Es war ein Heimspiel der besonderen Art: Karla Borger, zweimalige Olympionikin im Beachvolleyball, kehrte am Dienstagabend an den Bostalsee zurück. Genau auf jenem Sand, auf dem sie vor Jahren eines ihrer ersten Turniere nach dem Wechsel von der Halle in den Sand bestritten hatte, schlüpfte sie nun in eine neue Rolle – als Botschafterin der Special Olympics. Eine Stunde lang spielte sie bei den Nationalen Spielen im Strandbad mit den Athletinnen und Athleten, und es wurde ein Abend, den sie so schnell nicht vergessen wird.
An welches Turnier genau sie damals dort angetreten war, musste Borger erst rekonstruieren. Eine ehemalige Kollegin half ihr auf die Sprünge: vermutlich eine Deutsche Jugendmeisterschaft U16/U17. Die Erinnerung mochte verblasst sein, das Gefühl für den Ort blieb. „Ultraschön am See“ sei es gewesen, schwärmte die mehrfache Deutsche Meisterin nach ihrem Einsatz auf dem Spielfeld.
Dass die Athletinnen und Athleten sie wie einen Popstar feierten, rührte Borger sichtlich. „Wenn du sagst, du bist Profi, sind sie völlig begeistert und bekommen leuchtende Augen“, erzählte sie. Geschont wurde die Profisportlerin dabei keineswegs. „Ich wurde richtig gefordert, lag öfter mal im Sand. Aber es war echt schön. Wir hatten viele Ballwechsel, ich habe getanzt, gelacht und meine Späße mit dem Schiedsrichter gemacht.“
Ihr Engagement für Special Olympics Deutschland (SOD) ist noch frisch, aber intensiv. Bereits im Mai hatte Borger den Vorbereitungslehrgang in Herzogenaurach begleitet, an dem rund 50 Athletinnen und Athleten teilnahmen. Am Bostalsee erlebte sie nun, welche Wirkung ein prominentes Vorbild entfalten kann. „Einige haben große Fortschritte gemacht. Sie haben offenbar viel geübt seit Herzogenaurach. Ich war echt erstaunt, und die Trainerin war auch erstaunt.“
Schon nach ihrem ersten Kontakt mit der Bewegung hatte sich Borger auf LinkedIn dem „Special Olympics Virus“ verschrieben. Gemeinsam im Sand zu trainieren und mitzuerleben, wie der Sport Menschen verbinde, motiviere und stärke, sei etwas Besonderes gewesen, schrieb sie damals. Vor allem der Teamgeist und die Freude aller Beteiligten bleibe im Kopf.
Dass sie bei den Weltspielen 2023 in Berlin nicht dabei sein konnte, bedauert sie bis heute. Als aktive Athletin und damalige Präsidentin des Vereins Athleten Deutschland war ihr Terminkalender randvoll – während in der Hauptstadt gefeiert wurde, vertrat sie deutsche Bundeskader-Sportlerinnen und -Sportler auf der Sportministerkonferenz. Mit dem Ende ihrer Amtszeit 2025 und dem Ausklingen ihrer großen internationalen Karriere bleibt nun mehr Raum für andere Herzensprojekte.
Zu einem solchen Projekt zählt auch ihre neue Aufgabe am Stützpunkt Stuttgart, wo sie für den Deutschen Volleyball-Verband in der Nachwuchsarbeit eingebunden ist. Bereits im zweiten Jahr bestreitet sie gemeinsam mit der jungen Spielerin Victoria O’Hara Turniere und gibt ihre Erfahrung unmittelbar weiter. Borger erinnert sich gut daran, wie warmherzig sie selbst einst als Talent im Hallenvolleyball von den älteren Spielerinnen aufgenommen wurde – ein Gefühl, das sie nun zurückgeben möchte.
Leistungssport bleibt damit ein Teil ihres Lebens, wenn auch nicht mehr auf dem Niveau, das eine Olympiavorbereitung verlangt. Dafür gibt es jetzt Zeit für Momente wie diesen am Bostalsee – einen vielbejubelten Besuch bei den Special Olympics Nationalen Spielen im Saarland, der mehr war als ein Termin im Botschafterkalender.




















