Bild: Stephan Bonaventura

Es gibt wohl nur wenige Orte in der Region, die mit einer solchen Vielfalt punkten können. Im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim kann man nicht nur in die Welt der Kelten und Römer eintauchen, sondern auch eine wunderschöne Naturlandschaft genießen. Für einen Tagesausflug gibt es hier genug Programm.

Weite Wiesen erstrecken sich fast bis zum Horizont und mittendrin fällt der Blick immer wieder auf antik anmutende Bauten. Wer auf dem Hügel über der römischen Villa Platz nimmt, der erkennt vielleicht am besten, wieso unsere Region als eine herausragende Kulturlandschaft beworben wird. Vielleicht war es gerade diese Schönheit der Landschaft, die bereits Kelten und Römer bewegte, hier ihr Lager aufzuschlagen.

Beziehungsweise eine riesige Villa aufzubauen, deren Areal sich nicht vor den Luxusanwesen heutiger Superstars verstecken braucht. Über 70 Hektar erstreckt sich der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, dementsprechend viel kann man hier entdecken. „Wer sich den gesamten Park anschauen will, sollte schon mindestens drei Stunden einplanen“, sagt Archäologe Michael Ecker, der hier die permanent stattfindenden Grabungen leitet.

Ann-Kathrin Göritz und Archäologe Michael Ecker – Bild: Stephan Bonaventura

Denn zu sehen gibt es nicht nur die Grundmauern der römischen Villa, die hier rund 300 Jahre stand. Daneben gibt es mehrere Museen mit archäologischen Fundstücken und das große Highlight der Anlage, das keltische Fürstinnengrab. Dort gibt es nicht nur prächtige, goldene Grabbeigaben zu sehen, die hier in den 1950er-Jahren gefunden wurden. Nein, auch über die Siedlungsgeschichte und weitere historisch wichtige Fakten über unsere Region wird dort an Schautafeln informiert.

Das keltische Fürstinnengrab – Bild: Stephan Bonaventura

Doch jeder kennt es aus Museen: Zu viele solcher Informationen erschlagen den Besucher oftmals. So ist es durchaus von Vorteil, dass das Fürstinnengrab „nur“ aus einem Raum besteht. So gerät der Besuch durchaus kurzweilig – und man lernt auch wirklich etwas dazu. Das ist auch der Fall bei der Lauschtour, bei der man während einer Runde über das Gelände alle wichtigen Informationen über das Smartphone aufs Ohr bekommt. „Das empfehlen wir vor allem für den Individualbesucher“, sagt die Projekt- und Verwaltungsleiterin der Stiftung Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim, Ann-Kathrin Göritz. „Da kriegt man wirklich sehr gute Informationen, die man sich auch im Kopf behält.“ Natürlich gibt es auch Führungen, dafür muss man sich jedoch vorher anmelden.

Genauso wie bei den zahlreichen Workshops und Aktivitäten, die vor Ort auf Anfrage geboten werden. Besonders spannend ist in diesem Zusammenhang wohl die „Archäologie zu Mitmachen“, bei der man selbst graben kann. Für Kinder gibt es ebenfalls eine spezielle Grabung, bei der Tonscherben aus einer Art Sandkasten geborgen werden können. „Da bekommen die Kinder ein Gefühl dafür, wie es wäre, ein Archäologe zu sein“, erzählt Mitarbeiterin Göritz. Während es dafür eine Anmeldung braucht, kann man ansonsten mit etwas Glück einem „echten“ Archäologen wie Michael Ecker bei der Arbeit über die Schulter schauen. Denn in Reinheim wird eigentlich das ganze Jahr über gegraben. „Da kann man dann auch gerne Fragen stellen“, so Ecker. Darüber hinaus gibt es über das ganze Jahr hinweg Veranstaltungen, wie beispielsweise das Kinderfest im Frühjahr, das Römerfest Vita Romana im Sommer sowie im Herbst das Samhain, ein keltisches Neujahrsfest.

Grabungen im Kulturpark – Bild: Stephan Bonaventura

Da das Gebiet eine ständige Forschungsgrabung ist, ändert sich das Gesicht des Parks ständig. Wer also vor zehn Jahren schon einmal hier war, kann sich heute auf neue Attraktionen gefasst machen. Beispielsweise auf eine Ausstellung mit römischen Wandmalereien, die es vor einigen Jahren noch nicht gab. Und auch in Zukunft wird noch einiges dazukommen. So wird momentan an der Rekonstruktion von verschiedenen Nebengebäuden der einstigen Villa gearbeitet. „Wir werden bei diesem Gebäude die Strukturen so weit ausgraben, dass sie für den Besucher erkenntlich sind“, verrät Ecker. Diese Mauern sollen jedoch nicht überbaut werden. „Die Menschen sollen dort sehen, wie römische Mauern im Original aussahen.“ Über Stege könne man, wenn alles fertig ist, über die Grabungen gehen.

Zur Besonderheit dieses Ortes gehört es aber eben auch, dass man nicht nur Historisches entdecken kann. Der Kulturpark eignet sich auch dazu, an einem der dort gelegenen Seen die Picknickdecke auszubreiten, ein Stück Kuchen zu essen und einfach die Seele baumeln zu lassen. Das ist übrigens kostenfrei möglich, denn der Park steht grundsätzlich für jedermann offen. Einzig die Museen und das Fürstinnengrab kosten Eintritt. Für einen kleinen Obolus kann man an zwei Plätzen sogar grillen. Außerdem hat der Park mit der Römischen Taverne ein eigenes Restaurant, wo man Pizza oder Eiskuchen genießen kann. Und ganz nebenbei kann man auch ein kleines Stück europäischer Einigkeit erleben, wenn man quasi ohne es zu merken auf die französische Seite des Parks wandert. Dort gibt es eine kleine römische Stadt sowie antike Thermen zu sehen. Der Park hat also genug zu bieten, um einen Tagesausflug an die deutsch-französische Grenze zu starten.

Der Park ist jederzeit frei zugänglich, die Museen und Ausstellungsräume sind vom 15. März bis 31. Oktober geöffnet; Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Der Museums-Eintritt für Erwachsene kostet 5 Euro, ermäßigte Karten gibt’s für 3,50 Euro. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sowie Behinderte haben freien Eintritt. 

Die Anreise mittels ÖPNV erfolgt von Homburg aus am besten mit dem Biosphärenbus 501, die Haltestelle lautet Reinheim Kulturpark. Wer lieber mit dem Auto unterwegs ist, braucht für den Weg an die deutsch-französische Grenze rund eine halbe Stunde. Empfehlenswert ist das Parken auf Parkplatz P2, da der Parkplatz P1 auf der französischen Seite liegt.

Alle weiteren Infos unter https://www.europaeischer-kulturpark.de/.

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