Symbolbild

Der LTE-Ausbau im Saarland hat deutlich Fahrt aufgenommen. Wie eine am Mittwoch (20.01.2020) veröffentlichte Studie der umlaut SE im Auftrag der Staatskanzlei des Saarlandes zeigt, sind zwischen den Jahresmitten 2019 und 2020 zwei Drittel der LTE-Funklöcher im Land von der Landkarte verschwunden. Davon profitieren insbesondere der ländliche Raum und grenznahe Ortsteile. Ministerpräsident Tobias Hans zeigt sich zufrieden, dass die Unterstützung des Ausbaus durch Land und Bund Wirkung zeigt.

„In den letzten Jahren haben wir uns gemeinsam mit dem Bund und den Netzbetreibern nachdrücklich für eine bessere Mobilfunkversorgung eingesetzt. Oberstes Ziel war und ist, die digitale Kluft zwischen Stadt und Land zu schließen. Um Ausbaufortschritte sichtbar zu machen, haben wir die Mobilfunkexperten von umlaut damit beauftragt, die LTE-Versorgung im Saarland systematisch zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich unsere Anstrengungen ausgezahlt haben. Gerade in ländlichen und grenznahen Ortsteilen hat sich in letzter Zeit viel getan:  Sie sind jetzt weit überwiegend mit LTE versorgt. Die Untersuchung zeigt aber auch auf, in welchen Bereichen weiterer Handlungsbedarf bestehen könnte. Damit liefert sie wertvolle Anhaltspunkte, wohin wir künftige Maßnahmen – z. B. im Rahmen der angekündigten Mobilfunkförderung des Bundes – steuern müssen“, sagt Ministerpräsident Tobias Hans.

Um die Mobilfunkversorgung in der Fläche so zu beurteilen, wie Nutzerinnen und Nutzer sie in der Praxis erleben, besteht bundesweit bislang keine geeignete Datengrundlage. Deshalb hat die Staatskanzlei des Saarlandes eine Untersuchung der Funkabdeckung im Saarland beim Mobilfunkexperten umlaut SE beauftragt. Das Unternehmen verfügt über einen eigenen, fortlaufend aktualisierten Fundus an Verfügbarkeitsdaten, die praxisnah ermittelt werden und große Teile des Saarlandes abdecken, aber in sehr dünn besiedelten Bereichen teilweise nicht vorliegen. Da Versorgungslücken besonders den ländlichen Raum betreffen, hat das von der Staatskanzlei geförderte Breitbandbüro Saar in mehr als 80 kleineren Ortschaften zusätzliche Messfahrten durchgeführt, um eine möglichst flächendeckende Datenbasis zu schaffen.

Anbieterübergreifende Verbesserung der LTE Versorgung im Saarland von Mitte 2019 bis Mitte 2020 (Grafik: umlaut SE / OpenStreetMap)

Auf dieser Grundlage hat umlaut die Mobilfunkversorgung des Saarlandes für alle Mobilfunknetzbetreiber im Rahmen einer Studie analysiert und mit den Vorjahreswerten verglichen, um Ausbaufortschritte sichtbar zu machen. Der Fokus liegt dabei auf der Funktechnologie LTE, die derzeit aus Endnutzersicht am wichtigsten ist, da sie nicht nur Sprachtelefonie in hoher Qualität, sondern vor allem auch leistungsfähige Datendienste bereitstellt. Die Ergebnisse der Untersuchung stehen unter saarland.de/LTE2020 zum Abruf bereit und zeigen:

  •  Zwei Drittel der LTE-Versorgungslücken wurden binnen einem Jahr geschlossen: Während Mitte 2019 noch 1,6 % der Haushalte im Saarland nicht durch wenigstens ein Mobilfunknetz mit LTE versorgt wurden, verblieben Mitte 2020 nur noch 0,5 % der Haushalte ohne LTE-Zugang.
  • Schwerpunktmäßig profitierten Bereiche im ländlich geprägten Norden und Südosten des Landes sowie Ortsteile an der Auslandsgrenze zu Frankreich vom weiteren LTE-Flächenausbau.
  • Im Vergleich der Mobilfunknetzbetreiber erreicht die Deutsche Telekom Mitte 2020 mit 99 % der Haushalte die beste LTE-Abdeckung im Saarland, gefolgt von Vodafone (96,9 %) und Telefónica (92,9 %).

Die einzelnen Mobilfunkunternehmen treiben den Ausbau grundsätzlich unabhängig voneinander voran und setzen eigene regionale Versorgungsschwerpunkte. Interessierten Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen die in der Studie enthaltenen Versorgungskarten eine erste Einschätzung, welches Netz an ihren häufigsten Aufenthaltsorten jeweils am besten ausgebaut ist. Sie liegen für jeden Netzbetreiber auf Landkreisebene vor. Die umlaut SE führt regelmäßig Netztests im Auftrag der Netzbetreiber und renommierter Fachmedien wie der Zeitschrift „connect“ durch. Ihr Datenfundus basiert auf Millionen von Einzelmessungen, die mit dem Einverständnis der jeweiligen Nutzerinnen und Nutzer durch bestimmte Apps auf gewöhnlichen Smartphones anonymisiert im Hintergrund erhoben werden. Eine LTE-Versorgung wird im Rahmen der Studie angenommen, wenn Nutzerinnen und Nutzer eine Empfangsleistung von mindestens -120 dBm RSRP in typischen Nutzungsszenarien erhalten. Ab diesem Wert kann davon ausgegangen werden, dass Sprach- und Datendienste in hinreichender Qualität bereitstehen. Die Fortschritte im Vergleichszeitraum Mitte 2019 und Mitte 2020 lassen sich zu einem großen Teil auf Maßnahmen des Bundes und des Saarlandes zurückzuführen, insbesondere:

Erleichterung der Versorgung im Grenzbereich
In der Nähe zu Auslandsgrenzen war es für die Netzbetreiber lange Zeit schwierig, eine gute LTE-Versorgung bereitzustellen. Hintergrund war, dass zum Schutz ausländischer Mobilfunknetze vor Störungen strenge Grenzwerte für eine Überstrahlung ins Nachbarland galten und die Netzbetreiber ihre Sendeleistung künstlich herunterregeln mussten. Auf Initiative des Saarlandes beim Mobilfunkgipfel des Bundes 2018 hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur am 30. September 2019 im Dialog mit der Bundesnetzagentur eine neue Übereinkunft getroffen, um die Mobilfunkversorgung in Grenzregionen deutlich zu erleichtern. Einige Mobilfunkbetreiber haben unmittelbar danach die Leistungsbeschränkungen im Grenzraum aufgehoben und können dort nun deutlich besser versorgen.

Endspurt zur Erfüllung der Versorgungsauflagen
Im Zuge einer Frequenzzuteilung hatte die Bundesnetzagentur allen Mobilfunknetzbetreibern 2015 auferlegt, bis zum 1. Januar 2020 bundesweit 98 % der Haushalte mit LTE zu versorgen. Zuvor hatten sich die Bundesländer gemeinsam für diese ambitionierte Versorgungsauflage eingesetzt, die insbesondere sicherstellen sollte, dass die Technologie auch im ländlichen Raum ankommt. Ende 2019 haben die Netzbetreiber ihren Ausbau noch einmal erheblich forciert, um die Auflagen bestmöglich zu erfüllen. Im Rahmen der letzten Frequenzzuteilung 2019 wurden erneut Versorgungsauflagen erteilt, die den Flächenausbau auch in den kommenden Jahren weiter vorantreiben werden.

Transparenz-Initiative der Staatskanzlei
2019 hatte die Staatskanzlei auf Basis von umfassenden Einzelmessungen des Breitbandbüro Saar fünf Ortsteile im Saarland als Handlungsschwerpunkt identifiziert, da dort kein Netzbetreiber eine stabile Sprachversorgung anbieten konnte. Im Dialog mit den Mobilfunkunternehmen wurde für alle betroffenen Ortsteile eine Versorgungsperspektive geschaffen, die voraussichtlich im Laufe der kommenden Jahre realisiert werden kann. In einem dieser Ortsteile, Freisen-Grügelborn, ging es besonders schnell: Hier hat Vodafone kurzfristig einen mobilen LTE-Mast bereitgestellt, der seit Ende 2019 in Betrieb ist und in Kürze durch eine dauerhafte Lösung ersetzt werden wird.

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