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Um den CO2-Ausstoß zu reduzieren und die Pariser Klimaziele einzuhalten, hat sich die Bundesregierung ehrgeizige Ziele zum Ausbau der Windenergie gesetzt. Doch häufig scheitert der Bau von Windkraftanlagen am Widerstand der lokalen Bevölkerung. Forschende des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) in Tübingen konnten nun zeigen, dass der Glaube an Verschwörungstheorien einen entscheidenden Anteil an der Ablehnung von Windrädern hat. Außerdem fanden sie heraus, wann Informationen dabei helfen, den Widerstand zu reduzieren, und wann diese wirkungslos bleiben.

Die Windkraft könnte bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes und in der aktuellen Energiekriese eine entscheidende Rolle einnehmen, um den Energiebedarf in Deutschland zu decken. Doch der Ausbau stockt seit einigen Jahren. Neben bürokratischen Hürden zieht häufig der Widerstand aus der Bevölkerung den Bau von Windkraftanalagen in die Länge oder verhindert diesen ganz. „Falschinformationen und Verschwörungstheorien über Windräder – beispielsweise über scheinbare negative gesundheitliche Folgen – sind in sozialen Medien weitverbreitet“, erklärt Dr. Kevin Winter, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Soziale Prozesse am IWM, die Ausgangslage. Zudem konnte in früheren Forschungsarbeiten gezeigt werden, dass Verschwörungsglaube mit einem erhöhten Miss-trauen gegenüber Autoritäten und Institutionen einhergeht – also den Akteuren, die den Ausbau der Windenergie vorantreiben.

Verschwörungsglaube reduziert die Akzeptanz von Windrädern

In Zusammenarbeit mit der University of Queensland (Australien) konnten Forschende des IWM in einer repräsentativen Umfrage in der deutschen Bevölkerung mit über 2000 Teilnehmenden nun erstmals nachweisen, dass der Glaube an Verschwörungstheorien eine entscheidende Rolle bei der Ablehnung von Windrädern spielt. Um dies zu untersuchen, wurden die Teilnehmenden gebeten, sich vorzustellen, wie sie in einem Referendum über den Bau von Windrädern in ihrem Wohnort abstimmen würden. „Verschwörungsglaube hatte hier einen weitaus größeren Einfluss als demographische Faktoren wie Alter, Bildungsgrad oder die politische Orientierung“, fasst Projektleiter Winter die Studienergebnisse zusammen.

Informationen nur teilweise wirksam

Weiterhin fanden die Forschenden in acht Studien mit über 4000 Teilnehmenden heraus, dass sich das Bereitstellen von Informationen über den Nutzen der Windräder positiv auf die Zustimmung auswirkte – auch bei Menschen, die eine Neigung zum Glauben an Verschwörungstheorien aufweisen. Diese positi-ve Wirkung der Kommunikation fiel allerdings deutlich geringer aus, wenn Menschen an eine konkrete Verschwörungstheorie rund um das Referendum glaubten oder ihnen zeitgleich negative Informationen über die Windräder präsentiert wurden. „Unter realistischen Bedingungen scheint es also schwierig zu sein, nur mit Informationen gegen den Verschwörungsglauben anzukommen“, resümiert Winter. Hier könnte es ratsam sein auf präventive Maßnahmen wie hohe Transparenz und frühe Kommunikation zu setzen, die verhindern, dass Verschwörungstheorien und Falschinformationen ihre Wirkung entfalten.

Originalpublikation: https://www.nature.com/articles/s41560-022-01164-w

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