Mehr als zehn Millionen Cockpit-Computer hat Bosch auf Basis der Snapdragon-Plattformen von Qualcomm Technologies bereits an Automobilhersteller weltweit ausgeliefert – ein Meilenstein, der nun zum Sprungbrett für ein deutlich ambitionierteres Vorhaben wird. Die beiden Technologiekonzerne gaben am 10. April 2026 bekannt, ihre langjährige Partnerschaft über das digitale Cockpit hinaus auf Fahrerassistenzsysteme auszuweiten. Künftig sollen gemeinsam entwickelte ADAS-Lösungen dafür sorgen, dass automatisierte Fahrfunktionen nicht länger der Premiumklasse vorbehalten bleiben, sondern quer durch alle Fahrzeugsegmente verfügbar werden.
Die Dimension des Vorhabens wird greifbar, wenn man auf die bisherige Zusammenarbeit blickt. Seit den ersten Auslieferungen im Jahr 2021 wuchs die Stückzahl der gemeinsam produzierten Cockpit-Computer exponentiell: von einer Million im Jahr 2023 auf zehn Millionen in weniger als drei Jahren. Beliefert werden regionale wie globale Hersteller in Nordamerika, Asien und Europa, vom kompakten Einstiegsmodell bis zur Oberklasse. Dieses Tempo wollen Bosch und Qualcomm Technologies nun in den ADAS-Bereich übertragen, wo die Nachfrage nach skalierbaren, bezahlbaren Lösungen für assistiertes und automatisiertes Fahren rasant steigt.
„Indem wir modernste Rechentechnologie mit unserer Expertise in der Systemintegration von Hardware, Software und Sicherheit kombinieren, ermöglichen wir es Automobilherstellern, der steigenden Nachfrage nach personalisierten, sicheren und komfortablen Fahrerlebnissen gerecht zu werden“, erklärte Christoph Hartung, Mitglied des Sektorvorstands von Bosch Mobility und Vorsitzender des Geschäftsbereichs Cross-Domain Computing Solutions. Hartung betonte zudem, dass die robusten Rechenplattformen seines Unternehmens das Rückgrat moderner softwaredefinierter Fahrzeuge bildeten. Auf Seiten von Qualcomm Technologies ordnete Nakul Duggal, Executive Vice President und Group General Manager für den Bereich Automotive, die Kooperation in einen größeren Zusammenhang ein: „Bei Fahrerassistenzsystemen müssen Leistung und Sicherheit in der Praxis skalierbar sein. Durch die Ausweitung unserer Zusammenarbeit mit Bosch auf serienreife ADAS-Plattformen unterstützen wir Automobilhersteller dabei, fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme effizienter in alle Fahrzeuglinien zu integrieren – mit klarer Ausrichtung auf zentralisierte Rechenarchitekturen.“
Technisch fußt das neue Geschäftsfeld auf der ADAS-Integrationsplattform von Bosch – einem modularen Fahrzeugcomputer, der hohe Bandbreite, Rechenleistung und Speicherverwaltung mit strengen Sicherheitsstandards bis hin zur höchsten automobilen Sicherheitsstufe ASIL-D vereint. Mehrere Sensortechnologien werden dabei zu präzisen 360-Grad-Umgebungsmodellen verschmolzen, die komplexe Algorithmen für sicheres Fahrverhalten selbst bei hohen Geschwindigkeiten speisen. Als Rechengrundlage dient die Snapdragon-Ride-Plattform von Qualcomm Technologies. Besonders vielversprechend ist die Möglichkeit, Cockpit- und ADAS-Funktionen auf einem einzigen sicherheitszertifizierbaren System-on-Chip zusammenzuführen. Die sogenannten Snapdragon Ride Flex SoCs erlauben es, Anwendungen mit unterschiedlichen Sicherheitsstufen auf einem Chip zu betreiben, was Systemkomplexität, Stromverbrauch und Kosten gleichermaßen senkt.
Für Automobilhersteller eröffnet sich damit ein klarer Migrationspfad weg von einer Vielzahl einzelner Steuergeräte hin zu wenigen, dafür besonders leistungsstarken zentralen Fahrzeugcomputern. Die Bandbreite der möglichen Konfigurationen reicht von ADAS-Basisfunktionen wie Geschwindigkeits- und Abstandsregelung oder Spurhalteassistenten bis hin zu fortschrittlichen automatisierten Fahrsystemen und freihändigem Fahren. Erste Erfolge verzeichnet die Partnerschaft bereits auf dem ostasiatischen Markt, wo sich die gemeinsam entwickelten ADAS-Lösungen bei mehreren Kunden durchgesetzt haben. Die ersten Serienfahrzeuge aus dem neuen Geschäft sollen voraussichtlich 2028 vom Band rollen.
Parallel dazu treiben Bosch und Qualcomm Technologies die Integration von Cockpit und Fahrerassistenz in einer einzigen Plattform voran. Die Cockpit- und ADAS-Integrationsplattform von Bosch vereint Funktionen für assistiertes und automatisiertes Fahren mit Infotainment-Anwendungen wie personalisierter Navigation und Sprachassistenz in einem Hochleistungscomputer. Für Fahrerinnen und Fahrer bedeutet das konkret einen besseren Zugang zu fortschrittlichen Level-2-Fahrfunktionen, darunter intelligente automatische Einparkhilfe und freihändiges Fahren. Was im digitalen Cockpit mit hochauflösenden Displays, KI-gestützter Sprachassistenz und immersiven Multimedia-Inhalten begann, wächst damit zu einer umfassenden Fahrzeugarchitektur heran, die Komfort und Sicherheit auf einer gemeinsamen Rechenplattform vereint.
Die strategische Bedeutung der Partnerschaft reicht über das reine Produktgeschäft hinaus. In einer Branche, die sich im Umbruch befindet und in der softwaredefinierte Fahrzeuge zum neuen Standard werden, positionieren sich Bosch und Qualcomm Technologies als Tandem, das Automobilherstellern die nötige Flexibilität und Skalierbarkeit bietet. Bosch bringt dabei seine Kompetenz in Systemintegration, Sensorik und automobiler Sicherheit ein, Qualcomm Technologies steuert leistungsstarke, energieeffiziente Chiparchitekturen bei. Gemeinsam adressieren sie eine der zentralen Herausforderungen der Automobilindustrie: intelligente Technologie so zu skalieren, dass sie nicht nur in Flaggschiff-Modellen, sondern in der gesamten Fahrzeugflotte ankommt.


















