Symbolbild

Pflegekräfte im Saarland melden sich deutlich häufiger krank und gehen öfter gesundheitsbedingt in Frührente als der Durchschnitt der übrigen Beschäftigten im Land. Das zeigt der Pflegereport der BARMER, den Forscher der Universität Bremen für die Krankenkasse erstellt haben. „Das Saarland hätte auf einen Schlag rechnerisch 350 Pflegekräfte mehr, wenn Beschäftigte in der Pflege genauso gesund wären wie die übrigen Beschäftigten im Land. Das Land und die Arbeitgeber können für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege sorgen“, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Dazu würden eine angemessene Vergütung sowie möglichst planbare und familienfreundliche Arbeitszeiten gehören. 

Laut Report waren 10,1 Prozent der saarländischen Altenpflegehilfskräfte im Mittel der Jahre 2016 bis 2018 krankgeschrieben. Das bedeutet, dass in diesem Zeitraum an einem durchschnittlichen Kalendertag von 1.000 Altenpflegehilfskräften im Saarland 101 arbeitsunfähig gemeldet waren. Dieser Wert liegt 75 Prozent über dem Krankenstand (5,7 Prozent) der übrigen Berufe im Saarland im Auswertungszeitraum. Er ist der höchste Wert im Vergleich aller Bundesländer. Auch der Krankenstand der saarländischen Krankenpflegehilfskräfte (9,7 Prozent), Altenpflegefachkräfte (8,3 Prozent) und Krankenpflegefachkräfte (7,5 Prozent) liegt deutlich über dem Landesmittel der übrigen Berufe für die Jahre 2016 bis 2018.

Pflegekräfte gehen oft in Frührente

Wie gesundheitsbelastend Pflege ist, zeigt auch die hohe Quote von Beschäftigten in Pflegeberufen, die nicht bis zur Altersrente durchhalten. So gingen im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2018 von 1.000 Krankenpflegehilfskräften im Saarland rund elf in die Erwerbsminderungsrente (1,05 Prozent). Von den Erwerbstätigen in den sonstigen Berufen waren es nur drei (0,32 Prozent). Auch saarländische Krankenpflegefachkräfte (0,39 Prozent) und Altenpflegefachkräfte (0,37 Prozent) gingen vergleichsweise oft gesundheitsbedingt in Frührente. Kleis sagt: „Arbeitgeber in der Pflege müssen ihr Engagement beim betrieblichen Gesundheitsmanagement ausbauen. Übungen zur Vorbeugung von Rückenschmerzen sowie Kursen gegen Stress und psychische Belastung sollte mehr Raum gegeben werden.“

Nach den Worten von Kleis hat die Corona-Pandemie die Arbeitsbedingungen in der Pflege verschärft: „Hygieneschutzmaßnahmen und die Versorgung von Heimbewohnern in Quarantäne haben für das Pflegepersonal Mehraufwand bedeutet. Pflegebedürftige konnten nur eingeschränkt oder gar keinen Besuch empfangen, was diese oft depressiv verstimmt hat.“ Die resultierenden Mehrbelastungen hätten mit einer pandemiebedingt verringerten Personaldecke gestemmt werden müssen. „Auch die psychische Belastung der Pflegekräfte ist gestiegen. Hierzu tragen die Konfrontation mit schweren Krankheitsverläufen und dramatischen Todesfällen sowie die Angst vor Ansteckung bei“, meint Kleis. Schon ohne Corona-Pandemie sei die Arbeitsbelastung der Pflegekräfte hoch gewesen.

Gesundheit von Heim-Beschäftigten leidet körperlich und psychisch

Datenauswertungen der BARMER liefern Hinweise darauf, dass besonders Beschäftigte in Alten- und Pflegeheimen unter der Arbeitsbelastung leiden. So waren Beschäftigte in Heimen im Jahr 2019 im Saarland 31,1 Tage arbeitsunfähig zuhause. Der Landesdurchschnitt aller Erwerbspersonen lag dagegen bei nur 20,7 Arbeitsunfähigkeitstagen. Sehr hoch sind dabei die Fehlzeiten in der Belegschaft saarländischer Heime wegen psychischer Leiden wie zum Beispiel Depressionen. Seelische Erkrankungen sorgten bei Heimmitarbeitern für durchschnittlich 8,6 Krankentage. Im Landesmittel waren Erwerbspersonen nur 4,3 Tage arbeitsunfähig infolge psychischer Leiden.

Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems wie Rückenschmerzen sind mit durchschnittlich 5,8 Arbeitsunfähigkeitstagen ein weiterer Hauptgrund für die hohen Fehlzeiten von Beschäftigten in Heimen im Saarland im Jahr 2019. Dieser Wert übertrifft den Landesdurchschnitt aller Erwerbspersonen von 4,6 Krankentagen. Kleis sagt: „In den Pflegeberufen ist eine Aus- und Weiterbildungsoffensive zwingend nötig. Der Gesetzgeber hat mit der Konzertierten Aktion Pflege, die bis zum Jahr 2023 einen deutlichen Zuwachs an Ausbildungsplätzen vorsieht, einen wichtigen Schritt gemacht.“ Allerdings richte sich der Fokus dabei nur auf Pflegefachkräfte. Das reiche nicht aus: „Die Pflegedienste und -heime müssen verstärkt auch Ausbildungsplätze für Pflegehilfskräfte anbieten.“

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