Oben mitspielen war vor der Saison das Ziel beim FC Homburg. Gemessen an dieser Vorgabe, war die Runde 2020/21 mehr als enttäuschend. Lediglich zu Beginn konnte man für kurze Zeit den Anschluss an die Spitze halten, ab Herbst folgte jedoch ein langer Abwärtstrend – wie so oft in den vergangenen Jahren. Gründe dafür gibt es viele. Auch Corona spielte eine Rolle.

Es war der 11. Spieltag, als der FC Homburg das vielleicht größte Ausrufezeichen der Saison setzte: Mit 6:1 fegte man den VfR Aalen aus dem Waldstadion. Vier Punkte Rückstand hatte man zu diesem Zeitpunkt auf den damaligen Spitzenreiter und heutigen Aufsteiger SC Freiburg II. Im Herbst 2020 war also noch alles drin. Zwar hatte man zuvor den ein oder anderen Punkt unnötig hergeschenkt, doch im Grunde sah es nicht schlecht aus. Trainer Matthias Mink, der nach dem überraschenden Abgang von Ex-Coach Jürgen Luginger verpflichtet worden war, führte die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers anscheinend fort.

Doch nach einem 1:1 beim FSV Mainz 05 schlug die Corona-Keule zu. Mehrere Spiele fielen aufgrund einer Quarantäne-Zwangspause aus. Im Nachhinein lässt sich dieser Schnitt vielleicht als Wendepunkt in der Saison ausmachen, schließlich gelang den Grün-Weißen nach der Zwangspause nicht mehr viel. Doch es wäre zu einfach, den unbefriedigenden Saisonverlauf nur auf diese lange Unterbrechung zu schieben.

Denn dass die Probleme tiefer lagen, war auch in den ersten zehn Spielen der Saison das eine oder andere Mal zu erkennen. Eine 0:3-Niederlage bei Schott Mainz II und die bittere 2:3-Heimpleite im Derby gegen den FK Pirmasens ließen bereits deutlich die große Schwachstelle im FCH-Team vor Augen treten: die Abwehrarbeit.

Und es war beileibe nicht so, dass diese Schwäche vor der Saison nicht bereits bekannt gewesen wäre. Nach den schmerzhaften Abgängen von Leistungsträgern wie Kevin Maek, Maurice Neubauer und mit Abstrichen auch Jan Eichmann, hatte man keinen gleichwertigen Ersatz verpflichtet. Junge Spieler wie Philipp Schuck und Jannis Reuss besitzen zwar Entwicklungspotential, konnten aber die genannten Verluste, zumindest zu diesem Zeitpunkt, nicht ausgleichen. Stattdessen wurden mit Marco Hingerl und Philipp Hoffmann zwei drittligaerfahrene Spieler verpflichtet, die eher im Offensivbereich beheimatet sind. Beim Blick zurück scheint dieses Vorgehen seltsam unausgeglichen.

Denn in der Offensive war man im Sommer 2020 verhältnismäßig gut aufgestellt. Gerade angesichts der finanziellen Zwänge, wäre damals wohl ein ausgewogeneres Vorgehen angebracht gewesen. Dies auch aufgrund der Länge der Runde, die mit 42 Spielen eine der längsten Regionalliga-Saisons war, die jemals gespielt worden ist. Hier muss man auch Ex-Trainer Matthias Mink in die Pflicht nehmen, der nach dem überraschenden Wechsel von Jürgen Luginger zum 1. FC Saarbrücken zwar erst Ende Juli sein Amt antrat, aber nichtsdestotrotz noch Zeit gehabt hätte, Transfers für den Abwehrbereich zu tätigen.

Spätestens mit der Verletzung von Serkan Göcer zu Beginn der Saison zeigte sich dann, wie dünn die Personaldecke der Grün-Weißen in der Hintermannschaft war. Zwar wurde im Oktober reagiert und mit Mart Ristl ein Defensivspieler verpflichtet, doch um eine eingespielte Hintermannschaft zu formieren, kam diese Verstärkung deutlich zu spät. Zu allem Unglück zog sich das Verletzungspech durch die ganze Saison und war mit Sicherheit ein weiterer Grund für den enttäuschenden Saisonverlauf. Auch die langen Ausfälle von Daniel di Gregorio und Tim Stegerer sorgten dafür, dass sich nie eine Stammformation in der Abwehrreihe etablieren konnte.

Folge waren Abstimmungsschwierigkeiten und Unsicherheiten, die immer wieder zu vermeidbaren Gegentoren führten. Dass die Gegner des öfteren auch Treffer der Marke „Tor des Monats“ erzielten, die sich schlichtweg nicht vermeiden lassen, soll hier nur zur Vollständigkeit nicht unerwähnt bleiben. Mit Sicherheit traf hier ebenfalls Ex-Trainer Mink mindestens eine Mitverantwortung, der es nach der langen Corona-Pause nicht schaffte, seine Spieler wieder in den Tritt zu bringen. Zwar wurde in der Winterpause mit Jonas Scholz ein vielversprechender Innenverteidiger verpflichtet, doch wirkliche Stabilität konnte der Neuzugang zunächst nicht in die Mannschaft bringen. Schlimmer noch, man hatte das Gefühl, dass die Spieler von Partie zu Partie verunsicherter auftraten und auch selbst zunehmend nicht mehr an eine Verbesserung unter Mink glaubten.

Nur folgerichtig war die Entscheidung des neuen Präsidiums unter dem 1. Vorsitzenden Eric Gouverneur, der überraschend Herbert Eder nachfolgte, Mink Anfang März zu beurlauben. Wie sich später herausstellen sollte, hatte man mit der Auswahl des Nachfolgers ein glücklicheres Händchen. Denn der als Trainer noch relativ unerfahrene 43-jährige Ex-Profi Timo Wenzel schaffte das, was Mink nicht gelungen war: Er brachte Ruhe in die Mannschaft und dabei vor allem in die Abwehrarbeit. Schon vor der Saison war Wenzel heißer Kandidat auf die Nachfolge von Luginger, doch damals hatten sich die Verantwortlichen bekanntermaßen für Mink entschieden.

Individuelle Patzer und Abstimmungsschwierigkeiten kamen zwar weiterhin vor, doch das Team wirkte bald deutlich stabiler. Und auch bei einzelnen Spielern war eine deutliche Leistungssteigerung zu verzeichnen, so zum Beispiel bei Sachanenko oder auch Reuss, der bis dato kaum eine Rolle gespielt hatte. Ergebnis waren neun Spiele ohne Niederlage nach Amtsantritt des neuen Trainers und eine Bilanz von 30 Punkten in 16 Spielen bei Saisonabschluss. Dazu kam noch ein bemerkenswert starker Auftritt im Pokal-Halbfinale gegen den 1. FC Saarbrücken, das erst im Elfmeterschießen verloren ging.

Zwar sprang trotz dieser guten Bilanz nur Platz 7 heraus – mit deutlichem Abstand zur Spitzengruppe – doch gerade der Saisonendspurt mit Siegen gegen Top-Teams wie Steinbach, Freiburg und Ulm dürfte dem grün-weißen Umfeld Hoffnung machen, dass man in der kommenden Saison vielleicht doch endlich einmal ernsthaft um die Spitze konkurrieren kann. Ein bis dato gutes Zeichen war hier die Verpflichtung des Ex-Saarbrückers Markus Mendler, der mit seinen Dribblings und Standards das Spiel des FCH deutlich bereichern könnte. Dennoch dürfte das Augenmerk auch im kommenden Jahr auf der Defensive liegen, die 2020/21 über weite Strecken äußerst löchrig war. Wenn schon keine Transfers in diesem Bereich geplant sind, könnte zumindest die Rückkehr von Göcer und Stegerer für mehr Handlungsoptionen sorgen. Ob das jedoch für eine erfolgreiche Runde reicht, steht in den Sternen.

Die einzelnen Mannschaftsteile im Fokus:

Tor: Wie in den vergangenen Jahren auch, war Stammkeeper David Salfeld eine echte Bank im Kasten der Grün-Weißen. Tolle Paraden, starke Reflexe und lautstarke Kommandos auf dem Platz – Salfeld spielte wieder eine starke Saison und rettete dem FCH den ein oder anderen Punkt. Der ein oder andere Patzer ist da zu verschmerzen. Mark Redl und Niklas Knichel kamen nur vereinzelt zum Einsatz.

Abwehr: Das Sorgenkind der Mannschaft. Stammspieler der Saison 2019/20 konnten nicht adäquat ersetzt werden und so fehlte es oftmals auch schlicht an der Qualität. Folge waren viele individuelle Fehler, die Punkte kosteten. Darüber hinaus entwickelte sich aufgrund von Verletzungen und Sperren nie eine echte Stamm-Viererkette, was für sichtbare Abstimmungsprobleme in der Hintermannschaft sorgte. Gegen Ende der Saison besserten sich die Leistungen jedoch etwas. Trainer Timo Wenzel scheint hier die richtigen Hebel in Gang gesetzt zu haben, um der Abwehr mehr Sicherheit und Stabilität zu verleihen.

Mittelfeld: Ähnlich wie die Abwehr kristallisierte sich auch hier keine wirkliche Stammformation heraus. Das lag auch daran, dass Daniel di Gregorio aufgrund des Verletzungspechs in der Defensive meist in der Innenverteidigung aushelfen musste. Außerdem verletzte sich Serkan Göcer schon früh in der Saison, was das defensive Mittelfeld noch weiter schwächte. Mit Sicherheit auch ein Grund dafür, wieso die Abwehrarbeit der Grün-Weißen oft zu wünschen übrig ließ. Neuzugang Mart Ristl übernahm eher den defensiven Part, eine Rolle die er über weite Strecken stark spielte, auch wenn diese Position für Außenstehende meist nicht im Fokus liegt. Auch offensiv machte sich gerade das Fehlen di Gregorios bemerkbar. Es fehlte die Schaltzentrale im Mittelfeld, die das Spiel im Normalfall lenken soll. So wirkte das Spiel des FCH nach vorne mitunter nicht zielstrebig genug. Wett gemacht wurde das durch die individuelle Qualität von Spielern wie Philipp Hoffmann und Kapitän Patrick Lienhard, die immer für eine gelungene Aktion gut waren. Gerade Hoffmann spielte eine starke Saison und sorgte beim Gegner mit seiner Schnelligkeit und präzisen Flanken oft für Konfusion im Strafraum. Dagegen fielen Jannik Sommer und Loris Weiss auf der anderen Seiten etwas ab. Zumindest bei Weiss war jedoch unter Wenzel wieder ein leicht positiver Trend zu erkennen.

Sturm: Der Sturm war in dieser Saison zumeist nicht das Problem bei den Grün-Weißen. Nur in fünf Spielen der Mammutsaison blieb man torlos und mit 73 Treffern stellte die Mannschaft ihre Offensivqualität durchaus unter Beweis. Das lag auch an der Variabilität im Angriff. Patrick Dulleck, Damjan Marceta, Marcel Carl und in der Rückrunde Thomas Gösweiner – sie alle machten ihre Treffer, auch wenn manchmal die ein oder andere Chance liegen blieb. Dabei fiel auch die Unterschiedlichkeit der Spielertypen positiv auf. Dulleck ist an guten Tagen einer der spielerisch stärksten Stürmer der Liga, während Gösweiner mit seiner Kopfballstärke und starken Ballbehauptung als Ankerspieler fungieren kann. Carl als kämpferischer Angreifer und der klassische Strafraumstürmer und Marceta brachten ebenfalls ihre Qualitäten mit in die Offensive. Einziger Wermutstropfen ist, dass Gösweiner mit einem Kreuzbandriss bis in den kommenden Winter ausfallen dürfte. Der Abgang von Carl ist verständlich, denn dieser konnte die Erwartungen letztlich nie ganz erfüllen.

 

 

 

 

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