Die Universität des Saarlandes verstärkt ihre Forschung zu Erkrankungen des Nervensystems: Zum 1. Oktober 2026 tritt Francesca Gilli am Campus Homburg ihre neue Professur für Neuroinflammation an. Sie kommt von der Geisel School of Medicine at Dartmouth in den USA, wo sie zuletzt als Associate Professor für Neurologie tätig war. Ihre zentrale Frage: Wie tragen Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem dazu bei, dass neurologische Erkrankungen entstehen und fortschreiten?
Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Multiplen Sklerose, kurz MS. Gilli interessiert sich vor allem für jene Mechanismen, die bei den fortschreitenden Formen der Krankheit Nervenzellen und Gewebe schädigen. Dabei nimmt sie das Zusammenspiel von Immunzellen, Gliazellen und neuronalen Strukturen unter die Lupe und verfolgt die molekularen Signalwege, die Neuroinflammation und Neurodegeneration miteinander verbinden.
Um Krankheitsaktivität und Gewebeschäden präziser messen zu können, entwickelt und prüft sie Biomarker. Dafür untersucht sie Proben aus Blut und Hirnwasser und kombiniert klinisches Material mit modernen molekularbiologischen und sogenannten multi-omischen Verfahren. Das Ziel ist klar umrissen: die biologischen Abläufe der Erkrankung besser verstehen, um früher diagnostizieren, genauer prognostizieren und gezielter behandeln zu können.
In den vergangenen Jahren hat Gilli ihren Blick zunehmend auf die Neurodegeneration bei fortschreitender MS gerichtet. Ihr Team prüft derzeit, ob sich chronische Entzündungsprozesse durch die gezielte Hemmung bestimmter Signalwege eindämmen lassen – und ob so neurologische Funktionen erhalten werden können. Ebenso beschäftigt sie die Rolle von B-Zellen und weiteren Komponenten der Immunabwehr im Nervensystem sowie die Wechselwirkungen zwischen Infektionen und Neuroinflammation. Dafür nutzt sie sowohl Patientenproben als auch experimentelle Modelle.
In Homburg will die Wissenschaftlerin ihre Arbeit an der Schnittstelle von Neuroimmunologie, Neurologie und Infektionsimmunologie weiter ausbauen. Geplant sind gemeinsame Projekte mit der Neurologie, der Immunologie sowie der Transplantations- und Infektionsmedizin. Grundlagenforschung und klinische Fragestellungen sollen dabei eng verzahnt werden, indem Patientenkohorten und Biobanken mit experimentellen Modellen und Omics-Technologien zusammengeführt werden. So sollen neue Erkenntnisse möglichst direkt in diagnostische und therapeutische Ansätze münden.
Auch in der Lehre bringt Gilli Erfahrung mit. An Dartmouth bildete sie Medizinstudierende sowie angehende Neurowissenschaftlerinnen und Neurowissenschaftler aus und leitete über mehrere Jahre als Co-Direktorin das Graduate Program in Integrative Neuroscience. An der Medizinischen Fakultät in Homburg möchte sie die Neuroimmunologie stärker in der Ausbildung verankern und interdisziplinäre Lehrkonzepte entwickeln, die Grundlagenwissen und klinische Neurologie miteinander verbinden.
Gilli wuchs in Italien auf und ist durch ihre deutsche Mutter zweisprachig. Sie studierte Biotechnologie an der Universität Turin und promovierte dort in Humanbiologie mit Schwerpunkt Neurobiologie und Neuroimmunologie. Nach Forschungsstationen in Turin und Basel absolvierte sie 2011 eine Weiterbildung in Clinical Chemistry and Laboratory Medicine – im selben Jahr wurde sie mit dem Rita-Levi-Montalcini-Preis der Fondazione Italiana Sclerosi Multipla ausgezeichnet. 2013 wechselte sie an die Dartmouth Medical School in den USA.


















