Symbolbild

Den ÖPNV mit Hilfe einer Smarthone App und Ruf-Bussen zu nutzen, ist nicht wirklich neu und in den seltensten Fällen ist dadurch ein besserer und vor allem besser genutzter ÖPNV entstanden. Der Grundgedanke der Gemeinden ist leider in erster Linie, wie können wir Geld sparen am ÖPNV und nicht was brauchen wir, um die Daseinsvorsorge ÖPNV am besten zu gestalten und wie schaffen wir eine bessere Auslastung und damit eine größere Nutzung und Akzeptanz in der Gesellschaft. 

Leidtragende sind bisher oftmals die Beschäftigten gewesen, durch Privatisierung ohne Tarifverträge oder Bereitschaftsdiensten mit schlechterer Bezahlung und wenigen voll bezahlten Stunden in einem Rufbussystem. Vielfach gibt es auch nur noch Minijobs statt Vollzeitstellen, Bürger-Busse die Ehrenamtliche fahren, statt festangestellte Beschäftigte. „In Illingen kam der Bürgerbus, als nächstes kommt er in Eppelborn, dann vielleicht in Spiesen-Elversberg der Ruf-Bus, überall dort sollen oder werden Linien gestrichen und Kolleginnen und Kollegen könnten ihre Jobs verlieren. In der Regel geht es einher mit einer Reduzierung des ÖPNV Angebots wie in Illingen und es kommt zu keiner Verbesserung“, so Heiko Schaufert, Betriebsratsvorsitzender der NVG in Neunkirchen.

Öffentlicher Nahverkehr ist am effizientesten bei hoher Auslastung großer Fahrzeuge. Eine Fahrt im Bus reduziert den CO2-Ausstoß um 95 % gegenüber dem PKW. ÖPNV On-Demand mit PKWs oder Kleinbussen macht daher nur als Zubringer zu ausgebauten ÖPNV-Systemen oder in schwach besiedelten Gebieten Sinn. Andernfalls würde der ÖPNV geschwächt und der Beitrag zur Verringerung des Verkehrsaufkommens und besserer Klimabilanz wäre gering. „Aus Sicht von ver.di muss eine intelligente Verkehrspolitik die Verschiebung des Modal Split vom privaten PKW hin zu effizienter Ausnutzung des öffentlichen Nahverkehrs konsequent verfolgen“, so Christian Umlauf, ver.di Fachbereich Verkehr. Dazu ist notwendig:

  • alternative Bedienformen wie ÖPNV On-Demand als Zubringer zur bestmöglichen Ausnutzung öffentlicher Verkehrsnetze auszurichten;
  • den Einsatz großer Fahrzeuge, wie Busse und Bahnen, bei entsprechender Auslastung grundsätzlich den Vorrang vor mehreren kleinen Fahrzeugen zu geben und zugleich alle möglichen Maßnahmen zur Erhöhung der Auslastung der Fahrzeuge zu ergreifen;
  • dass die kommunalen ÖPNV-Unternehmen als multimodale Verkehrsdienstleister die Aufgabe der Steuerung aller weiteren Verkehrsangebote übernehmen;
  • Stadt- und Siedlungspolitik konsequent auf den ÖPNV auszurichten;
  • Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des öffentlichen Nahverkehrs auch zu Lasten des PKW-Verkehrs in den Ballungsräumen zu ergreifen, wie Ampel-Vorrangschaltungen, Busspuren oder die Verringerung des PKW-Verkehrs durch Zufahrtsbeschränkungen und die Reduzierung und Verteuerung von Parkraum in den Innenstädten;
  • eine Vertaktung des öffentlichen Nahverkehrs auf der Straße (ÖPNV) und Schiene (SPNV) auch über kommunale Grenzen hinaus einzurichten und den ÖPNV im ländlichen Raum auszubauen;
  • neben dem Mobilitätsverhalten auch die Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung zu ermitteln, um effiziente öffentliche Verkehrsangebote schaffen zu können;
  • kommunale Mobilitätspläne und -konzepte unter Einbeziehung aller Mobilitätsformen mit dem Ziel der bestmöglichen Auslastung öffentlicher Verkehrsangebote zu erstellen, in kurzen Abständen zu evaluieren und weiterzuentwickeln.
  • Errichtung einer bundesweit zugänglichen Mobilitätsplattform mit einheitlichen Tarifsystemen, die zur Gewährleistung des Daten- und Unternehmensschutz im Wettbewerb öffentlicher Steuerung unterliegt.
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