Die Klinik für Innere Medizin auf dem Campus des Universitätsklinikums Homburg - Bild: Stephan Bonaventura
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Im Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg ist ein neues Forschungsprojekt zur Behandlung seltener Nerventumoren bei Kindern und Jugendlichen an den Start gegangen. PD Dr. Dörthe Keiner aus der Klinik für Neurochirurgie erhält dafür eine Förderung von 13.000 Euro der Ursula und Werner Schanné-Stiftung. Die Preisverleihung fand am 13. Februar 2026 statt und markiert einen weiteren Schritt der noch jungen Stiftung, die sich der Erforschung seltener Erkrankungen verschrieben hat.

Im Fokus von Keiners Arbeit stehen periphere Nerventumoren bei jungen Patientinnen und Patienten. Während Hirntumoren insgesamt die zweithäufigste Krebsart im Kindesalter darstellen, gehören periphere Nerventumoren zu den eher seltenen Tumorformen. Sie entstehen aus Zellen der Hüllstrukturen peripherer Nerven und treten überwiegend gutartig auf. Sichtbar werden sie etwa als Schwellungen oder Knoten im Kopfbereich, an der Wirbelsäule oder entlang anderer Nervenbahnen im Körper, zum Beispiel an Armen oder Beinen. In mehr als 90 % der Fälle treten diese Tumoren sporadisch auf, also ohne erkennbare familiäre Vorbelastung.

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Gleichzeitig besteht ein Zusammenhang mit sogenannten Neurofibromatosen, genetisch bedingten Erkrankungen, bei denen es neben Nerventumoren je nach Typ auch zu Veränderungen von Haut, Muskeln und Knochen kommen kann. Trotz ihres meist gutartigen Charakters können periphere Nerventumoren schwerwiegende Folgen haben. „Trotz des überwiegend gutartigen Charakters von peripheren Nerventumoren gibt es bei einigen Patientinnen und Patienten schwere Verläufe mit fortschreitendem und wiederkehrendem Tumorwachstum an den betroffenen Nerven und damit neurologische Ausfälle – im Kopfbereich je nach Lage beispielsweise Hörverluste oder Störungen des Gleichgewichts. In anderen Fällen können Patienten aber auch starke Schmerzen im Bereich des betroffenen Areals haben“, sagt PD Dr. Dörthe Keiner, Oberärztin in der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS).

In den vergangenen Jahren wurden in diesen Tumoren unterschiedliche genetische Mutationen entdeckt. Sie gelten als möglicher Ansatzpunkt für neue Behandlungsformen. „In den letzten Jahren wurden genetische Mutationen in den Tumoren selbst entdeckt, die jedoch sehr variabel sind. Daher werden zunehmend auch medikamentöse Therapieansätze in Form von Antikörpertherapien für Patientinnen und Patienten mit schweren klinischen Verläufen diskutiert“, erläutert die Neurochirurgin. Voraussetzung für solche zielgerichteten Therapien ist jedoch ein genaues Verständnis der genetischen Veränderungen in den Tumorzellen.

Einzelne Studien deuten darauf hin, dass Mutationen des sogenannten ERBB2-Rezeptors eine Rolle spielen könnten. Dieser Rezeptor bindet Wachstumsfaktoren und regt die Zellteilung an. „Einzelne Studien der letzten Jahre zeigten einen möglichen Zusammenhang zwischen Mutationen des sogenannten ERBB2-Rezeptors, welcher Wachstumsfaktoren bindet und die Zellteilung anregt, und einem deutlichen Fortschreiten des Wachstums sporadisch auftretender peripherer Nerventumoren“, erläutert PD Dr. Keiner. Im Rahmen der üblichen histologischen Diagnostik lasse sich bislang jedoch nur schwer erkennen, ob genetische Ursachen für Tumoren an weiteren Stellen im Körper oder für ein Wiederkehren der Tumoren verantwortlich sind. Zusätzliche Analysen seien notwendig, eine routinemäßige genetische Untersuchung aller peripheren Nerventumoren nach einer Operation gilt derzeit aber nicht als sinnvoll.

Genau hier setzt das nun geförderte Projekt an. Ziel ist es, die in der Neurochirurgie des UKS operierten Nerventumoren systematisch auf das Vorhandensein und die Menge des ERBB2-Wachstumsrezeptors zu untersuchen. „Idealerweise würde die Analyse des ERBB2-Rezeptors eine unterschiedliche Ausprägung bei verschiedenen Nerventumoren zeigen. Dies könnte Aufschluss darüber bieten, ob im Falle eines bestimmten Musters an Merkmalen weitere Untersuchungen unter Einbezug molekularer Analysen bei bestimmten Patientinnen und Patienten angezeigt sein könnten“, erläutert PD Dr. Keiner die Bedeutung ihres Forschungsvorhabens. Langfristig könnten die gewonnenen Daten dazu beitragen, gezieltere und individuell angepasste Therapien für Betroffene zu entwickeln.

Ermöglicht wird das Projekt durch die Ursula und Werner Schanné-Stiftung, eine gemeinnützige Organisation, die seit 2023 die Erforschung seltener Krankheiten unterstützt. Gegründet wurde sie von Ursula Schanné. Hintergrund sind zwei persönliche Schicksale: Ihr Ehemann Werner Schanné starb 1971 im Alter von 32 Jahren an einer damals unbekannten und unerforschten Krankheit. Jahrzehnte später erfuhr sie von der Krankheitsgeschichte von Björn Mertz, der mit 24 Jahren an einem sehr seltenen Hirntumor verstarb. Diese Erfahrungen führten zu dem Entschluss, die Forschung auf diesem Gebiet gezielt zu fördern.

Im Vorstand der Stiftung engagieren sich heute Prof. Dr. rer. nat. Steffi Urbschat, Forschungsleiterin Molekulargenetik & Zellkultur in der Klinik für Neurochirurgie des UKS, Petra Mertz, die Mutter des verstorbenen Björn Mertz, sowie Rechtsanwalt Andreas Abel als Vorsitzender. Nach Oberarzt Dr. Fritz Teping und Dr. Karen Radtke, ebenfalls Ärztin in der Neurochirurgie des UKS, ist PD Dr. Dörthe Keiner nun die dritte Preisträgerin, deren Forschungsarbeit von der Ursula und Werner Schanné-Stiftung gefördert wird.

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Weitere Informationen zur Stiftung sind online unter www.schanne-stiftung.de sowie per E-Mail an mail@schanne-stiftung.de erhältlich.

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