Symbolbild

Ein Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz, ein Feuer im Umspannwerk im baden-württembergischen Reutlingen: Solche Vorfälle haben in den vergangenen Monaten vor Augen geführt, wie verwundbar die kritische Infrastruktur in Deutschland sein kann. Und die Bevölkerung registriert diese Risiken sehr genau. 74 Prozent der Haushalte halten das deutsche Stromnetz für anfällig gegenüber Sabotage oder gezielten physischen Angriffen auf Leitungen und Umspannwerke. 71 Prozent fürchten Cyberangriffe. Das geht aus einer repräsentativen Befragung von 1.002 Haushalten hervor, die der Digitalverband Bitkom in Auftrag gegeben hat.

Die Sicherheit der Energieversorgung rückt damit gleichberechtigt neben die großen Ziele Klimaschutz und Bezahlbarkeit. 93 Prozent der Befragten sind der Meinung, beim Umbau des Energiesystems müsse der Sicherheit derselbe Stellenwert eingeräumt werden wie diesen beiden Faktoren. „Deutschland hat eine sehr zuverlässige Stromversorgung. Aber die jüngsten Vorfälle zeigen: Stromnetze müssen besser geschützt werden – nicht nur gegen Sabotage und physische Angriffe, sondern auch gegen Cyberangriffe“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

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Die Sorge vor einem Blackout sitzt tief. Fast die Hälfte der Haushalte, genau 46 Prozent, rechnet damit, dass es am eigenen Wohnort künftig zu einem mehrstündigen Stromausfall kommen könnte. 17 Prozent haben in den vergangenen zwölf Monaten bereits einen Ausfall von mindestens fünf Minuten erlebt. Gleichzeitig trauen nur 26 Prozent dem Land insgesamt zu, gut auf eine längere Versorgungsunterbrechung vorbereitet zu sein. Sich selbst schätzen die Menschen etwas zuversichtlicher ein: 47 Prozent fühlen sich persönlich gut gerüstet.

Trotz aller Bedenken wollen die Haushalte beim Energieumbau aufs Tempo drücken, nicht auf die Bremse treten. 72 Prozent finden, die Energiewende laufe zu langsam, und 92 Prozent leiten aus steigenden Energie- und Spritpreisen die Forderung ab, schneller von Öl und Gas unabhängig zu werden. Mit der aktuellen Energiepolitik der Bundesregierung zeigen sich gerade einmal 15 Prozent zufrieden. „Die Menschen in Deutschland wollen mehr Unabhängigkeit, mehr Tempo und mehr Verlässlichkeit“, fasst Rohleder zusammen. Es reiche nicht, Windräder, Solaranlagen oder Wärmepumpen zu installieren – auch die Prozesse von der Genehmigung bis zum laufenden Netzbetrieb müssten digitalisiert werden.

Deutlich wird in der Erhebung der Wunsch nach mehr Durchblick beim eigenen Verbrauch. 90 Prozent fänden es hilfreich, den aktuellen Stromverbrauch ihres Haushalts so unkompliziert ablesen zu können wie den Spritverbrauch im Auto. Hier kommen Smart Meter ins Spiel, also intelligente Messsysteme, die Verbrauchsdaten digital erfassen, sicher übermitteln und zugleich Preis- und Steuersignale empfangen können. Acht Prozent der Haushalte nutzen bereits ein solches Gerät, weitere 61 Prozent können sich den Einsatz auf jeden Fall oder eher vorstellen. Allerdings fühlen sich 77 Prozent derjenigen ohne Smart Meter schlecht informiert, und knapp die Hälfte hat Bedenken wegen des Datenschutzes.

Ähnlich groß ist das Interesse an dynamischen Stromtarifen, bei denen sich der Preis nach der Lage am Markt richtet – günstiger bei viel Wind- oder Solarstrom, teurer in Knappheitsphasen. 90 Prozent der Befragten wären bereit, ihren Verbrauch an die jeweiligen Preise anzupassen, sofern sie damit Geld sparen. „Dynamische Tarife und flexible Verbraucher können Haushalte entlasten und zugleich das Stromsystem stabilisieren“, sagt Rohleder. Niemand solle dafür Strompreise minutiös verfolgen müssen, die Digitalisierung könne den Aufwand erheblich senken.

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Insgesamt überwiegt die Zuversicht: 89 Prozent betrachten die Digitalisierung eher als Chance für die Energiewende, nur sieben Prozent sehen darin ein Risiko. Für Rohleder ist die Botschaft eindeutig. Politik, Wirtschaft und Haushalte müssten gemeinsam anpacken – die einen mit verlässlichen Rahmenbedingungen und beschleunigten Verfahren, die anderen mit sicheren Netzen und alltagstauglichen Angeboten. „Eine erfolgreiche Energiewende ist entscheidend für unsere Zukunftsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und unsere digitale Souveränität.“

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