Symbolbild Foto: Stephan Bonaventura
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Es ist das wichtigste Zahlenwerk des Jahres, und doch ist es für viele Bürger ein Buch mit sieben Siegeln: Der städtische Haushalt. In seiner jüngsten Sitzung hat der Homburger Stadtrat nun das Budget für das Jahr 2026 verabschiedet. Mit einem Gesamtvolumen von 136,7 Millionen Euro setzt die Kreisstadt ein deutliches Zeichen für Stabilität und Zukunftsinvestitionen – doch hinter den Kulissen ziehen sich die finanziellen Gewitterwolken bedrohlich zusammen.

Wer am Dienstagabend die Debatte im Stadtrat verfolgte, spürte die Erleichterung über ein einstimmiges Votum bei lediglich vier Enthaltungen. Im Kern der Botschaft steht ein Versprechen an die Homburgerinnen und Homburger: Trotz massiv steigender Kosten verzichtet die Stadt auf die Erhöhung der Realsteuern. Grund- und Gewerbesteuer bleiben stabil.

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Oberbürgermeister Michael Forster fand deutliche Worte für diesen Kurs: „Verzicht auf Steuererhöhungen ist ein wichtiges Signal, dass wir die Hausaufgaben mit Blick auf Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit gemacht haben“, so der Verwaltungschef. In Zeiten, in denen viele Kommunen im Saarland unter dem Druck der Haushaltsnotlage die Hebesätze nach oben schrauben, geht Homburg einen anderen Weg.

Doch Sparen allein baut keine Schulen und saniert keine Straßen. Der Haushalt 2026 ist auch ein massives Investitionsprogramm. Insgesamt 26,6 Millionen Euro nimmt die Stadt in die Hand, um die Infrastruktur fit für die Zukunft zu machen. Die Schwerpunkte liegen auf der Verbesserung der Bildungseinrichtungen, der kommunalen Infrastruktur sowie dem Brand- und Katastrophenschutz.

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Die finanzielle Zange: Warum die Zukunft Sorgen bereitet

Trotz der positiven Nachrichten ist die fachliche Lage der Stadtkasse hochgradig angespannt. Homburg befindet sich in einer Art finanziellen Zange. Auf der einen Seite sinken die Zuweisungen aus dem kommunalen Finanzausgleich massiv, während auf der anderen Seite die Kosten explodieren, auf die die Stadt kaum Einfluss hat – allen voran die Kreisumlage mit fast 43 Millionen Euro.

Zusammen mit hohen Personalkosten von knapp 34 Millionen Euro und Sachkosten von 22 Millionen Euro entsteht ein reales Defizit. Der Finanzhaushalt weist am Ende ein sattes Minus von 11,5 Millionen Euro aus. Forster warnte daher eindringlich davor, dass Homburg – wie alle anderen Kommunen auch – auf Sicht deutlich mehr Geld benötigt.

2027: Das Ende der Schonfrist?

Blickt man hinter die nackten Zahlen des Jahres 2026, wird die Lage kritisch. Fachlich betrachtet ist dieser Haushalt ein Drahtseilakt, der nur noch durch die Nutzung aller Spielräume des Saarlandpaktes funktioniert. Während die Stadt 2026 die strukturelle Defizitobergrenze gerade noch einhält, zeigen die Prognosen für die Folgejahre ein düsteres Bild.

Hintergrund: Das Grundprinzip kommunaler Finanzen (Klick mich)
Das Finanzsystem einer Stadt gleicht einem großen Gemeinschaftskonto, das sich aus verschiedenen Quellen speist. Die wichtigsten Einnahmen sind lokale Steuern wie die Gewerbe- und Grundsteuer sowie Anteile an der Einkommensteuer, die der Staat an die Kommunen zurückgibt. Da diese Mittel oft nicht ausreichen, zahlt das Land zusätzliche Zuweisungen. Ein erheblicher Teil dieser Gelder fließt jedoch als „Kreisumlage“ direkt an den Landkreis ab. Dieser übernimmt damit übergreifende Aufgaben wie die Jugendhilfe oder den öffentlichen Nahverkehr, die für eine einzelne Stadt allein zu groß wären. Wirtschaftlich starke Kommunen tragen hierbei die höchste Last, was ihren Spielraum für freiwillige Projekte vor Ort einschränkt.

Auf der Ausgabenseite stehen neben der Kreisumlage vor allem die Personalkosten für Kitas und Verwaltung sowie Sachkosten für den Betrieb der Infrastruktur, etwa für Schulen oder Straßenbeleuchtung. Da ein Großteil dieser Leistungen gesetzlich vorgeschrieben ist, bleibt für „Extras“ oft nur wenig Spielraum. Eine verantwortungsvolle Haushaltsführung muss daher die Balance finden: Sie erfüllt die Pflichtaufgaben und investiert in die Zukunft, ohne die Bürger durch immer höhere Steuersätze zu belasten. Es gilt das Prinzip der Sparsamkeit, um trotz knapper Kassen handlungsfähig zu bleiben.

Besonders im Saarland wird dieser Rahmen durch den „Saarlandpakt“ ergänzt. Dieses Prinzip ermöglicht es Kommunen, trotz schwieriger Finanzlage Kredite für wichtige Investitionen in Schulen oder Straßen aufzunehmen. Im Gegenzug unterwerfen sie sich einer strengen staatlichen Aufsicht und verpflichten sich zur Defizitbegrenzung. So wird sichergestellt, dass notwendige Modernisierungen stattfinden können, während gleichzeitig die langfristige Schuldenbremse gewahrt bleibt.

Sollte sich an der grundlegenden Finanzausstattung durch Land und Bund nichts ändern, steuert Homburg ab 2027 auf eine Sackgasse zu. Wenn die Zuweisungen weiter sinken und die Pflichtausgaben steigen, wird die Stadt gezwungen sein, entweder radikal Leistungen zu kürzen oder die Einnahmen massiv zu erhöhen. Das bedeutet im Klartext: Steuererhöhungen könnten ab 2027 kaum noch abwendbar sein, wenn die strukturelle Unterfinanzierung nicht gelöst wird.

Ein Balanceakt mit Ablaufdatum

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Der Haushalt 2026 ist somit ein „Haushalt der Verantwortung mit Ablaufdatum“. Die Stadtverwaltung unter Michael Forster und Kämmerer Michael Braß hat es geschafft, ein Budget vorzulegen, das die Bürger heute schont und gleichzeitig wichtige Zukunftsprojekte anstößt. Doch das „Damoklesschwert“ der Unterfinanzierung schwebt über der Stadt. Ein wichtiger Rettungsanker bleibt das „Sondervermögen Infrastruktur“ (LuKIFG), aus dem Homburg über zwölf Jahre 21,8 Millionen Euro erhält – doch auch dies ist nur ein Pflaster auf einer tiefen strukturellen Wunde. Homburg bleibt für den Moment handlungsfähig, doch der politische Spielraum wird von der harten Finanzrealität immer enger geschnürt.

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