Hinter den Mauern des Klinikums Saarbrücken auf dem Winterberg arbeitet ein Bereich, von dem die meisten Patientinnen und Patienten nie etwas mitbekommen – und der doch jeden Tag über Leben und Genesung mitentscheidet. In der Krankenhausapotheke entstehen rund 13.000 sterile Zubereitungen pro Jahr, jede einzelne ein Unikat, exakt auf einen Menschen zugeschnitten. Vom Eingang des Rezepts bis zur Auslieferung vergeht oft kaum mehr als eine Stunde.
Der fachliche Schwerpunkt liegt längst auf der Herstellung von Zytostatika, jenen hochwirksamen Medikamenten, die das Wachstum von Krebszellen gezielt hemmen und das Rückgrat jeder Chemotherapie bilden. Dosis, Gewicht, Organfunktion, individuelle Behandlungssituation – alles fließt in die Berechnung ein. „Wir machen keine Standardprodukte. Jede Therapie gehört genau einem Menschen – und sie muss zu 100 Prozent passen“, sagt Emily Munz, Fachapothekerin für Klinische Pharmazie, stellvertretende Leiterin der Apotheke und Vorsitzende des saarländischen Landesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker.
Mit der Gründung des MVZ Onkologie zu Jahresbeginn hat sich der Auftrag der Apotheke spürbar erweitert. Zu den bislang bis zu 2.500 stationären Chemotherapien kommen nun rund 10.000 individuelle Zytostatika-Zubereitungen pro Jahr hinzu, die für die Vertragsapotheke des MVZ, die Paulus-Apotheke am Rastpfuhl unter Leitung von Eva Gabriel, gefertigt werden. Dreimal täglich werden die Präparate dort abgeholt. Manche der Beutel enthalten Wirkstoffe im Wert von bis zu 15.000 Euro, viele sind nur 24 Stunden haltbar, einzelne noch deutlich kürzer.

Gearbeitet wird unter Reinraumbedingungen der Klasse A. Die Luft ist gefiltert, jeder Keim ausgeschlossen, jede Bewegung an der Sterilwerkbank kontrolliert. Mehrere Stunden ohne Pause sind keine Seltenheit, die Substanzen reichen von dünnflüssig bis harzartig und lassen sich teils kaum mit einer Kanüle aufziehen. Alle sechs Monate wird der gesamte Prozess revalidiert. „Wir schauen immer zweimal hin. Es geht bei den Zubereitungen darum, dass sie Leben retten können für Patientinnen und Patienten“, sagt Beate Halex, die seit knapp 22 Jahren die Krankenhausapotheke leitet.
Ein zweiter, im Klinikalltag oft unsichtbarer Schwerpunkt ist die Sterilgutherstellung für Bereiche wie die Kinderintensivstation, den OP und die Allgemeinchirurgie. Die zentrale Produktion exakt dosierter Präparate nimmt den Stationen Arbeitsschritte ab, reduziert Fehlerquellen und macht die Medikamentenverfügbarkeit planbarer. Gerade in der Pädiatrie ist das relevant: Kleine Dosisabweichungen können große Folgen haben, weshalb die Apotheke standardisierte, aber stationsspezifisch zugeschnittene Zubereitungen liefert. „Wir hören zu, wir passen an – und am Ende profitieren alle“, sagt Halex.
Dass die Reichweite der Apotheke weit über den Winterberg hinausreicht, fällt im Klinikalltag selten auf. Versorgt werden auch die Nardinikliniken in Zweibrücken und Landstuhl, die Mediclin-Rehakliniken in St. Wendel und Blieskastel sowie der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung im Raum Saarbrücken samt aller bodengebundenen Rettungsmittel und des Hubschraubers Christoph 16. Hinzu kommen der Malteser Hilfsdienst in Saarbrücken und der Arbeiter-Samariter-Bund im Kreisverband Zweibrücken.
Rund zwanzig Menschen tragen diese Versorgung, darunter sechs Apothekerinnen und Apotheker sowie mehrere Fach-PTA für Onkologie. „Am Ende zählt, dass jede Therapie sicher und zuverlässig dort ankommt, wo sie gebraucht wird – beim Menschen“, sagt Halex. „Dass das gelingt, ist das Ergebnis vieler präziser Schritte und eines Teams, das Verantwortung übernimmt und zusammensteht.“


















