassen. Besonders deutlich wurde Spaniol beim Thema Wohnen. Die Mieten in Homburg seien stark gestiegen, bezahlbarer Wohnraum fehle. Das neue Quartier am alten Rathaus mit 137 Wohnungen sei „eine Perspektive“, aber keine Lösung für den gesamten Bedarf. „Wohnen ist ein Menschenrecht“, sagte Spaniol.
Auch Industrie und Arbeit spielten eine zentrale Rolle. Mit Blick auf BOSCH sprach Spaniol von einem harten Einschnitt für den Standort. Der Stellenabbau sei geringer ausgefallen als zunächst angekündigt, aber immer noch gravierend. „Die Beschäftigten dürfen nicht als bloßer Kostenfaktor behandelt werden“, sagte sie. Dass es überhaupt Bewegung gegeben habe, sei dem Einsatz von Betriebsrat und IG Metall zu verdanken. Ähnlich äußerte sie sich zur Lage der Stahlindustrie. Der Umbau brauche Zeit – und politische Unterstützung.
Beim Thema Verkehr ging Spaniol auf ein lang diskutiertes Projekt ein: die geplante Umgehung B 423 bei Schwarzenbach. Sie zeigte Verständnis für die Hoffnung vieler Anwohner auf Entlastung, sagte aber auch: „Diese Entlastung wäre so nicht gekommen.“ Mehr Verkehr wäre die Folge gewesen. Stattdessen brauche es Investitionen in den Nahverkehr. Umso deutlicher betonte sie die Bedeutung der Reaktivierung der Bahnstrecke Homburg–Zweibrücken. „Jetzt wird die Bahn fahren“, sagte Spaniol. Das sei eine echte Chance für die Region und auch für den Hauptbahnhof.
Landesgeschäftsführer Bruno Leiner richtete den Blick stärker auf die Partei selbst. Die Linke erlebe im Saarland wieder Zulauf, viele neue Mitglieder seien hinzugekommen. „Das gibt Rückenwind“, sagte Leiner. Entscheidend sei nun, politische Arbeit wieder enger an konkrete Probleme vor Ort zu binden – in den Ortsräten, in den Stadtteilen, im Alltag.
Inhaltlich besonders deutlich wurde der neue Landesvorsitzende Florian Spaniol. Er sprach über steigende Mieten, über fehlende Sozialwohnungen und über eine Entwicklung, die viele Menschen unter Druck setze. „Wohnen darf keine Ware sein“, sagte Spaniol. Der Staat müsse wieder stärker eingreifen. Auch in der Bildungspolitik sehe er strukturelle Defizite. Lehrermangel, sanierungsbedürftige Schulen und steigende Belastungen für Kinder und Jugendliche seien längst Realität. „Schule darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen“, sagte er.
Besonders scharf fiel Spaniols Kritik an der Krankenhauspolitik aus. Mit Blick auf das geplante Zentralklinikum sagte er, eine milliardenschwere Investition sei politisch schwer vermittelbar, wenn gleichzeitig kleinere Standorte verschwänden. Statt Konzentration brauche es verlässliche Versorgung in der Fläche. „Gesundheit darf keine Frage von Rendite sein“, sagte Spaniol.
Den politisch eindringlichsten Ton setzte die Sprecherin der Linksjugend Saar Hannah Akgül. Sie sprach über Antisemitismus, rechten Terror und eine spürbare Verrohung der Gesellschaft. „Jüdinnen und Juden fühlen sich nicht sicher – auch im Saarland“, sagte sie und verwies auf Berichte aus der Synagogengemeinde. Der Satz „Nie wieder“ dürfe kein Ritual sein, sondern müsse den Alltag prägen – in Bildung, Politik und Gesellschaft. Akgül forderte, die Instrumente der wehrhaften Demokratie konsequent zu nutzen. Ein AfD-Verbotsantrag sei kein Tabu, sondern eine politische Notwendigkeit.
Gleichzeitig verband sie den Kampf gegen Rechts mit sozialen Fragen. Nicht Migration mache rechte Parteien stark, sagte Akgül, sondern „die reaktionäre Antwort auf Migration“. Soziale Unsicherheit, Konkurrenzdruck und Perspektivlosigkeit seien der Nährboden für autoritäre Entwicklungen. „Der Kampf gegen Rechts muss sich mit dem Wunsch nach einem besseren Leben verbinden“, sagte sie.
Der Neujahrsempfang der Linken Homburg war damit kein Abend für kleine kommunalpolitische Korrekturen. Die Reden griffen weit aus, blieben aber immer wieder bei Homburg stehen – bei Mieten, Schulen, Arbeitsplätzen, Bahnanschlüssen. Große Versprechen wurden nicht gemacht. Dafür wurde deutlich gesagt, wo aus Sicht der Partei Konflikte liegen – und dass man sie nicht vertagen will.
Alle Bilder: Friedel Simon





















































