Der Umbau des deutschen Stromnetzes geht in die nächste Runde – und die Öffentlichkeit darf mitreden. Die Bundesnetzagentur hat heute den zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans zur Konsultation freigegeben. Bis zum 24. August 2026 können Bürgerinnen und Bürger sowie Träger öffentlicher Belange Stellung dazu nehmen, wie das Höchstspannungsnetz bis zu den Zieljahren 2037 und 2045 ausgebaut werden soll.
Für Behördenpräsident Klaus Müller ist die Stoßrichtung klar: Tempo machen, aber wirtschaftlich vernünftig bleiben. „Eine sichere und zuverlässige Stromversorgung, gut vernetzt mit unseren europäischen Nachbarn, ist essenziell. Gleichzeitig müssen wir die Kosten im Griff behalten“, sagt Müller. Genau diesen Balanceakt versuche der nun vorgelegte Vorschlag zu meistern. Der beschleunigte Ausbau bleibe entscheidend, um das Energiesystem zukunftsfest zu machen, die Versorgungssicherheit zu erhalten und die Klimaziele zu erreichen.
Die Übertragungsnetzbetreiber haben insgesamt 159 Ausbauprojekte zur Prüfung vorgelegt. Davon hält die Bundesnetzagentur derzeit 118 für bestätigungsfähig. Bei den übrigen Vorhaben sieht die Behörde aktuell keinen ausreichend belegten Beitrag zur weiteren Stärkung des Übertragungsnetzes. 76 der bereits eingeplanten Maßnahmen sind ohnehin schon Teil des Bundesbedarfsplangesetzes oder befinden sich in dessen laufender Überarbeitung.
Bemerkenswert ist ein zeitlicher Vorgriff: Fünf Projekte, die ursprünglich erst für das Zieljahr 2045 vorgesehen waren, hat die Bundesnetzagentur bereits jetzt für 2037 untersucht und vorläufig grünes Licht signalisiert. Damit könnten zentrale Trassen früher fertiggestellt werden als zunächst geplant – ein Signal an die Branche, dass der Netzausbau nicht in den Folgejahrzehnten festhängen soll.
Einen wichtigen Schwerpunkt bildet die Anbindung der Windkraft auf hoher See. Der überarbeitete Entwurf sieht bis 2037 bis zu acht zusätzliche Offshore-Anbindungssysteme vor. Aus Sicht der Bundesnetzagentur sind diese Verbindungen unverzichtbar, um die im Windenergie-auf-See-Gesetz festgeschriebenen Ausbauziele tatsächlich zu erreichen. Zur Diskussion gestellt werden außerdem weitere Interkonnektoren, die das deutsche Netz stärker mit den europäischen Nachbarn verzahnen sollen, sowie eine zusätzliche Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung.
Um die teils komplexen Pläne verständlich zu machen, begleitet die Behörde die Konsultation mit zwei digitalen Informationsveranstaltungen. Die erste findet am 6. August 2026 von 14 bis 17 Uhr statt, eine zweite folgt am 11. August 2026 von 11 bis 14 Uhr. Der vollständige Entwurf der Übertragungsnetzbetreiber, die vorläufigen Prüfergebnisse und alle Hinweise zur Beteiligung sind auf der Internetseite der Bundesnetzagentur abrufbar.
Dass die Konsultation in den Hochsommer fällt, dürfte die Schlagkraft der Debatte kaum mindern. Denn am Ende entscheidet sich an der Frage, wie viele Leitungen wann gebaut werden, nicht nur die Geschwindigkeit der Energiewende – sondern auch, was Strom in Deutschland künftig kostet.






















