Machen auf die Aktion aufmerksam: Kathrin Gödtel, Ortvorsteherin Irene Kaiser, Alexander Schneider und Magaretha Zboch Foto: G. Faragone
Anzeige

Vor dem Haupteingang des St. Ingberter Rathauses stecken seit wenigen Tagen frische Vergissmeinnicht-Setzlinge in der Erde – gepflanzt als stilles, aber wirkungsvolles Signal. Die Aktion, die jedes Jahr im März stattfindet, will Demenz als gesamtgesellschaftliches Thema sichtbar machen und richtet sich an alle, die im Alltag daran vorbeigehen: Bürgerinnen und Bürger, Angehörige, Pflegekräfte, Passanten.

Organisiert wird die Pflanzaktion von der Landesfachstelle Demenz e.V. in Zusammenarbeit mit dem saarländischen Sozialministerium. In zahlreichen Städten und Gemeinden des Landes kommen dabei Vergissmeinnicht in den Boden – die kleinen blauen Blüten stehen symbolisch für Erinnerung, Solidarität und Mitgefühl. „Mit dieser Aktion möchten wir das Thema Demenz stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Die Diagnose verändert das Leben der Betroffenen und ihrer Familien grundlegend. Dennoch ist ein gutes und erfülltes Leben auch mit Demenz möglich – genau dafür steht diese Initiative“, sagte Ortsvorsteherin Irene Kaiser bei der Pflanzung in St. Ingbert.

Anzeige

Gemeinsam mit Kaiser griffen auch Margaretha Zboch als Vertreterin der Landesfachstelle Demenz sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung und des städtischen Baubetriebshofs zur Schaufel. Links neben dem Rathauseingang setzten sie die Pflanzen in die Erde und machten so den öffentlichen Raum zum Träger einer Botschaft, die über das Dekorative weit hinausgeht. Zboch, die als Ansprechpartnerin im Netzwerk Demenz fungiert, ordnete die Aktion in einen größeren Rahmen ein: „Im Rahmen der bundesweiten Sensibilisierungskampagne setzen wir ein besonderes Zeichen in jeder Stadt so wie hier in St. Ingbert.“

Die Zahlen unterstreichen, wie drängend das Thema ist. Im Saarland sind fast zehn Prozent der Bevölkerung von einer Demenzerkrankung betroffen – eine Quote, die angesichts der demografischen Entwicklung weiter steigen dürfte. Hinter jeder Diagnose stehen Familien, die ihren Alltag neu organisieren müssen, die pflegen, begleiten und dabei selbst Unterstützung brauchen. Emotionale Entlastung ist dabei ebenso gefragt wie konkrete Hilfsangebote, von Beratungsstellen bis hin zu Tagespflegeplätzen.

Anzeige

Genau hier setzt die Vergissmeinnicht-Aktion an: Sie will nicht nur informieren, sondern eine Haltung fördern. Wer die blauen Blüten vor dem Rathaus sieht, soll daran erinnert werden, dass Menschen mit Demenz zur Gesellschaft gehören und nicht an deren Rand gedrängt werden dürfen. Es geht um Wertschätzung im täglichen Umgang, um Geduld an der Supermarktkasse, um Nachbarschaftshilfe, die nicht erst beim Pflegegrad beginnt.

Anzeige

Sobald die Setzlinge in den kommenden Wochen aufblühen, werden sie das Stadtbild vor dem Rathaus mit einem dezenten Blau bereichern. Für St. Ingbert ist das mehr als Gartenpflege – es ist ein öffentliches Bekenntnis zu Zusammenhalt und Respekt gegenüber jenen, die auf das Gedächtnis der Gemeinschaft angewiesen sind, weil ihr eigenes sie zunehmend im Stich lässt.

Anzeige