Den Willen und Einsatz kann man der Mannschaft des FC 08 Homburg sicherlich nicht absprechen - aber die Ergebnisse sprechen Bände. Hier: FCH-Stürmer Thomas Gösweiner im Luftduell Foto: FC 08 Homburg

Ratlosigkeit, Enttäuschung und eine gehörige Portion Wut – wer das Nachholspiel des 19. Spieltags zwischen dem FC Homburg und der Zweitvertretung des SC Freiburg verfolgte, dem konnte nicht entgehen, dass mittlerweile nicht mehr nur bei den Anhängern des FCH die Nerven blank liegen. Während und nach der vollkommen verdienten 1:3-Niederlage entlud sich auch bei den Spielern der ganze Frust über die endlos scheinende Negativserie. Unmittelbar nach der Partie zog der Verein folgerichtig die Reißleine und beurlaubte Trainer Matthias Mink.

„Das war einfach scheiße, was wir gespielt haben“, platzte es aus Innenverteidiger Stefano Maier nach dem Spiel heraus. „Genauso scheiße, wie in den letzten Wochen.“ Solch klare Worte sind heutzutage bei Profifußballern in der Öffentlichkeit nur noch sehr selten zu vernehmen. Umso  mehr zeigen sie, wie sehr die schwachen Leistungen auch den Spielern selbst an die Nieren gehen. Positiv lässt sich sagen, dass der Mannschaft die Lage offenkundig nicht egal ist. Anderseits stehen diese Aussagen aber auch für die Ratlosigkeit, die im Verein zunehmend um sich greift. Diese spiegelte sich auch im Statement Maiers, der keine wirkliche Erklärung für den Auftritt der Grün-Weißen hatte. „Wir haben einfach die erste Hälfte vergeigt und haben nicht so gespielt, wie man gegen ein solches Team spielen muss.“ Konkret meinte der 28-Jährige die Verzagtheit, die das Homburger Spiel vor allem in der ersten Hälfte prägte, und die gerade gegen eine junge, technisch versierte Ausbildungsmannschaft oftmals tödlich ist. 

Beispiel 0:1: von links durfte Noah Weißhaupt vollkommen unbedrängt in den Strafraum spazieren und mit einem satten Schuss abschließen. Dieses verheerende Zweikampfverhalten kann in einzelnen Spielen vielleicht passieren; in Homburg zieht es sich jedoch bereits über Monate und eine Verbesserung schien auch in den letzten Partien nicht in Sicht. Auch Mink war am Ende anscheinend ähnlich ratlos wie seine Schützlinge. „Natürlich haben wir vor der Partie darauf hingewiesen, wie man gegen eine solch junge Mannschaft auftreten muss. Aber vor der Halbzeit haben wir das nicht so transportiert, wie man das eigentlich machen müsste.“ 

Für den Beobachter werfen solche Aussagen zwangsläufig die Frage auf, ob der Trainer die Mannschaft noch erreicht. Die Verantwortlichen haben diese nun mit Nein beantwortet, wie die Beurlaubung des Übungsleiters nahelegt. Dabei dürfte vielleicht auch eine Rolle gespielt haben, dass die Leistungen trotz kleiner Erfolgsergebnisse wie Torerfolgen nicht auf Dauer besser wurde. Im Gegenteil, die bekannten Fehler traten immer wieder auf. Das war auch beim Spiel gegen den Sportclub wieder zu beobachten. Zwar kam man nach einem Kopfballtreffer von Thomas Gösweiner zum Ausgleich (28.). Doch in der Folge wurde man offensiv nicht wirklich gefährlicher. Und hinten klingelte es bereits fünf Minuten später wieder. Nach einer Ecke wuchtete Claudio Kammerknecht den Ball in die Maschen des Homburger Kastens. Dass die Mannschaft in der zweiten Hälfte schier unermüdlich versuchte, das Freiburger Tor in Gefahr zu bringen, spricht für die Moral der Mannschaft.

Doch dass bis auf eine Gelegenheit durch Gösweiner nichts dabei herum kam, ist bezeichnend für die vergangenen Wochen. Genauso wie der umstrittene Elfmeter, der verhängt wurde, nachdem der Ball Philipp Schuck aus kurzer Distanz an die Hand geschossen worden war. Emilio Kehrer ließ sich die Chance nicht nehmen und traf zur Entscheidung (82.). Im Grunde hatte man aber schon zuvor nicht das Gefühl, dass der FCH dem Ausgleich wirklich nahe war. Das spürten scheinbar auch die Spieler, bei denen sich nach Fehlpässen vermehrt laute Schuldzuweisungen häuften. Wie frustrierend die Situation nach 10 Punkten aus 11 Spielen für die Mannschaft ist, zeigte dann schließlich Patrick Dulleck noch einmal nach Schlusspfiff, als er einen Gegenspieler anschoss und die Rote Karte sah. 

Auf den bisherigen Co-Trainer Joti Stamatopoulos wartet in seiner neuen Funktion als zumindest vorläufiger Interimstrainer also ein hartes Stück Arbeit, um die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen. Viel Zeit hat er dazu nicht. Schon am Samstag steht das nächste Heimspiel an, wenn der TSV Schott Mainz zu Gast im Waldstadion sein wird. Wenn der FCH nicht endgültig in bedrohliche Gefilde abrutschen soll, ist ein Sieg gegen einen der Abstiegskandidaten Pflicht. Fehlen werden nach seiner Roten Karte Patrick Dulleck und Stefano Maier, der die 5.Gelbe Karte sah. Auch ein Einsatz von Luca Plattenhardt ist nach seiner verletzungsbedingten Auswechselung unwahrscheinlich. Ein MRT soll Aufklärung liefern.           

Vorheriger ArtikelSind Priorisierungen beim Impfen zu rechtfertigen?
Nächster ArtikelVollsperrung: Stadtwerke verlegen Leitungen in der Saarbrücker Straße

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Bitte kommentieren sie.
Bitte geben sie ihren Namen ein.