Foto: Stephan Bonaventura

Football boomt in Deutschland: So haben dieses Jahr beispielsweise über zwei Millionen Deutsche in der Nacht beim Finale der amerikanischen Football-Liga NFL mitgefiebert. Auch in Homburg wurde mit den Saarpfalz Celtics nun ein Team ins Leben gerufen. HOMBURG1 war beim Training dabei und hat sich mit den beiden Initiatoren unterhalten.

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„Celtics!“ schallt es über den sonnenüberfluteten Rasen. Neugierige Blicke. Das ein oder andere Handy wird auch schon gezückt, um einen Schnappschuss von der Männergruppe zu machen, die da im schönsten Sommerwetter ihre Arbeit verrichtet. Denn genau das scheint es zu sein, was die rund zwei Dutzend Menschen hier machen: harte, schweißtreibende Arbeit.

Und das ist es in gewisser Weise auch, denn die Männer, die heute auf dem malerisch am Waldrand gelegenen Gelände der SG Erbach zugange sind, haben in dem Metier noch nicht die allzu große Erfahrung. Kein Wunder, in den letzten Jahren gab es schließlich in der Saarpfalz keinen Verein, der den Sport anbietet, dessen Beliebtheit immer mehr über den großen Teich nach Deutschland schwappt: American Football.

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Dass es mit den Saarpfalz Celtics nun ein Football-Team in Homburg gibt, liegt vor allem am Engagement von Sebastian Gestel und Benny Titt, die sich im vergangenen Jahr dazu entschlossen haben, ein solches zu gründen. „Aus einer Laune heraus“, wie Titt sagt, der selbst zuvor erst zwei Jahre Erfahrung als Football-Spieler auf dem Buckel hatte. Was in Deutschland ohnehin schon eine Herausforderung ist – Stichwort Bürokratie – war in Corona-Zeiten noch einmal eine Schippe schwieriger. „Zunächst ging eigentlich alles nur über Mail und Smartphone“, erzählt sein Kompagnon Gestel. „Teilweise hatte ich Wochen, in denen das Handy permanent geklingelt hat“, ergänzt der 32-jährige Titt.

Sebastian Gestel und Benny Titt von den Saar-Pfalz Celtics. – Foto: Stephan Bonaventura

Was stressig klingt, bedeutet aber auch, dass die Resonanz sehr groß war. Sowohl von Vereinsseite als auch von potentiellen Spielern. Bevor mit denen jedoch die ersten Planungen gemacht werden konnten, musste erst ein Platz gefunden werden. Gar nicht so einfach, schließlich muss dieser mindestens 90 Meter messen. Doch auch ein anderes Kriterium war wichtig. „Das Umfeld des Platzes war ebenso entscheidend, weil es beim Football doch etwas lauter ist und wir keinen Ärger mit potentiellen Nachbarn haben wollten“, schildert Titt, worauf die beiden bei der Auswahl der zukünftigen Heimstätte geachtet haben. Am Ende wurde es schließlich der traditionsreiche Sportplatz „An der Eichheck“, auf dem die SG Erbach beheimatet ist.

So wählerisch man bei der Suche nach der neuen Heimat war, so offen sind die Saarpfalz Celtics für Neuzugänge. „Wir haben jetzt über 40 Spieler, es sollen aber auf Sicht um die 100 werden“, so Titt. Dabei ist jeder erwünscht, auch was das Alter anbelangt. Derzeit ist der älteste „Celtic“ 43, der jüngste 16. „Spielen lassen wir jemanden aber erst, wenn er 18 ist“, unterstreicht Titt.

Foto: Stephan Bonaventura
Foto: Stephan Bonaventura

Aber diese Fragen stellt sich vorerst ohnehin noch nicht, denn die ersten Ligaspiele sind erst für 2023 geplant. Dann soll es in einer Aufbauliga losgehen. Vorerst wartet jedoch noch jede Menge Arbeit auf das Team, schließlich hat rund die Hälfte des Kaders noch nie Football gespielt. Und jeder, der schon einmal ein Spiel gesehen hat, weiß, dass bei diesem Sport ohne die entsprechende Physis wenig geht. Deshalb stehen derzeit in erster Linie Fitnessübungen auf dem Programm. Angeleitet von den eher Erfahrenen, sollen die sogenannten „Rookies“ erst die Voraussetzungen erarbeiten, um im Spielbetrieb bestehen zu können. Erst „nach und nach“ würden laut Titt auch die Spielformen in den Mittelpunkt gerückt.

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Dabei ist den beiden jedoch spürbar wichtig, dass auf und neben dem Platz Gleichberechtigung herrscht. „Hier wird niemand ausgelacht, wenn er vielleicht etwas nicht so gut kann“, betont der 37-jährige Gestel. „Die Unerfahrenen werden außerdem genauso behandelt wie diejenigen, die schon viele Jahre Football spielen.“ Jeder auf und neben dem Platz sei wichtig. Auch für die, die spüren, dass diese harte Sportart doch nichts für sie ist, gebe es bei den Saarpfalz Celtics genug zu tun. „So müssen wir zum Beispiel früher oder später auch Schiedsrichter in die Ausbildung schicken.“

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Außerdem möchte der Verein auch gesellschaftlich aktiv sein. „Wir haben schon mit der Stadt gesprochen und haben vor, in Zukunft bei den in Homburg stattfindenden Festen präsent zu sein“, so Gestel. „Aber auch das Vereinsleben vor Ort ist für uns sehr wichtig.“ Deutlich wird: Die Saarpfalz Celtics wollen sich in Homburg etablieren. Doch dafür benötigt es weiter harte Arbeit und viel Durchhaltewillen. So wie beim Training. Da machen alle Liegestütze, wenn jemandem ein Fehler unterläuft. Und im Anschluss dröhnt noch einmal ein lautes „Celtics“ über die Eichheck. Zusammenhalt stärken ist die Devise. Das mit dem Schlachtruf klappt schon mal nicht schlecht.

Trainingsfilm Saarpfalz Celtics:

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