Lange stand das frühere Finanzamt am Stadtgraben in Saarbrücken weitgehend ungenutzt da, nun ist die Zukunft des markanten Gebäudes geklärt: Unter dem Namen „Le 52“ soll der Bau aus den 1950er-Jahren umfassend saniert und zu einem modernen Arbeits- und Begegnungsort entwickelt werden. Den Zuschlag für das Projekt erhielt nach einem Konzeptverfahren das saarländische Unternehmen Peter Gross Bau.
Die Entscheidung fiel in einer Jury, in der Vertreter von Stadt und Land saßen. Sie sprach sich einstimmig für das Konzept „Le 52“ aus, das sich ausdrücklich auf das Baujahr 1952 bezieht. Vorgesehen ist eine umfassende, denkmalgerechte Sanierung des Bestandsgebäudes. Die äußere Gestalt des unter Denkmalschutz stehenden Hauses soll weitgehend erhalten bleiben, die bestehende Fassadengliederung wird in ein neues Nutzungskonzept eingebunden. Nach Angaben der Beteiligten verbindet der Entwurf den Anspruch, das baukulturelle Erbe zu sichern, mit heutigen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Nutzung und Städtebau.
Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, die sogenannte „graue Energie“ des Bestands zu erhalten und gleichzeitig ein stadtbildprägendes Areal im Herzen Saarbrückens aufzuwerten. „Le 52“ setzt auf einen Nutzungsmix aus Büroflächen, Gastronomie und weiteren Dienstleistungen. In dem Gebäude sollen neue, hochwertige Arbeitsplätze in zentraler Lage entstehen. Das Vorhaben gilt als Signal für den Wirtschaftsstandort Saarbrücken und als Beitrag zur Stärkung der Innenstadt als Arbeits- und Lebensort.
Im Auswahlprozess wurde die Jury fachlich vom Landesdenkmalamt begleitet. Dessen Einschätzungen flossen in die Bewertung der eingereichten Konzepte ein und halfen dabei, die denkmalpflegerischen Anforderungen an den Erhalt des Gebäudes zu berücksichtigen. Simon Matzerath, Leiter des Landesdenkmalamtes, erklärte: „Das Ergebnis der Konzeptvergabe hat gleich mehrere Ziele erreicht: Eine deutliche Aufwertung des Standortes mit hoher Aufenthaltsqualität und städtebaulicher Einbindung bei vollständiger Berücksichtigung der Belange des Landesdenkmalamtes. Ich danke allen Beteiligten für den konstruktiven Prozess. Das Konzept ‚Le 52‘ erweist sich als voller Erfolg im Sinne des Allgemeinwohles.“
Nach dem Votum der Jury werden nun die zuständigen Gremien des Landes informiert. Erst danach soll der Kaufvertrag mit dem Investor unterzeichnet werden. Im Anschluss sind die vertiefte Bauplanung und die Einreichung des Bauantrags vorgesehen. Die Beteiligten rechnen damit, dass das Projekt zügig vorankommt und spätestens im Laufe des Jahres 2029 abgeschlossen werden kann. In einer Pressekonferenz wollen Land, Stadt und Investor demnächst weitere Details zum Konzept vorstellen.
Finanzminister Jakob von Weizsäcker betonte die Bedeutung des Vorhabens für Saarbrücken und das Saarland: „Das Ergebnis der Konzeptvergabe ist erfreulich, sowohl für unsere Landeshauptstadt wie für das Land. Ein leistungsstarker saarländischer Investor wird diesen Standort in bester Lage für hochwertige Arbeitsplätze reaktivieren und in Wert setzen. Damit wird der Wirtschaftsstandort Saarbrücken und die Attraktivität der Innenstadt gestärkt.“ Auch Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt sieht in dem Projekt einen wichtigen Impuls: „Die vorgestellte Entwicklung am Standort ‚Altes Finanzamt‘ ist ein Gewinn für die Saarbrücker City. Mit der geplanten neuen Gastronomie und der Terrasse mit Sicht über die Saar zum Schloss wird der rückwärtige Bereich des Gebäudes belebt und zudem begrünt. Der erfolgreiche Bewerber bringt viel Erfahrung mit und ist in unserer Stadt hochwillkommen. Ich freue mich über die zukunftsfähige Entwicklung dieses Standorts – es ist eine weitere Signalwirkung für die Saarbrücker Innenstadt.“
Nikolas Gross, Geschäftsführender Gesellschafter der Peter Gross Bau, beschreibt das Projekt als besondere Aufgabe für das Unternehmen: „Wir danken der Jury für das Vertrauen und die intensive Auseinandersetzung mit unserem Konzept zu diesem besonderen Ort. Als bundesweit tätiges Unternehmen mit saarländischen Wurzeln ist es für uns eine große Herausforderung und zugleich Herzensangelegenheit, dieses kulturhistorische Gebäude im Zentrum der Landeshauptstadt Saarbrücken verantwortungsbewusst weiterzuentwickeln. Le 52 steht für eine denkmalgerechte Transformation, die den Bestand respektiert und eine zeitgemäße Nutzung ermöglicht – offen zum Stadtraum, mit einem allgemein zugänglichen und nicht abgeschotteten Erdgeschoss. So entsteht ein urbaner Arbeits- und Begegnungsort, der Identität bewahrt und neue Impulse für die Innenstadt setzt.“
Die Konzeptvergabe zum ehemaligen Finanzamt am Stadtgraben wurde am 15.01.2026 offiziell abgeschlossen. Mit dem einstimmigen Juryentscheid für „Le 52“ ist der Weg für die Neunutzung des Gebäudes vorgezeichnet. Bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2029 bleibt noch einiges zu tun, doch Stadt, Land und Investor verbinden mit dem Projekt die Aussicht auf einen deutlich aufgewerteten Standort inmitten der Saarbrücker Innenstadt.



















