Kommunale Zusammenarbeit bei der Beförsterung der Stadtwälder in Blieskastel und Homburg: Blieskastels Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener und Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind bei der Vertragsunterzeichnung im Blieskasteler Rathaus. Foto: Jürgen Kruthoff, Kreisstadt Homburg

Die Stadt Blieskastel ist mit rund 1.900 Hektar Waldfläche eine der größten saarländischen Kommunalwaldbesitzer und verfügt dementsprechend über eigenes fachlich qualifiziertes Personal. Die benachbarte Kreisstadt Homburg ist Eigentümerin von etwas mehr als 300 ha Wald, der neben seiner wirtschaftlichen Bedeutung vor allem der Naherholung und dem sanftem Tourismus dient, so vor allem im Bereich des Schlossberges und der Guldenschlucht.

Da die Kreisstadt Homburg ihre Wälder auch weiterhin zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger eigenständig bewirtschaften möchte, jedoch über kein eigenes forstliches Personal verfügt, wurde im Zuge einer engen kommunalen Zusammenarbeit der Gedanke geboren, den Homburger Stadtwald künftig durch den Fachdienst Forst der Nachbarstadt Blieskastel mitbetreuen zu lassen. Die Kreisstadt Homburg und die Stadt Blieskastel haben daher zum 1. März einen Beförsterungsvertrag abgeschlossen, der auch waldpädagogische Konzepte für die Homburger Schulen und Kindergärten zum Gegenstand hat.

Rückepferd im Einsatz im Blieskasteler Stadtwald. Foto: Dr. Helmut Wolf
Rückepferd im Einsatz im Blieskasteler Stadtwald. Foto: Dr. Helmut Wolf

Dazu äußerte sich die Blieskasteler Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener: Mein besonderer Dank gilt unserem Ersten Beigeordneten Georg Josef Wilhelm für seine Initiative und die geleistete Vorarbeit, die erforderlich war, um dieses bedeutsame und zukunftsweisende Projekt auf den Weg zu bringen.

Hintergrund:

Das Saarland ist ein Waldland

Das Saarland ist mit knapp 100.000 ha Waldfläche und einem Waldanteil von rund 38 % prozentual gesehen eines der waldreichsten Bundesländer. Davon sind jedoch nur rund 40 % der Waldfläche Staatswald. Die überwiegende Mehrheit der Wälder ist in privatem sowie kommunalem Besitz. So entfallen auf die saarländischen Kommunen immerhin 30 % der Waldfläche unseres Landes. Einer der größten saarländischen kommunalen Waldbesitzer ist die Stadt Blieskastel.

Der Stadtwald Blieskastel ist mit der Gebiets- und Verwaltungsreform der frühen 1970er Jahre aus den zahlreichen ehemaligen Gemeindewäldern hervorgegangen und erstreckt sich über das gesamte Stadtgebiet. Größere zusammenhängende Waldgebiete befinden sich vor allem im vom Buntsandstein geprägten Nordteil des Stadtgebietes, während auf den überwiegend landwirtschaftlich genutzten Muschelkalkstandorten eher kleinere Waldflächen anzutreffen sind.

Der rund 1 900 ha Stadtwald liegt ganz in der Hügellandstufe und zwar mit rd. 1.200 ha im Wuchsbezirk Saarbecken und Buntsandsteinbereich des Wuchsgebietes Saar-Nahe-Bergland (Mittlerer und Oberer Buntsandstein) und mit rund 700 ha im Wuchsbezirk Bliesgau des Wuchsgebietes Saarländisch-Pfälzisches Muschelkalkgebiet (Unterer, Mittlerer und Oberer Muschelkalk; rd. 700 ha). Die Höhenlagen betragen zwischen 200 und 400 m über NN. Bei einer mittleren Niederschlagsmenge von 750 bis 950 mm beträgt die Jahresdurchschnittstemperatur rund 9 Grad Celsius.

Der Stadtwald Blieskastel ist von Laubbäumen geprägt, wobei die Buche einen Anteil  von über 40 % aufweist, die Eichen erreichen etwa 16 % und auf fast ebenso großer Fläche wächst die fast ganze Palette der anderen einheimischen Laubbäume (Ahorne, Kirsche, Esche, Erle, Elsbeere) sowie die Robinie. Nadelbäume (Fichte, Kiefer, Lärche, Douglasie, Tanne) wachsen auf gut einem Viertel der Stadtwaldfläche.

Zur Bewältigung der im Rahmen einer naturnahen Waldwirtschaft anfallenden Arbeiten greift der Stadtwald Blieskastel sowohl auf eigene Arbeitskräfte als auch auf Forstunternehmer zurück.

Der jährliche Gesamteinschlag beträgt gemäß der Forsteinrichtung 2010 rund 18.500 Efm.

Betriebsphilosophie im Rahmen einer naturnahen Waldwirtschaft

Im Stadtwald Blieskastel geht es gleichermaßen um die Erzeugung eines umfassenden Mehrwertes in ökologischer, ökonomischer und soziokultureller Hinsicht. Ökologisch ist werden authentische Lebensgemeinschaften mit ihrem vollen Artenreichtum angestrebt, in denen ein gewisser Teil der Bäume bis zu ihre natürlichen Zerfall ungenutzt bleiben. Ökonomisch geht es um das Heranwachsen starker und wertvoller Bäume, die eine breite Schicht astfreien Holzes höchsten Wertes aufweisen. Ein Mosaik natürlicher Waldentwicklungsabfolgen bildet zudem die Grundlage für einen hohen Erholungs- und Freizeitwert unserer Wälder. Daneben geht es auch um forstliche Bildungsarbeit im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung, die den Lernenden den zunächst abstrakten Begriff der Nachhaltigkeit näher bringen soll.

Das Heranwachsen vom Sämling bis zum wertvollen Baum erfordert naturgemäß einen langen Entwicklungszeitraum. Dabei dürfen die natürlichen Abläufe nicht übermäßig gestört oder gar ausgehebelt werden. Wirtschaftliches Handeln muss sich daher so in die Naturabläufe einfügen, dass deren Regelkreise zieldienlich wirksam werden. In den Waldbereichen, in denen auch heute noch eine naturferne Bestockung anzutreffen ist, gilt es behutsam den Weg zurück zu einer authentischen Lebensgemeinschaft einzuschlagen.

Schonung der natürlichen Lebensgrundlagen

Eine entscheidende Lebensgrundlage für unsere Wälder sind gesunde Böden, die die ganze Vielfalt ihres Bodenlebens aufweisen. Hier gilt es darauf zu achten, dass die Beeinträchtigungen durch Befahrung oder durch Entzug von Biomasse auf ein erträgliches und vertretbares Minimum beschränkt bleiben. Ein wichtiger Beitrag zum schonenden Umgang mit unseren Wäldern ist unter anderem der bodenschonende Einsatz von Rückepferden im Stadtwald Blieskastel.

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