Deutschland ist noch bis zum Ende des Jahres Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. „Krisen und Konflikte auf dieser Welt sind nichts, was wir neutral aus der Ferne betrachten können“, sagt VN-Botschafter Christoph Heusgen. Im Interview spricht er über seine Einschätzung zu China, das Thema Klima und Sicherheit, sein persönliches Engagement und seine Erfahrungen aus 40 Jahren Diplomatie.
Christoph Heusgen ist seit Juli 2017 Botschafter und Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen in New York. Er gehört dem Auswärtigen Amt seit 1980 an und hat diverse Posten in aller Welt bekleidet, unter anderem in Chicago, Paris und Brüssel. Von 2005 bis 2017 war er außen- und sicherheitspolitischer Berater von Kanzlerin Merkel im Bundeskanzleramt.
Erschwert die Corona Pandemie Ihre Arbeit? Was haben Sie sich einfallen lassen, um dem zu begegnen?
Christoph Heusgen: Ein klares Ja. Aber zunächst einmal: Die COVID-19-Pandemie hat die Weltmetropole New York City besonders hart getroffen. Viele auch in Deutschland erinnern sich an Bilder von menschenleeren Straßenschluchten und dramatisch überfüllten Krankenhäusern. New York steht inzwischen im Vergleich ziemlich gut da. Moderate und stufenweise Lockerungen sind daher nunmehr möglich.
All dies geht natürlich nicht spurlos an der Arbeit der Vereinten Nationen vorbei. Seit Mitte März tagen der Sicherheitsrat sowie die Gremien der Generalversammlung virtuell. Insgesamt hat die Umstellung recht gut geklappt.
Was aber klar ist: Virtuelle Sitzungen ersetzen keine persönlichen Gespräche und Verhandlungen – den Wesenskern der Diplomatie. Mittelfristig werden wir also wieder persönlich zusammenkommen müssen. Natürlich unter Wahrung aller Gesundheitsvorkehrungen. Letzte Woche hat das erste physische Treffen des Sicherheitsrats seit vier Monaten im VN-Hauptquartier stattgefunden. Das war schon ein besonderer Moment, dass dies auf deutsche Initiative unter unserer
Sicherheitsratspräsidentschaft gelungen ist. Wir arbeiten daran, dass diese persönlichen Begegnungen wieder häufiger stattfinden.
Wie ist Ihr Team strukturiert?
Heusgen: Die Kolleginnen und Kollegen an der Ständigen Vertretung arbeiten in thematischen Teams. Da ist zum Beispiel die Politik-Abteilung, die von Menschenrechten über Peacekeeping und Sanktionsfragen bis zu Krisen und Konflikten in Libyen, Syrien, Nahost, Afghanistan, Mali, Venezuela oder Nordkorea – ich nenne nur einige Beispiele – die ganze Themenbandbreite an Regionalfragen abdeckt. Auch das Presseteam, das Korrespondentinnen und Korrespondenten zu allen Themen Rede und Antwort steht und die Öffentlichkeit informiert, gehört zur Politikabteilung. Humanitäre Hilfe, Klima und Sicherheit, Fragen der nachhaltigen Entwicklung bis zu Haushalts- und Personalangelegenheiten werden in der Wirtschaftsabteilung betreut.
Im Sicherheitsratsteam kommen dann alle zusammen, die an der Rats-Agenda arbeiten. Insgesamt fließt im Haus die Expertise von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus weiten Teilen der Bundesregierung ein: Der größte Anteil kommt aus dem Auswärtigen Amt, zudem aus dem BMZ, BMVg, BMU, BMWi, BMF. Und wir werden tatkräftig von lokal Beschäftigten unterstützt. Ein solches Team funktioniert natürlich nicht ohne diejenigen, die den Betrieb im wahrsten Sinne des Wortes am Laufen halten: Verwaltung, Fahrer, Sicherheitspersonal. Insgesamt ein sehr divers und gut aufgestelltes Team.
Wie genau arbeiten Sie?
Heusgen: Was die Arbeit durchgängig prägt: Treffen, Gespräche, Sitzungen, Resolutionsverhandlungen. Intern im Team sowie mit anderen Mitgliedstaaten oder VN-Vertreterinnen und Vertretern. Im kleinen und großen Kreis. Öffentlich und hinter den Kulissen. Zudem hochrangige Besuche, Pressetermine, Briefings für die Zivilgesellschaft. Das Spannende ist: Kein Tag gleicht dem anderen. Dafür sind die Themen und Problemlagen zu divers und die Agenda des Sicherheitsrats von aktuellen Krisen und Konflikten bestimmt.







