Erstmals in seiner Geschichte hat der Bundesvorstand der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA Deutschlands) im Saarland getagt – und das aus gutem Grund. Am 19. und 20. Juni 2026 kamen die Spitzenvertreter des Arbeitnehmerflügels der Union in Saarlouis zusammen, um ein klares Signal für die heimische Stahlindustrie und den Industriestandort Deutschland zu senden. Das Ergebnis trägt den Namen „Saarlouiser Erklärung“ und stellt eine Reform des europäischen Emissionshandels in den Mittelpunkt.
Gastgeber der zweitägigen Konferenz war Marc Speicher, Landesvorsitzender der CDA Saar und Mitglied im Bundespräsidium. Für ihn war die Wahl des Tagungsortes mehr als eine symbolische Geste: Im direkten Austausch mit Vorstand und Betriebsrat von Dillinger Hütte und Saarstahl sollten die Sorgen der Beschäftigten und die Perspektiven der Branche unmittelbar auf den Tisch. „Es war eine große Ehre und Freude, dass der Bundesvorstand überhaupt erstmals im Saarland getagt hat“, erklärte Speicher und betonte den Erfolg der Beratungen.
Die Botschaft, die von der Saar ausgeht, ist unmissverständlich: Wer beim Klimaschutz vorangeht, darf am Ende nicht der Verlierer sein. Bundeschef Dennis Radtke, Europaabgeordneter und Wortführer des Arbeitnehmerflügels, sprach sich gemeinsam mit Speicher für eine grundlegende Korrektur der europäischen Emissionshandels-Architektur aus. Vorreiter wie Dillinger und Saarstahl bräuchten verlässliche Unterstützung – sonst drohten ausgerechnet jene Standorte ins Hintertreffen zu geraten, die früh in Dekarbonisierung investiert hätten.
Zur Diskussionsrunde in Saarlouis stießen prominente Gäste hinzu. Neben dem saarländischen CDU-Landesvorsitzenden Stephan Toscani begrüßten Radtke und Speicher auch die Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Annegret Kramp-Karrenbauer, sowie Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Die Runde unterstrich, welches politische Gewicht der CDA-Vorstoß entfalten soll – und wie eng die Verbindung zwischen Saarland-Politik und Bundespolitik in dieser Frage geknüpft wird.
Im Kern fordert die Saarlouiser Erklärung, den Abwärtstrend in der deutschen Industrie zu stoppen und tarifgebundene Arbeitsplätze zu sichern. Klima-, Natur- und Menschenschutz sollen weiterverfolgt werden, ohne dass Europa Wohlstand und Beschäftigung verliert. Bestehende Investitionen müssten abgesichert werden, heißt es im Papier. Unternehmen, die im Vertrauen auf das geltende System Milliarden in den Umstieg gesteckt haben, dürften nicht nachträglich um ihr Geschäftsmodell gebracht werden. Ein konkreter Vorschlag: Kostenlose Zuteilungen von Zertifikaten sollen künftig nur noch an Unternehmen gehen, die bereits klimaneutral produzieren.
Die saarländische Stahlindustrie wird in dem Papier ausdrücklich als Beispiel hervorgehoben. Mit dem laufenden Umstieg auf „Grünen Stahl“ entsteht an der Saar nach Lesart der CDA eines der größten Klimaschutzprojekte Europas. Stahl, so die Argumentation, sei nicht nur Grundstoff für zahlreiche weitere Wirtschaftszweige, sondern auch eine Frage strategischer Souveränität. Eine zu große Abhängigkeit vom außereuropäischen Ausland in Grundstoffbranchen sei für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ein Risiko, das man nicht eingehen dürfe.
Nicht zuletzt verweist die Erklärung auf die Montanmitbestimmung, die einst von der CDU eingeführt wurde. Sie steht für eine besonders starke Form der Sozial- und Tarifpartnerschaft – ein Erbe, das die CDA ausdrücklich verteidigt sehen will. Damit verbindet die Saarlouiser Erklärung industriepolitische Forderungen mit einem sozialpolitischen Bekenntnis: Klimaschutz, Arbeitsplätze und Mitbestimmung sollen zusammengedacht werden.




















