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18 Jugendliche vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Greifswald tauschen derzeit regelmäßig ihr Klassenzimmer gegen Gummistiefel und Probengefäße ein. Im Rahmen des Citizen-Science-Projekts CiFly erforschen die Neunt- und Zehntklässler gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Helmholtz-Instituts für One Health (HIOH) und des Sonderforschungsbereichs WETSCAPES2.0 der Universität Greifswald die Biodiversität und das Vorkommen antimikrobiell resistenter Bakterien im Anklamer Stadtbruch – einem der bedeutendsten wiedervernässten Moorgebiete Vorpommerns.

Der Anklamer Stadtbruch hat eine bewegte Geschichte. Einst trockengelegt, wurde das Areal nach einem Dammbruch im Jahr 1995 wieder überflutet und entwickelte sich seither zu einer ökologisch wertvollen Wiedervernässungsfläche. Das Gebiet leistet einen erheblichen Beitrag zum Klima-, Arten- und Wasserschutz und dient zahlreichen Forschungsprojekten als Untersuchungsraum. Genau dort setzten die Schülerinnen und Schüler am 30. April 2026 bei ihrem Feldforschungstag an – dem bisherigen Höhepunkt des diesjährigen Projektdurchlaufs.

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Vor dem Gang ins Gelände bereiteten sich die Jugendlichen im Unterricht intensiv vor. Forschende führten sie in die Konzepte von One Health, Biodiversität und antimikrobiellen Resistenzen ein. Sie lernten, eigene wissenschaftliche Fragestellungen zu formulieren, Bodenproben zu entnehmen, Blattabstriche zu nehmen und ihre Beobachtungen systematisch zu dokumentieren. Der Greifswalder Moor-Experte Prof. Gerald Jurasinski vermittelte ihnen zudem ein grundlegendes Verständnis für den Lebensraum Moor. Im Feld untersuchten die Gruppen dann sowohl landwirtschaftlich genutzte, entwässerte Moorflächen als auch wiedervernässte Areale und machten sich dabei mit modernen Nachweismethoden wie der Umwelt-DNA-Analyse vertraut, mit der sich Tierarten aufspüren lassen, ohne sie direkt beobachten zu müssen.

„Wer selbst forscht, versteht ökologische Zusammenhänge viel unmittelbarer“, sagt Gerald Jurasinski vom Institut für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald. „Die Schülerinnen und Schüler erleben in diesem Projekt, warum Moore für Klima, Artenvielfalt und Gesundheit so wichtig sind – und auch, wie Wissenschaft ganz konkret arbeitet.“ Dieses unmittelbare Erleben ist ein Kernanliegen des Projekts: Citizen Science meint hier, dass die Jugendlichen nicht bloß zuschauen, sondern selbst Daten erheben, Hypothesen aufstellen und ihre Ergebnisse wissenschaftlich auswerten lassen.

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Dr. Johanna Eberhard, die CiFly am HIOH koordiniert, betont den wechselseitigen Lerneffekt: „Wir möchten den Jugendlichen zeigen, welche Möglichkeiten die Wissenschaft bietet. Dabei ist es uns wichtig, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch die Freude an der Wissenschaft.“ Gleichzeitig hätten die Forschenden in den vergangenen drei Jahren viel von den Schülerinnen und Schülern gelernt – „vor allem darüber, wie man Inhalte verständlich vermittelt und wie Methoden gestaltet sein müssen, damit sie zuverlässig verstanden und angewandt werden können und dabei hochwertige wissenschaftliche Daten liefern.“

Das Projekt läuft bereits im dritten Jahr. 2024 erforschten die teilnehmenden Jugendlichen unterschiedliche Gebiete in ihrem jeweiligen Wohnumfeld. Im vergangenen Jahr diente der Tierpark Greifswald samt Umgebung als Untersuchungsraum, wobei die erhobenen Daten Rückschlüsse auf die räumliche Genauigkeit der eDNA-Methode bei der Biodiversitätsmessung ermöglichten. Diese Ergebnisse werden nun gemeinsam mit den beteiligten Schülerinnen und Schülern veröffentlicht – ein Schritt, der den wissenschaftlichen Anspruch des Vorhabens unterstreicht.

Warum gerade Moore im Mittelpunkt stehen, erklärt sich durch deren enorme ökologische Bedeutung. Obwohl sie lediglich vier Prozent der Erdoberfläche bedecken, binden sie doppelt so viel Kohlenstoff wie sämtliche Wälder der Erde zusammen. Werden sie entwässert, entweichen große Mengen Treibhausgase. Wiedervernässung kann diese Emissionen stoppen und zugleich wertvolle Lebensräume zurückbringen. Die Dynamik dieser neu entstehenden Ökosysteme erforscht der Sonderforschungsbereich WETSCAPES2.0, ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Konsortium der Universitäten Greifswald und Rostock, das Politik und Praxis belastbare wissenschaftliche Grundlagen liefern will.

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CiFly ist eingebettet in die „One Health-Region Vorpommern“ und wird über die Initiative „T!Raum – TransferRäume für die Zukunft von Regionen“ des Bundesministeriums für Forschung und Technologie gefördert. Das HIOH selbst, ein Standort des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig, arbeitet in Kooperation mit der Universität Greifswald, der Universitätsmedizin Greifswald und dem Friedrich-Loeffler-Institut an den Schnittstellen von Mensch-, Tier- und Umweltgesundheit. Das Projekt verbindet damit praxisnahe Umweltbildung mit hochaktueller Forschung zu Biodiversität und antimikrobiellen Resistenzen – und macht Wissenschaft für junge Menschen in der Region greifbar, lange bevor sie sich für einen Studiengang entscheiden müssen.

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