Symbolbild
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Pünktlich zum Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Kanada, den USA und Mexiko meldet sich der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Wort – und plädiert für eine doppelte Perspektive auf das Großereignis. Dr. Thorsten Latzel, zugleich Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, sieht im Turnier eine seltene Gelegenheit, Gemeinschaft über Kontinente hinweg zu erleben. Zugleich mahnt er, den kritischen Blick nicht abzuschalten, sobald der Ball rollt.

„Sport ist eine wunderschöne Gabe Gottes“, sagt Latzel mit Blick auf die kommenden Wochen. Gerade in einer Zeit globaler Verwerfungen besitze ein solches Turnier eine besondere Bedeutung. Es schaffe Berührungspunkte zwischen Menschen, die sich sonst nie begegnen würden. „Fußball stiftet Gemeinschaft über Grenzen hinweg.“ Werte wie Teamgeist, Fairness und Mitmenschlichkeit – aus Sicht des Theologen zutiefst christliche Tugenden – ließen sich kaum anschaulicher erleben als beim gemeinsamen Mitfiebern.

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Doch der Sportbeauftragte belässt es nicht bei der Begeisterung. Mit deutlichen Worten wendet er sich gegen die Vereinnahmung des Turniers durch wirtschaftliche und politische Interessen. „Die WM gehört den Fans – nicht Konzernen, Politikern oder Verbänden“, betont Latzel. Wo der Sport für andere Zwecke instrumentalisiert werde, brauche es Widerspruch und „kreativen Protest“. Einen Widerspruch zwischen ehrlicher Spielfreude und wacher Skepsis gegenüber den Kulissen sieht er nicht – im Gegenteil.

Besonders kritisch beurteilt Latzel die fortschreitende Kommerzialisierung. Die Austragung in drei Ländern bringe erhebliche ökologische Lasten mit sich, das vergrößerte Teilnehmerfeld erhöhe den Druck auf Spielerinnen, Spieler und Fans gleichermaßen. Auch die Ticketpreise hält er für ein Problem, weil sie viele Menschen vom Stadionerlebnis ausschließen. „Die zunehmende Kommerzialisierung bis hin zu künstlichen Spielunterbrechungen widerspricht der eigentlichen Schönheit des Spiels“, so sein Befund.

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Einen Boykott des Turniers lehnt der Präses dennoch klar ab. Er setzt stattdessen auf eine andere Haltung: „Wir sollten Fairness stärken, demokratische Kräfte vor Ort unterstützen und Missstände klar benennen – ohne den Fußball selbst aus dem Blick zu verlieren.“ Wer das Spiel liebe, dürfe sich gerade deshalb nicht damit abfinden, dass es „Autokraten und Geschäftemachern“ überlassen werde.

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Zwischen Glauben und Sport entdeckt Latzel zahlreiche Parallelen. In beiden Sphären gehe es um Haltung, Fairness, Teamgeist und Freiheit. „Sport ist eine herrliche Schöpfungsgabe Gottes – eine der schönsten Nebensachen der Welt.“ Vor einer Überhöhung des Fußballs warnt er allerdings mit einem Augenzwinkern: „Es gibt keinen Fußball-Gott, sondern nur den einen Gott, der uns Menschen liebt – einschließlich unserer Leidenschaft für den Sport.“ Als Sportbeauftragter des Rates der EKD steht Latzel zugleich dem Arbeitskreis Kirche und Sport vor – einer Schnittstelle, die diese Spannung zwischen Begeisterung und Verantwortung dauerhaft moderieren soll.

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