Zwölf Minuten genügten, um eine ganze Stadt auszulöschen. Am Abend des 14. März 1945 warfen alliierte Bomber rund 800 Tonnen Sprengbomben über der Zweibrücker Altstadt ab – danach existierte das historische Zentrum praktisch nicht mehr. 83 Prozent der Bausubstanz lagen in Trümmern. Ein amerikanischer Kriegsberichterstatter beschrieb den Anblick später mit den Worten, die Stadt habe aufgehört zu bestehen. Nun, 81 Jahre danach, rufen mehrere Institutionen und Vereine gemeinsam dazu auf, an dieses Datum zu erinnern – und daraus eine Verpflichtung für die Gegenwart abzuleiten.
Der Luftangriff kurz nach 20 Uhr sollte den amerikanischen Vormarsch über den Westwall vorbereiten, der als eine der letzten Barrieren auf dem Weg zur Befreiung Deutschlands von der nationalsozialistischen Diktatur galt. Obwohl bereits im Spätjahr 1944 eine Evakuierung angeordnet worden war, hielten sich zum Zeitpunkt des Bombardements noch etwa 3.000 Menschen in Zweibrücken auf. Dass die Zahl der Todesopfer mit rund 90 vergleichsweise gering blieb, verdankten die Bewohnerinnen und Bewohner vor allem dem großen Luftschutzkeller im Himmelsberg. Als sie nach dem Angriff aus Bunkern und Kellern ins Freie traten, fanden sie ihre Heimatstadt in Schutt und Asche vor – eine bittere Widerlegung des Versprechens von Gauleiter Josef Bürckel, der noch fünf Jahre zuvor verkündet hatte, die Heimat werde nach dem Krieg schöner sein als zuvor.
Die Zerstörung war grausam, doch sie fiel nicht vom Himmel im übertragenen Sinne: Sie war die Konsequenz von zwölf Jahren nationalsozialistischer Gewaltherrschaft. Gleichzeitig markierte das Ende der alten Stadt den Anfang eines Neubeginns. Viele Zweibrückerinnen und Zweibrücker kehrten nach Kriegsende aus der Evakuierung zurück und stemmten mit bemerkenswertem Engagement den Wiederaufbau – Stein für Stein, Straße für Straße.
Am 81. Jahrestag der Bombardierung laden nun der Ökumenische Arbeitskreis, dem die Evangelische Kirche, die Katholische Kirche und die Evangelisch-methodistische Kirche angehören, gemeinsam mit dem Historischen Verein Zweibrücken, dem Bündnis Buntes Zweibrücken und der Stadtverwaltung zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung ein. Die Botschaft ist klar formuliert: Erinnern bedeutet Verantwortung. Wer sich an die Schrecken der Vergangenheit erinnert, muss sich aktiv für die demokratische Grundordnung einsetzen, damit ein Leben in Freiheit, gegenseitiger Achtung und Wertschätzung der gesellschaftlichen Vielfalt auch künftig gelingen kann.
Die Veranstaltung setzt bewusst auf ein breites Bündnis aus Kirchen, Zivilgesellschaft und Kommune. Begrüßt werden die Gäste von Ingrid Sartory und Dr. Gertrud Schanne-Raab vom Bündnis Buntes Zweibrücken. Musikalisch begleitet der Chor des Hofenfels-Gymnasiums das Gedenken – ein Zeichen dafür, dass die Erinnerung an die jüngere Generation weitergegeben wird.
Das Motto „Nie wieder!“ ist dabei mehr als eine Formel. Es richtet sich gegen jede Form von Gewalt, Ausgrenzung und Demokratiefeindlichkeit und steht für ein Bekenntnis zu Frieden, Diversität und Toleranz. Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte vielerorts unter Druck geraten, verleiht das gemeinsame Gedenken in Zweibrücken dieser Haltung eine konkrete, greifbare Form. Die Veranstalter laden alle Bürgerinnen und Bürger ein, sich diesem Zeichen am Samstag, den 14.März 2026, um 12:30 Uhr auf dem Hallplatz in Zweibrücken anzuschließen.




















