Künftige Pflegefachkräfte, angehende Ärztinnen und Ärzte, Physiotherapie-Azubis und Medizinstudierende lernen am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) ab sofort gemeinsam am Krankenbett. Möglich macht das eine neue interprofessionelle Ausbildungsstation, kurz IPSTA, die in der Homburger Klinik für Neurochirurgie eröffnet wurde. Der Grundgedanke: Wer später im Beruf eng zusammenarbeitet, sollte diesen Austausch schon während der Ausbildung üben.
Für das UKS ist es bereits die zweite Station dieser Art. „Mit der Eröffnung erreichen wir einen weiteren großen Meilenstein am UKS“, sagt Serhat Sari, Pflegedirektor und Vorstandsmitglied des Klinikums. Im Mittelpunkt stünden dabei die Patientinnen und Patienten. Um ihnen die bestmögliche Versorgung zu bieten, brauche es bestens ausgebildetes Personal – genau das wolle man mit Angeboten wie der IPSTA sicherstellen.
Konkret handelt es sich um eine eigenständige Station mit sechs Betten, die rund um die Uhr läuft. Mindestens eine ausgebildete Pflegefachkraft ist stets vor Ort, hinzu kommt die stationsärztliche Betreuung. Werktags steht tagsüber zusätzlich eine eigens freigestellte Praxisanleitung bereit, die den Nachwuchs direkt bei der Arbeit begleitet. Das erläutert Martin Klotz, Pflegedienstleitung des Neurozentrums, der das Projekt von Beginn an mitgetragen hat.
Damit die Lernenden ein möglichst breites Spektrum an Krankheitsbildern erleben, werden passende Patientinnen und Patienten gezielt auf die Station gelegt. Als Normalstation versorgt die IPSTA allerdings keine Intensivfälle mit besonderem Betreuungsbedarf. Für Klotz ist das Modell ein Gewinn für alle Seiten: „Es steht immer jemand zur Verfügung, der Fragen beantworten oder praktisch anleiten kann. Man kann auf der IPSTA viel lernen, Gelerntes anwenden und vertiefen, ebenso ist die Lernqualität extrem hoch.“
Dass der berufsübergreifende Ansatz funktioniert, habe sich bereits bei der ersten interprofessionellen Ausbildungsstation in der Kinderklinik des UKS gezeigt. Angesprochen werden mehrere Gruppen: Assistenzärztinnen und -ärzte, Auszubildende aus Pflege und Physiotherapie, Medizinstudierende im Praktikum sowie ausländische Pflegefachkräfte während ihrer Anerkennungsphase. Weil mehr Personal auf der Station arbeitet, profitieren auch die Behandelten – sie werden besonders engmaschig und umfassend betreut.
Auch für die Klinikleitung ist das Projekt mehr als eine organisatorische Neuerung. „Unser Fachgebiet ist extrem vielseitig und spannend, aber auch anspruchsvoll“, sagt Prof. Dr. Joachim Oertel, Direktor der Klinik für Neurochirurgie. Auf der Station lasse sich das Fachpersonal gut ausbilden und für die Disziplin begeistern. Für ihn ist die IPSTA ein wichtiger Baustein, um die neurochirurgische Versorgung am UKS langfristig zu sichern – denn Nachwuchs lasse sich am besten in der Praxis vor Ort gewinnen.
Den interprofessionellen Austausch hält Oertel gerade auch für den ärztlichen Nachwuchs für zentral: „Eine gute Versorgung unserer Patientinnen und Patienten setzt eine gute Zusammenarbeit voraus. Das können die Assistenzärztinnen und -ärzte der Neurochirurgie auf der IPSTA sehr gut trainieren.“ Die junge Medizinerinnen und Mediziner begleitet die UKS-Neurochirurgin Aline Barthels engmaschig, sowohl fachlich als auch beim Zusammenspiel der Berufsgruppen. Die Beteiligten sind sich einig, dass das Angebot auch künftig weiter ausgebaut und verfeinert werden soll.



















