Louis Kleemeyer bei seinem Einzel bei den Special Olympics Nationalen Spielen Saarland 2026 Foto: SOD / Tilo Wiedensohler
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Gold im Doppel, Bronze im Einzel – und ein nächstes großes Ziel vor Augen: Louis Kleemeyer hat bei den Special Olympics Nationalen Spielen im Saarland seine ohnehin schon beeindruckende Sportlerlaufbahn um ein weiteres Kapitel erweitert. Der 25-Jährige aus Neuss träumt nun von einem Startplatz bei den Weltspielen im Oktober 2027 in Chile.

Wer Kleemeyer einmal begegnet ist, vergisst ihn nicht so schnell. Das liegt nicht nur an seinen 2,05 Metern Körpergröße, mit denen er die meisten Menschen um sich herum überragt. Es liegt auch an einer Präsenz, die online wie offline funktioniert: tausende Follower auf Instagram und LinkedIn, ständige Selfie-Anfragen, ein breites Lächeln, das man auf Anhieb mit ihm verbindet. In Deutschland nennen sie ihn längst „Mister Inklusion“ – ein Titel, den er sich mit jahrelangem Engagement selbst erarbeitet hat.

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Dass er nun in Merzig auf dem Tennisplatz triumphierte, ist das Ergebnis harter Arbeit. Seit Ende Mai hatte sich der Sportler mit einem konsequenten „Power-Training“ auf die Wettbewerbe vorbereitet. „Ich habe gespielt und gespielt und gespielt, um fit zu werden“, beschreibt er die Wochen vor dem Start. Im Unified-Doppel holte er gemeinsam mit seinem Bruder Ben Gold, beide treten für den NTC Stadtwald e.V. 1980 Neuss an. Im Einzel reichte es zu Bronze. Schon 2022 hatte er bei den Nationalen Spielen in Berlin zweimal Gold gewonnen – im Einzel und ebenfalls im Doppel mit seinem Bruder.

Bemerkenswert ist der Rollenwechsel, den Kleemeyer im Saarland vollzogen hat. Bevor er selbst zum Schläger griff, arbeitete er lange für die Organisatoren der Spiele in einem Büro in Saarbrücken und schulte Mitarbeitende von Firmen für die Bedürfnisse von Menschen mit geistiger Behinderung. Auch sonst ist seine Vita ungewöhnlich vielseitig: Bei den FISU World University Games 2025 in Nordrhein-Westfalen beriet er die Veranstalter, von den Special Olympics World Winter Games in Turin berichtete er als Reporter.

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Kleemeyers Weg zum gefragten Coach war alles andere als gerade. Eine Lernbehinderung prägte seine Kindheit, bis zum zehnten Lebensjahr konnte er kaum sprechen. Es folgten Internat, Förderschule und schließlich der Hauptschulabschluss. Gemeinsam mit der IHK und einem Unternehmen entwickelten seine Eltern dann eine maßgeschneiderte Ausbildung: drei Jahre lernte er den Beruf des Fachpraktikers IT-Systeme – und schloss mit der Note 1 ab. Bereits während der Lehre gründete er mit seinem Vater die Firma Unique United, die Menschen mit Behinderung berät und Unternehmen in Sachen Inklusion begleitet.

Heute arbeitet seine Familie an weiteren Projekten, darunter das Weiterbildungsunternehmen VIAPARI. Sein Hauptgeschäft sind Online-Coachings, in denen er Firmen erklärt, wie Internetseiten barrierefrei werden oder worauf bei der Einstellung von Menschen mit Behinderung zu achten ist. Dabei nutzt er gern eine simple Zahl, um sein Publikum wachzurütteln: „In Deutschland haben rund zehn Prozent der Menschen eine Behinderung. Nur bei drei Prozent ist die Behinderung angeboren. Bei den anderen sieben Prozent ist es Folge von Unfällen oder Krankheiten.“ Der Aha-Effekt sei jedes Mal derselbe – die Zuhörer begreifen, dass es auch sie treffen könnte.

Über Begriffe streitet er nicht. Ob Behinderung, Beeinträchtigung oder Handicap – entscheidend sei die Haltung dahinter. „Hauptsache, es ist positiv den Menschen gegenüber gemeint“, sagt Kleemeyer. Diese Grundhaltung zieht sich durch sein gesamtes Wirken: Wo andere das Glas halbleer sehen, ist es für ihn halbvoll.

Nach den Erfolgen im Saarland wartet bereits das nächste Vorhaben. Sechs Monate lang wird Kleemeyer beim Sportartikelhersteller Adidas coachen, mit dem Ziel, in einer Filiale in Herzogenaurach zwei Mitarbeitende mit Behinderung in Beschäftigung zu bringen. Verläuft das Pilotprojekt erfolgreich, soll es bundesweit ausgerollt werden. Bis dahin bleibt der Blick auch nach Chile gerichtet – wo 2027 die nächste große Bühne wartet.

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