Die jüngste Kritik der Industrie- und Handelskammer Saarland an der Baustellenkoordination auf der A 620 versteht die FDP Saar als nachträgliche Bestätigung ihrer eigenen Warnungen. Schon im März hatten die Liberalen ein Beschleunigungsprogramm für die Sanierung der zentralen Verkehrsachse gefordert und auf die wirtschaftlichen wie sozialen Folgen einer überlangen Bauphase hingewiesen. Nun, da Pendler im Dauerstau stehen und Unternehmen über Lieferprobleme klagen, fühlt sich die Partei in ihrer Position bekräftigt.
Landesvorsitzende Angelika Hießerich-Peter formuliert es deutlich: „Wer eine zentrale Verkehrsachse wie die A 620 über Jahre hinweg einschränkt, braucht ein überzeugendes Konzept zur Beschleunigung der Bauarbeiten und zur Entlastung von Pendlern, Unternehmen und Anwohnern.“ Die Rückmeldungen der IHK zeigten, dass aus einem Verkehrsproblem längst ein Standortproblem geworden sei. Stockender Lieferverkehr, ausbleibende Kunden und steigende Kosten beträfen den Wirtschaftsstandort Saarland in seinem Kern.
Ihre Vorschläge hat die FDP Saar bereits vor Monaten auf den Tisch gelegt: Prämien für eine schnellere Fertigstellung, die frühzeitige Einbindung der Bauwirtschaft, eine moderne Verkehrssteuerung und vor allem eine bessere Abstimmung der zahlreichen parallel laufenden Baumaßnahmen im Land. Gefordert wird ein Baustellenmanagement, das nicht jeden Abschnitt isoliert betrachtet, sondern die Leistungsfähigkeit des gesamten Verkehrsnetzes im Auge behält.
Eine zweite Dimension bringt der gesundheitspolitische Sprecher Dr. Helmut Isringhaus ins Spiel. Für ihn ist die A 620 weit mehr als eine Pendlerstrecke. Sie sei „auch Teil der medizinischen Erreichbarkeit im Saarland“. Wenn schlecht koordinierte Baustellen regelmäßig zu kilometerlangen Staus führten, treffe das ebenso Patienten, Krankentransporte, Pflegedienste und im Ernstfall den Rettungsdienst.
Besonders kritisch sieht Isringhaus die einspurigen Abschnitte mit Betonbegrenzung. Wer dort bei einer Vollsperrung feststecke, sitze fest – ohne Wendemöglichkeit, ohne Ausfahrt, mitunter über Stunden. „Für Kranke, Pflegebedürftige oder Menschen auf dem Weg zu einer dringenden Behandlung kann das gefährlich werden“, warnt er. Betroffen seien Fahrten zur Dialyse, zur Chemotherapie, zur Bestrahlung, zu Operationen oder Kontrollterminen, ebenso Verlegungen zwischen Krankenhäusern und Entlassfahrten aus Kliniken.
Auch die ambulante Pflege gerät unter Druck. Stecken Pflegekräfte im Stau, verzögern sich Medikamentengaben, Insulingaben oder die Wundversorgung. Selbst die alltägliche Hilfe beim Aufstehen kann zur logistischen Hürde werden, wenn die Tourenplanung durch eine Vollsperrung zusammenbricht.
Die FDP Saar fordert deshalb neben der Beschleunigung der Bauarbeiten ein verbindliches Notfall- und Räumungskonzept für Baustellen auf zentralen Verkehrsachsen. Dazu zählen rasch verfügbare Abschlepp- und Bergungskapazitäten, vorbereitete Zufahrten und klar definierte Zuständigkeiten zwischen Autobahn GmbH, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Land und Kommunen. Hinzu kommen sollen bessere Echtzeitinformationen für Leitstellen, Kliniken und größere Pflegedienste.
Bei längeren einspurigen Abschnitten mit Betonbarrieren brauche es Notöffnungen, Wendemöglichkeiten oder andere technische Lösungen. Auch Umleitungsstrecken müssten so geplant werden, dass sie für Rettungsfahrzeuge, Krankentransporte und Pflegefahrzeuge tatsächlich praktikabel bleiben – nicht nur auf dem Papier.
Hießerich-Peter zieht ein klares Fazit: „Infrastruktur muss saniert werden. Aber sie muss so saniert werden, dass das Saarland erreichbar bleibt.“ Landesregierung, Autobahn GmbH und Kommunen müssten Bauzeiten verkürzen, Maßnahmen besser koordinieren und Rettungswege von Anfang an verbindlich mitplanen. Baustellenmanagement, so ihr Schlusssatz, sei „eine Frage von Wirtschaftskraft, Sicherheit und Verantwortung“.























