Nach zähem Ringen steht der erste Tarifabschluss für den Groß- und Außenhandel in Bayern. Am späten Abend des 21. Juli 2026 einigten sich die Arbeitgeber und die Gewerkschaft ver.di in der vierten Verhandlungsrunde auf einen Kompromiss, der als Signal für die gesamte Branche gilt. Fachleute rechnen damit, dass die Vereinbarung als Blaupause für weitere Abschlüsse in den übrigen Tarifgebieten dienen wird.
Der Ton auf Arbeitgeberseite bleibt trotz der Einigung ernst. „Der Tarifabschluss ist ein schmerzhafter Kompromiss, mit dem wir als Arbeitgeber nach äußerst schwierigen Verhandlungen an die Grenze des Machbaren gegangen sind“, erklärt Volker Schlinge, Vorsitzender des Tarif- und Sozialpolitischen Ausschusses des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA).
Zum Kern der Sorge zählt vor allem die konjunkturelle Lage. Angesichts der schwächelnden Wirtschaft, so Schlinge, hätten sich zahlreiche Unternehmen schwergetan, das Ergebnis überhaupt mitzutragen. Man habe auf mehr Entgegenkommen der Gewerkschaftsseite gehofft. Seine Bilanz fällt entsprechend nüchtern aus: „Der Abschluss wird die Unternehmen stark belasten.“
Dennoch sieht der Verband in der Einigung mehr als nur Zahlen. Entscheidend sei gewesen, der sozialen Verantwortung gegenüber den Beschäftigten und der Tarifpartnerschaft gerecht zu werden. „Die Tarifparteien haben unter außergewöhnlichen Bedingungen erneut ihre Handlungsfähigkeit bewiesen“, betont Schlinge.
Konkret sieht das Ergebnis bei einer Laufzeit von 24 Monaten eine zweistufige Erhöhung vor. Ab August 2026 steigen die Entgelte um 2,9 Prozent, ab Mai 2027 folgen weitere 2,1 Prozent. Durch drei vereinbarte Leermonate konnten die Arbeitgeber die wirtschaftliche Belastung im ersten Jahr auf rund 2,2 Prozent begrenzen.
Auch der Nachwuchs profitiert von der Einigung. Die Ausbildungsvergütungen erhöhen sich jeweils mit dem Wechsel des Ausbildungsjahres: 2026 um 40 Euro und 2027 um weitere 30 Euro. Damit verbinden die Tarifpartner den Anspruch, den Beruf im Handel auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten attraktiv zu halten.





















